Immobiliennachfrage durch Krisen gebremst

Markt / 21.09.2022 • 18:33 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Weniger Verkäufe im ersten Halbjahr in Vorarlberg.

Schwarzach „Eine Trendwende zeichnet sich ab“, sagt Remax-Chef Bernhard Reikersdorfer über den Immobilienmarkt. „Wir beobachten schon seit einigen Monaten, dass die Nachfrage nach Immobilien von einem unglaublich hohen Niveau zurückgeht und das Angebot steigt.“

Was sind die Gründe? Diese sind vielfältig und reichen von Corona über den Ukrainekrieg bis hin zur Energiekrise und der hohen Inflation. All das verändere die Werthaltungen, Wünsche, Ziele der Menschen sowie deren wirtschaftliche Möglichkeiten.

74.258 Immobilien

In Österreich gab es im ersten Halbjahr diesen Jahres laut Grundbuchdaten 74.258 Verbücherungen. Das sind um 2331 oder drei Prozent weniger als im Vorjahr. Nur beim Transaktionswert gibt es keinen Rückgang. Die verkauften Immobilien hatten einen Wert von insgesamt 21,73 Milliarden Euro (+10,8 %).

Wieso die aktuellen Herausforderungen nicht stärker auf den Immobilienmarkt drücken? Weil die Baukosten steigen, würden sich viele auch von einem Neubau verabschieden und in Richtung gebrauchte Häuser suchen. Zudem gebe es durchaus noch genügend Anleger, die in Immobilien investieren, wenn auch mit geringerer Rendite. Dazu komme, dass nun Verkäufer – beispielsweise Erben – nicht mehr zuwarten und auf weiter steigende Preise hoffen, sondern ihre Immobilien nun veräußern. Somit steigt auch das Angebot.

Starker Rückgang

Den stärksten Einbruch bei den verbücherten Immobilien im ersten Halbjahr hatte unter allen Bundesländern Vorarlberg. 3684 Immobilien wurden im Halbjahr verkauft, das entspricht einem Rückgang von 10,7 Prozent. Allerdings weisen die Remax-Experten darauf hin, dass die Menge immer noch über dem Niveau des Jahres 2020 liege.

Erhebliche Rückgänge gab es in den Bezirken Feldkirch und Dornbirn, während es in Bludenz und Bregenz ein geringes Wachstum bei den Verkäufen gab. Die Verkaufssumme stieg insgesamt um 1,8 Prozent auf 1,26 Milliarden Euro.

Der Arlberg toppt alles

Die teuersten Immobilien Vorarlbergs – bezogen auf den Verkaufspreis – sind wenig überraschend am Arlberg zu finden. Auf den vordersten Plätzen liegen im ersten Halbjahr 2022 ein Hotel in Lech um 13,8 Millionen Euro (das Appartementhaus Spullersee ging an einen deutschen Investor) sowie eine Liegenschaft in Lech um 10,7 Millionen Euro.

Dahinter folgen ein Gebäude in Hohenems um 9,1 Millionen Euro, ein Grundstück um 8,9 Millionen Euro in Lech und vier Gebäudeteile in Nüziders um 7,1 Millionen Euro. 

„Wir beobachten seit einigen Monaten, dass die Nachfrage zurückgeht und das Angebot steigt.“

Fakten

Verbücherungen 1. Halbjahr 2022

Österreich 74.258 (-3%) im Wert von 21,7 Milliarden Euro (+10,8%)

Vorarlberg 3684 (-10,7%), Wert: 1,26 Mrd. Euro (+1,8%)

Bludenz 604 (+6,5%), Wert: 224 Mill. Euro (+31,3%)

Bregenz 1317 (+0,8%), Wert: 419 Mill. Euro (+8,6%)

Dornbirn 716 (-25,3%) Wert: 288 Mill. Euro (-8,6%)

Feldkirch 1047 (-19%), Wert: 331 Mill. Euro (-10%)