Worauf Gastronomen beim Gemüsekauf Wert legen

Markt / 10.07.2021 • 08:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Worauf Gastronomen beim Gemüsekauf Wert legen
Patrick Grabher begeistert sich für gutes Obst und Gemüse, auch weil er selbst gerne genießt. VN/LERCH (2)

Fruchtexpress-Grabher-Geschäftsführer Patrick Grabher über Lockdowns, Rampenverkauf und Ernährungstrends.

Frastanz Fruchtexpress Grabher ist in Vorarlberg Marktführer beim Handel mit Obst und Gemüse und im letzten Jahr stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Patrick Grabher, der das Unternehmen zusammen mit Hubert und Felix Grabher führt, über die Krise und die Zukunft.

Herr Grabher, wie haben Sie das vergangene Jahr erlebt, wie schätzen Sie die künftige Geschäftslage ein?

Patrick Grabher Das war schwierig. Für uns war das Coronajahr wirklich eine Krise, weil 90 Prozent unserer Kunden wegen der Lockdowns zusperren mussten. Wir konnten aber dennoch nicht schließen, weil wir auch Systemgastronomie, also Altenheime, Krankenhäuser beliefern. Jetzt sind wir bei einem Minus von 80 Prozent gegenüber der Vorkrisenzeit. Es läuft jetzt aber wieder gut an. Die Hotels sind noch nicht so gut gebucht wie zuvor, aber wir hoffen das Beste.

Wann wird es wieder so, wie es vor Corona war?

Grabher Der letzte Sommer war ja nicht schlecht, heuer hoffen wir, dass wir fast auf das Niveau vor Corona kommen. Und dann ist die große Frage der Winter. Da hängt sehr viel von den Bestimmungen in Zusammenhang mit Corona ab. Wenn wieder ein Lockdown kommen würde, würde das Geschäft entsprechend schlecht ausfallen.

 Grabher: "Für uns war das Coronajahr wirklich eine Krise, weil 90 Prozent unserer Kunden zusperren mussten. Jetzt sind wir bei einem Minus von 80 Prozent gegenüber der Vorkrisenzeit."
Grabher: "Für uns war das Coronajahr wirklich eine Krise, weil 90 Prozent unserer Kunden zusperren mussten. Jetzt sind wir bei einem Minus von 80 Prozent gegenüber der Vorkrisenzeit."

Sie haben im ersten Lockdown mit einer Fruchtaktion für Aufsehen gesorgt. Ein erster Schritt direkt zum Endverbraucher?

Grabher Jein. Wir haben früher auch einen großen Teil an Handelsketten geliefert. Das haben wir aber reduziert in den vergangenen Jahren und haben den Fokus auf Gastronomie und Hotellerie gelegt. Das liegt daran, dass die Handelsketten eigene Einkaufsstrukturen haben. Deshalb haben wir unser Geschäftsmodell geändert. Wir haben qualitativ sehr hochwertige Produkte, an der Gastronomen eher interessiert sind als der kleine Supermarkt. Der Rampenverkauf war eine Notsituation. Mitte März hat man uns gesagt: Jetzt ist zu. Wir haben gerade noch ausgeliefert, doch viele haben das auch storniert. Wir hatten Ware, die wir am Lager gehabt haben, frische Ware für zirka 300.000 Euro, günstig an Private verkauft. Da waren wir selbst auch überrascht. Wir haben den Rampenverkauf jetzt noch zwei Tage in der Woche, wir werden das aber nicht ausweiten.

Bleibt die Geschäftsstrategie gleich, immerhin vergrößern Sie derzeit das Betriebsgebäude.

Grabher Wir waren optimistisch, wir haben die Halle vor Corona geplant. Unsere Strategie ist, dass wir nicht nur Obst und Gemüse liefern, sondern dass wir im Frischebereich in die Breite gehen. Wir haben jetzt auch Milchprodukte, Fisch und Fleisch und weitere Frischwaren im Programm. Darum haben wir diese Halle gebaut. Wir haben uns kurzfristig einen Stopp überlegt, aber das war nicht sinnvoll. Das macht auch aus Kundensicht und aus der Logistik Sinn, wenn der Kunde alles aus einer Hand bekommt. Wir haben dabei unser regionales Sortiment in den letzten Jahren immer mehr ausgeweitet.

Die Essgewohnheiten sind einem steten Wandel unterworfen, wohin entwickelt sich der Trend?

Grabher Wir merken, dass die Nachfrage nach frischem Obst und Gemüse schon länger groß ist. Bei veganen Produkten, die wir im Programm haben, merken wir den großen Schwung noch nicht.

Regionalität ist ein weiterer Trend.

Grabher Wir haben mit sehr vielen Vorarlberger Produzenten schon langjährige Partnerschaften. Die wissen auch, welche Produkte und welche Qualität wir brauchen. Die ganzen Beeren haben wir aus dem Land, auch Spargel, Fruchtgemüse und natürlich auch Salate. Die Erntesaison ist halt sehr kurz, im Winter haben wir das nicht. Es gibt Kunden, die wollen nur Vorarlberger Produkte, aber für uns sind auch die Insel Reichenau, Süddeutschland und Tirol wichtig. Das hat in den letzten Jahren sehr zugenommen. Wir gehen direkt auf die Vorarlberger Produzenten zu und fragen an, ob und welche Mengen sie liefern können. Aber Gastronomen kaufen auch direkt bei den Produzenten, das fördern wir auch. Wenn wir den Rest liefern können, ist das auch in unserem Interesse. Aber bestimmte Gemüsesorten wird es nie aus regionaler Produktion geben.

Ihre Familie ist seit 1932 im Geschäft, inzwischen gibt es die Unternehmen Fruchtexpress, Tiefkühlexpress und 11er. Wie arbeiten Sie zusammen?

Grabher Das hat Sinn gemacht, weil es komplett unterschiedliche Bereiche sind. Wir sind vollständig getrennte Firmen, aber wir arbeiten insofern zusammen, als wir auch 11er-Produkte verkaufen. Wir machen keine großen Projekte zusammen, wir haben eine reine Handelsbeziehung.  

In Vorarlberg ist Ihr Unternehmen groß, doch wie sieht es im nationalen Wettbewerb aus?

Grabher In Vorarlberg sind wir im Bereich Hotellerie und Gastronomie der größte Anbieter in der Branche, wir sind aber auch in Tirol nicht klein. Wir machen zirka 50 Prozent unseres Umsatzes in Vorarlberg und 50 Prozent in Tirol. Wir beliefern auch Großhandelskunden in der Schweiz, aber nicht die Gastronomie, das wäre für uns zu aufwendig und schwierig.

Haben Sie Spezialisten, die dafür sorgen, dass die Früchte und das Gemüse mit der richtigen Reife zu den Kunden kommen?

Grabher Da haben wir durch unsere jahrzehntelange Erfahrung und unsere langjährigen Mitarbeiter das richtige Know-how für den richtigen Zeitpunkt. Dabei sind zwei Dinge relevant: Einerseits die Sorten und natürlich die Frische und andererseits, dass so spät wie möglich geerntet und so schnell wie möglich geliefert wird.

Zur Person

Geboren 13. November 1979

Ausbildung Studium Volkswirtschaft an der Universität Zürich

Laufbahn Mitarbeiter bei IT-Firma, danach in das Familienunternehmen eingetreten, fünf Jahre bei Vater im Büro, 2014 Geschäftsführung zusammen mit Hubert und Felix Grabher

 

Fruchtexpress Grabher

Gegründet 1932

Geschäftsführung Hubert, Felix, Patrick Grabher

Mitarbeiter rund 100 (ca. 30 neue Mitarbeiter werden eingestellt)

Umsatz 2019/20 42,3 Millionen Euro

Sortiment 3000 Artikel, davon 450 Frischeprodukte aus dem Bereich Gemüse und Obst