Tausende Mitarbeiter verloren

Markt / 27.01.2022 • 22:09 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Problem ist, dass sich die Gastronomen gegenseitig Mitarbeiter abwerben. Das geht nicht. Ich sehe aber, dass alle Branchen Mitarbeiter suchen. Das wird der Wettbewerb regeln, Florian Moosbrugger, Hotel Gasthof Post, Lech

Das Problem ist, dass sich die Gastronomen gegenseitig Mitarbeiter abwerben. Das geht nicht. Ich sehe aber, dass alle Branchen Mitarbeiter suchen. Das wird der Wettbewerb regeln, Florian Moosbrugger, Hotel Gasthof Post, Lech

16,6 Prozent weniger Mitarbeiter in Vorarlbergs Gastronomie und Hotellerie seit 2019.

Schwarzach, Wien Restaurants schränken die Öffnungszeiten ein, manche Gaststätten haben gleich wochenweise und trotz Hochsaison, geschlossen, Wirte und Hoteliers ringen um Mitarbeiter. Und Gäste sind oft enttäuscht. Der Grund: Es gibt zu wenige Mitarbeiter in der Branche. Hauptgrund ist die Coronakrise, die die Arbeit in den Hotels und Gastronomiebetrieben in den letzten beiden Jahren über Monate ganz zum Erliegen brachte und die Mitarbeiter in Kurzarbeit zwang oder gleich Anlass war, um die Branche zu wechseln. Die Diskussion darüber, so ein Gastwirt im Gespräch mit den VN, schade auch deshalb, weil man die Branche schlechtrede, das Signal aussende, dass eine Karriere in der Gastronomie keine Zukunft habe. „Da müssen wir umdenken“, sagt er, der bereits an neuen Arbeitszeit- und Arbeitsplatzmodellen tüfftelt.

Gefahr Umorientierung

Es ist nicht einfach ein Jammern der Wirte und Hoteliers, die Stimmung lässt sich auch an nackten Zahlen festmachen. Wie aus Berechnungen der Denkfabrik Agenda Austria, basierend auf den Zahlen des Arbeitsministeriums, zeigen, ist die Zahl der Beschäftigten in der Gastronomie  in Vorarlberg zwischen 2019 und 2021 um 16,6 Prozent zurückgegangen, in absoluten Zahlen bedeutet das einen Rückgang von 11.503 (2019) auf 9592 (2021). Damit befindet sich Vorarlberg im vorderen Feld. In Tirol ist ein Minus von über einem Viertel der Beschäftigten zu verzeichnen, in Salzburg immerhin ein Fünftel und in Wien sind es 17,6 Prozent. Viele dieser Mitarbeiter haben sich bereits um­orientiert, werden nie mehr in die Branche zurückkehren. Vorarlberg habe insgesamt, was den Arbeitsmarkt betrifft, noch Glück gehabt, sagt Denes Kucsera, Ökonom bei Agenda Austria, weil der Arbeitsmarkt breiter aufgestellt ist als in den Nachbarbundesländern, und er ist zuversichtlich, dass sich, wenn sich die Coronakrise beruhigt, auch der Tourismus wieder erholt. Doch ein Defizit wird bleiben – der Mitarbeitermangel nimmt deshalb nicht wesentlich ab. Eine Lösung aus Sicht vieler Touristiker, unter ihnen der Lecher Seilbahnboss und Gastronom Michael Manhart wäre, das Ausländerkontingent zu erhöhen.

Arbeitsbedingungen ändern

Doch damit gehen nicht alle Kollegen d‘ac­cord. Sie wollen den Weckruf nutzen, um die Arbeitsbedingungen zu verändern, sie fordern Maßnahmen wie einen Durchrechnungszeitraum, um statt Saisonarbeit Ganzjahresstellen anbieten zu können, neue Arbeitszeitmodelle und ein entsprechendes betriebliches Umfeld. Nicht umsonst haben sich 80 Ausbildungsbetriebe zusammengeschlossen mit dem Ziel, den Beruf attraktiver zu machen (Die VN berichteten). „Ein höheres Kontingent ist der einfachste Weg, um auf alten Pfaden zu bleiben“, so ein Hotelier, doch man müsse bei einem internationalisierten Arbeitsmarkt z. B. auch die kulturellen und sprachlichen Unterschiede berücksichtigen. In Vorarlberg wird derzeit jeder 15. Arbeitsplatz durch die Hotellerie und Gastronomie bereitgestellt, informiert der Agenda-Austria-Ökonom Kucsera. VN-sca

„Die Pandemie trifft den Arbeitsmarkt wegen des starken Tourismus vor allem im Westen.“

Pandemie hat viele Gastromitarbeiter zur beruflichen Umorientierung bewogen. APA
Pandemie hat viele Gastromitarbeiter zur beruflichen Umorientierung bewogen. APA
Wir sind sehr froh, auf eine beträchtliche Zahl an Stammpersonal zurückgreifen zu können. Wir waren immer gut mit unseren Mitarbeitern, und das zahlen sie uns mit Loyalität zurück. Das freut uns sehr. Gertrud Tschohl, Montafoner Hof

Wir sind sehr froh, auf eine beträchtliche Zahl an Stammpersonal zurückgreifen zu können. Wir waren immer gut mit unseren Mitarbeitern, und das zahlen sie uns mit Loyalität zurück. Das freut uns sehr. Gertrud Tschohl, Montafoner Hof

Wir haben viele langjährige Mitarbeitende und derzeit kein Personalproblem, außerdem haben wir heuer auch weniger Mitarbeiter eingeplant, aber es braucht attraktivere Arbeitsbedingungen. Hubert Schwärzler, SchwärzlerHotels

Wir haben viele langjährige Mitarbeitende und derzeit kein Personalproblem, außerdem haben wir heuer auch weniger Mitarbeiter eingeplant, aber es braucht attraktivere Arbeitsbedingungen. Hubert Schwärzler, SchwärzlerHotels

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