Kellner und Elektriker gesucht

Markt / 02.12.2022 • 17:57 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Doppelt so viele offene Stellen in Mangelberufen. Agenda Austria ortet Lösungswege.

Schwarzach Wer heute einen Job sucht, hat die Wahl. Unternehmen aller Branchen suchen händeringend nach Mitarbeitern, während die Arbeitslosigkeit nach einer Hochphase während der Pandemie sukzessive sinkt.

Die Denkfabrik Agenda Austria hat die Situation in den Bundesländern auf Basis von AMS-Daten analysiert. Dabei zeigt sich unter anderem, dass vor allem die Zahl der Mangelberufe zunimmt. Das sind Berufsfelder, in denen es besonders schwer ist, offene Stellen zu besetzen. Mittlerweile habe der Man­gel historische Dimensionen erreicht, erklären die Ökonomen Dénes Kucsera und Hanno Lorenz. Denn mit Ende Juli gab es mit mehr als 80.000 offenen Stellen in Mangelbe­rufen mehr als doppelt so viele wie vor der Pandemie.

Deutliche Unterschiede

Wobei es deutliche Unterschiede in den Bundesländern gibt. Während zum Beispiel in Vorarlberg Köche und Kellner schwer zu finden sind, gibt es in Wien in diesen Berufen deutlich mehr Arbeitslose als offene Stellen. Für Agenda Austria wäre deshalb die Erhöhung der Mobilität ein wichtiger Ansatzpunkt gegen das Arbeitskräfteproblem. Rund 15 Prozent der Arbeitslosen könnten offene Stel­len in Mangelberufen angeboten werden, wenn sie bereit wären, in ein anderes Bundesland zu pendeln oder zu übersiedeln. Dazu bräuchte es allerdings Änderungen bei den Zumutbarkeitsbestimmungen. Belohnt werden könnte die Mobilität, so Kucsera und Lorenz, mit Anreizen wie Steuergutschriften.

Vollzeit statt Teilzeit

Insgesamt, so sind die Studienautoren sicher, brauche es auch mehr Anreize, Vollzeit zu arbeiten. Denn aktuell würden mehr Menschen in Teilzeit arbeiten als vor der Pandemie. 16,4 Stunden beträgt in Vorarlberg die durchschnittliche Wochenarbeitszeit eines Teilzeitbeschäftigten. Bei Frauen sei Vollzeitbeschäftigung bereits die Ausnahme. Um die Vollzeitarbeit attraktiver zu machen, wären laut Agenda Austria steuerliche Anreize denkbar, damit zusätzliche Arbeitsstunden auch mehr Netto bringen. Zudem brauche es mehr ganztägige Kinderbetreuungsplätze.

Ein Puzzleteil sei auch die zielgerichtete Zuwanderung. „Geeignete Herkunftsländer sind etwa Bosnien Herzegowina und Serbien, von wo bereits Tausende Be­schäftigte stammen“, sagt Lorenz. Und letztlich sei auch das Pensionsantrittsalter ein Teil der Lösung. „Menschen sollten später in Pension gehen.“ Denn Österreich gehöre noch immer zu jenen Ländern, in denen Beschäftigte den Arbeitsmarkt besonders früh verlassen. VN-reh

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