Hannes Androsch

Kommentar

Hannes Androsch

Wissenschaft für Menschen

Markt / 05.02.2022 • 14:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Von der Zähmung des Feuers bis zur Entwicklung des Smartphones: Seit Jahrtausenden, speziell aber in den vergangenen 500 Jahren haben Entdeckungen, Entwicklungen und Erfindungen das Leben der Menschen besser, leichter und gesünder gemacht. Voraussetzung dafür waren Neugierde und Erkenntnisdrang, die schließlich durch Wissenschaft und Forschung systematisiert wurden. So entstand die industrielle Revolution, so hat sich unsere Lebensqualität verbessert, und so haben auch Medizin und Pharmazie gewaltige Fortschritte gemacht. Jüngstes Beispiel dafür ist die in so kurzer Zeit gelungene Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten zur Eindämmung von SARS-CoV-2.

Diese war nur möglich, weil man auf jahrzehntelangen Bemühungen aufbauen konnte, wofür wiederum die Freiheit der Forschung, das Bewusstsein ihrer Bedeutung und die Bereitstellung der erforderlichen Ressourcen notwendig waren. Und gerade diese Bedingungen werden auch zur Bewältigung der Herausforderungen unserer Zeit nötig sein. Von Forschung und Innovation werden zudem die geopolitische Balance wie auch unsere ökonomische Wettbewerbsfähigkeit abhängen. Für diese Tatsachen braucht es allerdings in Europa und vor allem in Österreich ein weitaus größeres Bewusstsein sowie eine ungleich größere Mittelbereitstellung.

Allerdings: Nicht jeder Schritt ist auch ein Fortschritt, und oftmals hat der Fortschritt seinen Preis. Forschungsergebnisse, Erkenntnisse, Erfindungen und Innovation können zweischneidig sein. Das gilt für ein einfaches Messer ebenso wie für das Wissen um die Kernspaltung. Deren Entwickler haben im Wissen um die Gefahr von Atomwaffen davor gewarnt, gleichzeitig aber Nuklearmedizin oder nukleare Energiegewinnung unterstützt. Ähnliches gilt heute für die Entwicklung und Nutzung von selbstlernender künstlicher Intelligenz, Drohnen und Robotern. Sie können uns helfen, die Herausforderungen unserer Zeit, allen voran die Klimaerwärmung zu bewältigen, brauchen aber klare Regeln, um ihre Nutzung zum Wohle der Menschen sicherzustellen.

Fazit: Wissenschaft, Forschung und Technologie sichern unseren Fortschritt, und speziell die Digitalisierung wird unsere kognitiven Kräfte ähnlich verstärken wie es im Industriezeitalter die Maschinen mit unseren physischen Kräften taten. Gerade deshalb braucht es eine „Magna Charta“, eine „Bill of Rights“, eine „Straßenverkehrsordnung“, um die Gefahren zu bannen und Missbrauch wie einen Überwachungsstaat oder Überwachungskapitalismus zu verhindern. Neben der Schaffung eines Rechtsrahmens braucht es zudem aber auch entsprechende Bildung, die uns zum kritischen Umgang mit diesen Technologien befähigt. Gerade hier haben wir in Österreich noch großen Nachholbedarf.

Dr. Hannes Androsch ist Finanz­minister i. R. und Unternehmer.