“Anlagen sollten langweilig sein”

Markt / 14.11.2022 • 22:04 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Martin Jäger, Sprecher der Vorarlberger Sparkassen (l.), und Kapitalmarktstratege Thomas Lehr, Flossbach von Storch AG, in der VN-Redaktion. VN/Paulitsch
Martin Jäger, Sprecher der Vorarlberger Sparkassen (l.), und Kapitalmarktstratege Thomas Lehr, Flossbach von Storch AG, in der VN-Redaktion. VN/Paulitsch

Verunsicherung: Anlagestratege sagt, wie man sein Geld mit überschaubarem Risiko sichert.

Schwarzach, Dornbirn Thomas Lehr hat sein Handwerk von der Pike auf gelernt. Am Schalter einer Bankfiliale. Das ist zwar schon einige Zeit her, doch die wichtigste Regel für seine weitere Laufbahn hat er damals gelernt: Seinen Kunden ein zuverlässiger Berater in Geldfragen zu sein Inzwischen ist Lehr seit 2017 Kapitalmarktstratege bei Flossmann von Storch in Köln. Flossmann von Storch ist einer der größten bankenunabhängigen Vermögensverwalter in Deutschland, in Vorarlberg arbeitet das Unternehmen seit Jahren mit den Sparkassen zusammen.

„Worauf Anleger am Kapitalmarkt achten sollen“ war das Thema eines Vortrags, den Lehr vor kurzem in der Sparkasse Dornbirn und auch online hielt und der großes Interesse auslöste. Kein Wunder: Nicht nur die Vorarlberger sind verunsichert durch Inflation, Pandemie, Klimawandel und den Ukraine-Krieg. Auch an den Börsen schwanken die Kurse. Und ein Sparbuch, an dem die konservativ geprägten Vorarlberger Sparer nach wie vor hängen, bringt auch jetzt angesichts der Erhöhung der Zinsen keinen echten Mehrwert.

Ein gutes Zeichen

„Die Anlage sollte langweilig sein“, rät Thomas Lehr jenen Menschen, die nicht zuschauen wollen, wie ihr Vermögen aufgrund der Inflation schmilzt. Eine Rendite von vier bis fünf Prozent und eine breite Streuung des Fonds minimieren das Risiko. Bei Flossmann von Storch baue man dabei auf den Multi-Asset-Ansatz – „er ist Teil der Unternehmens-DNA“, heißt: Vermögen erhalten und mehren, indem man es auf verschiedene Anlageklassen aufteilt. „Dabei ist es unerheblich, ob uns ein Anleger mehrere Millionen Euro anvertraut oder monatlich 50 Euro in einen Fondssparplan einzahlt.

Betongold verliert an Attraktivität

Dass Betongold auch im Land an Glanz verliert, bestätigt der Sprecher der Vorarlberger Sparkassen, Martin Jäger, mit Blick auf die neuen FMA-Regeln für Wohnbaukredite in Österreich. „Betongold muss man mögen“, sagt Lehr und verweist auf das höhere Klumpenrisiko – also eine Häufung von Ausfallrisiken  – etwa durch Mietnomaden oder Erhaltungskosten. Um Betongold müsse man sich kümmern, da habe man mehr Arbeit, Nebenkosten, zumindest in Teilbereichen einen Anwalt zu bezahlen. „Da weht der Wind jetzt auch von vorne“, stellt Lehr fest und führt weiter aus, der Zinsanstieg der EZB, der noch nicht abgeschlossen sei, sorge jetzt außerdem dafür, dass sich Anlegerwohnungen inzwischen nicht mehr „durch die Miete abbezahlen“ bzw. finanzieren lassen.

Nachhaltigkeit im Fokus

„Wir achten sehr auf den grünen Aspekt“, betont der deutsche Kapitalmarktstratege, der nach seinem Einstieg als Berater bei einer Genossenschaftsbank auch für die Credit Suisse, die Berenberg Bank (Schweiz) AG sowie für Deka Investment tätig war, bevor er 2017 zu Flossbach von Storch stieß, und verweist auf die ESG-Regeln, die in der Branche verbindlich sind. Unter ESG versteht man die Berücksichtigung von Kriterien aus den Bereichen Umwelt (Environmental), Soziales (Social) und verantwortungsvolle Unternehmensführung (Governance). Auch Privatanleger können durch die ESG-Taxomonieregeln der EU prüfen, ob die angepriesenen Nachhaltigkeitsmaßnahmen wirklich konform sind oder nicht.

Beratung entscheidend

Lehr rät potenziellen Anlegern bei allen Überlegungen zu Unterstützung durch den eigenen Bankberater: „Vertrauen ist der Anfang von allem“, sagt er und stellt in dem Zusammenhang fest, dass er sein Auto ja auch nicht selber repariere. Natürlich könne man auch selbst an der Börse handeln und sich auf einzelne Papiere konzentrieren. Das erhöhe die Möglichkeit höherer Gewinne, steigere aber auch das Risiko entsprechend. VN-sca

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