Hie wie da arbeiten

Markt / 11.04.2022 • 22:21 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Zumindest die Möglichkeit, bei der Arbeit Kollegen zu treffen, ist für viele Arbeitnehmer wichtig.Reuters
Zumindest die Möglichkeit, bei der Arbeit Kollegen zu treffen, ist für viele Arbeitnehmer wichtig.Reuters

Arbeitnehmer wollen Homeoffice und Büro, kürzere Arbeitswege, persönlichen Austausch.

Schwarzach, Wien Die Covid-Lockdowns haben die Arbeitswelt grundlegend verändert. Homeoffice ist für viele Vorarlberger inzwischen selbstverständlich, doch ganz glücklich sind sie damit nicht. Es fehlt ihnen der Austausch mit Kollegen und Vorgesetzten. Das zeigt eine große Studie des Beratungsunternehmens EY, die neben Homeoffice auch andere Parameter abgefragt hat – etwa die Bereitschaft, in Coworking-Spaces zu arbeiten, oder den Weg zur Arbeit. „Die Präsenzkultur ist spätestens seit Covid obsolet und Homeoffice zur durchaus gut funktionierenden Realität in unserer digitalisierten Arbeitswelt geworden. Immerhin sparen Arbeitnehmende dadurch Zeit, viele Kilometer und auch CO2-Emmissionen. Doch es gibt auch Kehrseiten, und die werden immer stärker spürbar: „Berufs- und Privatleben fließen ineinander, und auch der persönliche Austausch mit anderen Menschen fehlt zunehmend, sei es fachlich oder einfach die Plauderei bei einem Kaffee“, zieht Erich Lehner, Managing Partner Markets EY, als Resumee aus der Umfrage unter 1000 österreichischen Arbeitnehmern.

Langer Arbeitsweg

Ein Thema: Der Arbeitsweg. Denn durchschnittlich benötigen Angestellte in Österreich 29 Minuten zur Arbeit. Ideal wären, so das Ergebnis der Umfrage, für die meisten 17 Minuten, die Vorarlberger Angestellten hätte es gerne noch kürzer, sie würden 14 Minuten gutheißen. Sie sind nahe dran: Im Durchschnitt benötigen die Vorarlberger 20 Minuten von zuhause zum Arbeitsplatz. In Wien sind es immerhin 39 Minuten. 48 Prozent der Vorarlberger Angestellten haben eine Strecke von mehr als zehn Kilometer, zur Arbeitsstätte, diese bewältigen 72 Prozent trotz gut ausgebauter Infrastruktur mit dem eigenen Auto, 20 Prozent nutzen dafür öffentliche Verkehrsmittel. Abgesehen von der Zeitersparnis sind kürzere Wege oder die Fahrt mit Öffis auch eine wirkungsvolle Maßnahme, um dem Klimawandel zu begegnen: Wenn alle Angestellten flächendeckend Coworking-Spaces nutzen und ihr Verkehrsmittel frei wählen würden, dann würde jeder einzelne Angestellte in Österreich jährlich 1020 Kilometer Fahrtstrecke und damit 252,65 Kilogramm CO2 einsparen. Aufgerechnet auf derzeit 2,3174 Millionen Angestellte ergäbe das eine Gesamtersparnis von 585.563 Tonnen CO2 pro Jahr.

Flexible Arbeitgeber

Deshalb wollen auch nicht alle Vorarlberger, die für die EY-Studie befragt wurden, wieder tagtäglich zum Arbeitsplatz pendeln. Die Firmen sind flexibel: Nach Wien mit 64 Prozent sind die Homeoffice-Möglichkeiten in Vorarlberg mit 61 Prozent am höchsten. Doch effektiv genutzt wird diese Option in Vorarlberg von nur 22 Prozent und damit so wenig wie sonst in keinem Bundesland. 50 Prozent der Vorarlberger Angestellten, die zwischen Arbeitsplatz und Homeoffice pendeln, tun das, so ihre Antwort, weil sie „die räumliche Abwechslung schätzen“.

Neue Lösungen

43 Prozent der Angestellten in Vorarlberg hätten aus diesem Grund Interesse an einem temporären Wechsel des Arbeitsortes, am liebsten in ein näher dem Wohnort gelegenes Büro ihres Arbeitgebers. In Österreich sind es 53 Prozent, die das wollen, am ehesten junge Arbeitgeber (67 Prozent). Derzeit nutzen diese Möglichkeit fünf Prozent der Arbeitnehmer. Für EY-Experte Lehner sind die Ergebnisse jedenfalls ein Fingerzeig für die Unternehmen: „Im heutigen Fachkräftemangel und Bewerbermarkt müssen die Unternehmen rasch gangbare neue Lösungen finden, die die Vorteile beider Arbeitsformen vereinen – denn für Kandidatinnen und Kandidaten geben flexible Arbeitsmodalitäten und ein gut erreichbarer und ausgestatteter Ort mittlerweile den Ausschlag für die Jobzusage.“ VN-sca

„Der persönliche Austausch fehlt zunehmend, sei es fachlich oder bei einem Kaffee.“

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