Globaler Engpass bei Mikrochips

Markt / 11.04.2021 • 18:41 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Auch die Automotive-Industrie ist vom sogenannten „Chip Crunch“ betroffen. Zum Teil gab es wochenlange Produktionsausfälle.AFP
Auch die Automotive-Industrie ist vom sogenannten „Chip Crunch“ betroffen. Zum Teil gab es wochenlange Produktionsausfälle.AFP

Knappheit der wichtigen Bauteile trifft auch die Vorarlberger Wirtschaft hart.

Schwarzach Fehlende Küchengeräte sorgen dafür, dass in Vorarlberg manche Einbauküchen nicht fertiggestellt werden können. Das berichteten Tischler, die auch über einen Engpass bei fast allen anderen Werkstoffen klagten, bereits vor zwei Wochen in den VN. Die Hersteller von Herden und Waschmaschinen verknappen die Geräte aber nicht mutwillig, sie sind genauso von einem Engpass betroffen wie die Tischler. Und fast jede andere Branche, die auf Microchips, konkret: Halbleiter, angewiesen ist. Denn Corona brachte auch den globalen Markt der winzigen Bauteile in Turbulenzen. Das ist auch in Vorarlberg zu spüren.

Laptop-Boom durch Homeoffice

„Der Markt ist leergekauft“, berichtet Florian Salomon, Geschäftsführer des IT-Dienstleisters dyna bcs, der in der Region rund 800 Firmen bei Softwareentwicklung, mit Hardware und in der Datenverarbeitung betreut. Die Ursache des Mangels ist – wie könnte es anders sein – in der Coronapandemie zu finden. Als Homeoffice, Distance Learning und Ausgangssperre das Leben umkrempelten, kauften sowohl private Kunden wie Firmen den Markt praktisch leer, um die neuen Anforderungen erfüllen zu können. Deshalb wird nicht nur der Kauf von Küchengeräten zum Geduldspiel, sondern auch der von TV-Geräten, Smartphones, Spielkonsolen. Aber auch die Automotive-Industrie ist betroffen, ebenso das Internet of Things (IoT), das in vielen Industrieunternehmen kontinuierlich ausgebaut wurde. Der Engpass hat bereits einen Namen, in den betrofffenen Branchen spricht man vom „Chip Crunch“. Der größte deutsche Autohersteller, Volkswagen, musste seine Produktion zeitweise stoppen, weil ein Chip, der rund einen Euro kostet, nicht zugeliefert wurde, bei Daimler bereitet man die Kundschaft auf wochenlange Produktionsausfälle vor, um nur zwei der großen Autobauer zu nennen. Auch die Vorarlberger Zulieferer bangen um die weiteren Lieferungen, auch wenn sie derzeit noch auf ihre Lager zugreifen können. Von Verzögerungen will derzeit im Land noch niemand sprechen, doch selbst die größten Lager werden einmal leer, wie ein Manager, der nicht genannt werden will, um die Kundschaft nicht zu verunsichern, feststellt. Aus gutem Grund: Volkswagen will jetzt nicht mehr auf die Zulieferer wie Bosch oder Continental vertrauen, sondern mit den Halbleiterproduzenten direkt Verträge abschließen und ihre Lieferanten außen vor lassen. Analysten schätzen, so berichtet Bloomberg, dass alleine in der Automobilindustrie durch den Engpass heuer rund 60 Milliarden Dollar an Umsatz verlorengehen werden.

Verschiedene Ursachen

Verschärft wurde die Verknappung der substanziellen Bauteile, die heute in fast jedem möglichen wie unmöglichen Umfeld eingesetzt werden, nochmals durch die Schiffshavarie im Suezkanal, denn obwohl der größte Hersteller mit Intel in den USA beheimatet ist, ist der größte Teil der Produktion in Japan und China angesiedelt. Insgesamt, so Salomon, im VN-Gespräch, wird sich der Engpass natürlich auch auf die Preise all der Dinge, die mit den Chips und Halbleitern ausgestattet sind, auswirken, die schon jetzt stark angezogen haben, und schlussendlich auch die Endkunden treffen werden. „Es geht dabei nicht nur um die Chips“, so Salomon, „sondern um die gesamte Produktions- und Lieferkette“, angefangen bei den Rohstoffen bis zur Verpackung, von den Containern bis zur Lieferung ins Haus. Schließlich spielt auch die Weltpolitik eine Rolle, solange sich China und die USA mit Embargos bekriegen, wie Infineon-CEO Reinhard Ploss im Gespräch mit der NZZ betonte. Er erwarte sich da auch keine Deeskalation. Dass höhere Produktionskapazitäten in Europa, wie derzeit von verschiedener Seite gefordert, das Problem entschärfen könnten, glauben Fachleute nicht. Infineon hat dennoch reagiert und baut die Fertigung in Villach aus. Von der EU verlangt er außerdem einen größeren Handlungsspielraum für die Halbleiter-Industrie, wie ihn China und die USA ihren Unternehmen zugestehen. VN-sca

„Die Wirtschaft trifft das in allen Bereichen. Vom Elektrohandel bis zu den Produktionsbetrieben.“