Kinderbetreuung unter der Lupe

Markt / 02.05.2022 • 22:05 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das Dashboard ist unter dashboard.vorarlberg.iv.at abrufbar.
Das Dashboard ist unter dashboard.vorarlberg.iv.at abrufbar.

IV-Dashboard: Nur ein Drittel der Einrichtungen ermöglicht Vollzeitarbeit.

Lustenau Mindestens 47 Wochen im Jahr, 45 Stunden pro Woche und 9,5 Stunden am Tag geöffnet plus Mittagessen: Erfüllt eine Kinderbetreuungseinrichtung die Kriterien, gilt sie als VIF-konform. Das bedeutet: Eltern ist es möglich, ganztägig zu arbeiten.

Die Arbeiterkammer hat diesen Vereinbarkeits­indikator bereits 2008 entwickelt. Wie viele VIF-konforme-Kinderbetreuungseinrichtungen es in Vorarlberg mittlerweile gibt? Das hat nun die Industriellenvereinigung erhoben. Auf ihrem Dashboard ist genau ersichtlich, wie es um das Angebot im Land bestellt ist. „Entscheidungsträger sprechen hauptsächlich von der Betreuungsquote als Grundlage. Sie ist aber nicht sonderlich aussagekräftig, da sie viele Faktoren nicht berücksichtigt“, sagt IV-Präsident Martin Ohneberg. Sage sie doch kaum etwas über das Ausmaß oder die Qualität der Betreuung aus.

Rund ein Jahr hat die IV am Dashboard gearbeitet und es auf VIF-Konformität ausgerichtet. Ein Ergebnis: Von den 471 Kinderbetreuungseinrichtungen in Vorarlberg entsprechen nur 34,8 % den Kriterien. „Diese befinden sich aber hauptsächlich im Rheintal. In der Hälfte der Regionen gibt es derzeit keine einzige VIF-konforme Einrichtung“, erklärt IV-Geschäftsführer Christian Zoll.  Liege der Anteil im Rheintal bei 45 Prozent, seien es im Bregenzerwald zum Vergleich nur zwei Prozent. Begrenzt man die Suche auf Einrichtungen für Kinder unter zwei Jahren, sinke die Quote rasant ab.

Hier gilt es für Katharina Rhomberg-Shebl, Vorsitzende der Jungen Industrie, deshalb auch anzusetzen. Denn während das neue Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz für die Betreuung der 3- bis 5-Jährigen positive Rahmenbedingungen beinhalte, sehe der Versorgungsauftrag bei 2-Jährigen nur eine Betreuung von höchstens fünf Stunden vor. Bei den noch jüngeren Kindern gebe es gar keinen Auftrag, obwohl der Bedarf steige.

Wahlfreiheit für Eltern

Zudem sei im neuen Gesetz primär die Wohnort-Gemeinde für den Betreuungsplatz verantwortlich. Hier brauche es Wahlfreiheit auch hinsichtlich Arbeitsplatz-Gemeinde. Rhomberg-Shebls Fazit: „Wir brauchen einen gesetzlichen Rahmen, der die Lebensrealität der Eltern abbildet.“ VN-reh

Christian Zoll, Martin Ohneberg und Katharina Rhomberg-Shebl präsentieren das neue Dashboard zur Kinderbetreuung. iv
Christian Zoll, Martin Ohneberg und Katharina Rhomberg-Shebl präsentieren das neue Dashboard zur Kinderbetreuung. iv