Wolford-Laufmasche kostet Arbeitsplätze

Markt / 23.01.2023 • 22:07 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Betriebsratschef Alexander Greussing und GPA-GF Marcel Gilly.
Betriebsratschef Alexander Greussing und GPA-GF Marcel Gilly.

Fosun Fashion Group Wisdom bei Wolford glücklos: Firmensitz verkauft, jetzt werden Arbeitsplätze abgebaut.

Bregenz „Wie lange kann das noch gut gehen?, ist Wolford noch zu retten?“ und ähnliche Fragen stellen sich nach dem seit der Übernahme der Mehrheit der Wolford-Aktien durch die chinesische Investor Fosun Fashion Group Wisdom fortgesetzten Niedergang des einst gefeierten Börsenstars aus Bregenz Mitarbeiter, Pensionisten und Finanz- sowie Textilwirtschaft. Das Unternehmen befeuert solche Spekulationen nach Kräften, denn der versprochene Befreiungsschlag mag nicht gelingen.

Nun sollen weitere zehn Prozent der Mitarbeiter abgebaut werden, verkündete der niederösterreichische Interimsvorstand des Bregenzer Nobelmodelabels, Paul Kotbra, in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Profil. Die Mitarbeiter wussten zu diesem Zeitpunkt schon von dem Einschnitt: Der Betriebsrat wurde schon Ende vergangenen Jahres informiert, die Mitarbeiter bei einer folgenden Betriebsversammlung. Das berichtet Betriebsratsobmanns Alexander Greussing, der das Amt des Obmann erst zu Jahresbeginn übernommen hat. Im Betrieb ist er allerdings seit 43 Jahren, hat dort schon seine Lehre gemacht.

Wie viele Mitarbeiter an welchem Standort gehen müssen, ist indes noch nicht sicher: Derzeit mache die Firmenleitung gerade ihre Planung für den Stellenabbau, so Greussing. Geht man davon aus, dass Wolford die Wirtschaftsstandortgesellschaft Vorarlberg gerade beauftragt hat, nach einem neuen Standort im Land zu suchen, könnten bis 2027 alleine in Bregenz 130 Arbeitsplätze abgebaut werden – denn gesucht wird ein Betriebsgebäude für 250 Mitarbeiter.

Auch ohne zu wissen, wie viele Arbeitsplätze in Bregenz verloren gehen, wurde für den aktuellen Stellenabbau bereits ein Sozialplan ausgehandelt. „Es gibt ein Punktesystem, das die Länge der Betriebszugehörigkeit ebenso berücksichtigt wie den Familienstand oder ob der Mitarbeiter Alleinerzieher ist“, so Greussing. Ebenfalls gebe es eine Arbeitsstiftung, die bei Umschulungen unterstütze, und eine Stelle im Personalbüro, das bei Bewerbungen der freigesetzten Mitarbeiter helfe.

So pessimistisch wie viele Mitarbeiter und Wolford-Pensionisten will Betriebsratschef Greussing die Sache nicht sehen: „Es hat immer wieder Höhen und Tiefen gegeben“, sagt er und verweist auf die Innovationskraft der Bregenzer Luxusmarke: „Wir haben hier spezielle Technologien entwickelt, dieses Knowhow kann man nicht so schnell auslagern.“ Das Niveau sei wahnsinnig hoch, so Greussing. Was allerdings nicht wirklich gelingt, ist diese Entwicklungen den Kunden zu verkaufen. 2022 konnte zwar der Umsatz gesteigert werden, allein in der Kasse blieb nichts – das operative Ergebnis lag bei einem Minus von fast 17 Mill. Euro.

Die 72 Millionen Euro, die Wolford vom Käufer Blum für das Gebäude in Bregenz erhalten hat, sind verbraucht, neues Geld soll ermöglichen, wieder aktiv zu werden. Was nötig ist, denn in der Fashionbranche kann man nur reüssieren, wenn man glänzt. Und das ist derzeit sicher nicht der Fall. VN-sca

Wolfords Mietvertrag bei Blum läuft im Jahr 2027 aus.
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In den Wolford-Werkshallen hofft man darauf, mit innovativer Technik weitermachen zu können. FA
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