Börsentipp: Ist es sinnvoll, was Trump tut?

Markt / 25.04.2025 • 09:58 Uhr
Börsentipp: Ist es sinnvoll, was Trump tut?

Experte Stefan Bruckbauer über die Folgen der US-Politik für die Aktienmärkte.

Wien Angesichts der Reaktion der Aktien-, der Anleihe- und der Währungsmärkte erscheint es offensichtlich, dass die derzeitige Wirtschaftspolitik der USA negative Folgen hat. Trotzdem gibt es immer wieder Meinungen, durchaus auch seriöse, die meinen, dies alles sei am Ende sinnvoll, zumindest für die USA.

Diese Meinungen widerspiegeln das Weltbild des US-Präsidenten und vieler seiner Berater, das etwa so aussieht: Die Welt verkauft seine Waren an die reiche Bevölkerung der USA und nimmt damit den USA Arbeitsplätze weg. Dies wird unterstützt durch die internationale Rolle des US-Dollars, der Dank der Veranlagung des Auslands in US-Vermögen zu stark ist und die ausländischen Güter daher zu billig macht. Man muss nur die ausländischen Waren teurer machen – durch Zölle – und den Dollar billig, mit niedrigen Zinsen und vielleicht auch mit „eigenartiger“ Wirtschaftspolitik. Dann kehren die Arbeitsplätze zurück in die USA.

Diese Politik übersieht jedoch ganz wesentliche Aspekte. Richtiger Wohlstand wird heute nicht mehr mit der Produktion von Waren erzielt, sondern mit Dienstleistungen, allen voran im Bereich der Technologie.

Sollen die Waren in den USA so günstig produziert werden, wie sie jetzt importiert werden, so müssen entweder die Löhne in den USA sinken, oder die Produktivität der Warenproduktion gewaltig erhöht werden. Diese ist aber bereits sehr hoch. D.h. entweder sinken die Löhne, oder die Produkte werden für viele nicht mehr erschwinglich sein.

Und ist es sinnvoll, in einem Land, das technologisch an der Spitze der Welt steht, wieder selbst T-Shirts und Sneaker zu produzieren? Und ist es schlau, auf die Ersparnisse der Welt zu verzichten, die bisher große Teile des US-Staatsdefizits finanziert und damit die Möglichkeit geschaffen haben, dass wesentliche Teile der Ersparnisse der US-Haushalte für den Aktienmarkt und Start-ups zur Verfügung standen?

Sollte es Trump gelingen, das Handelsbilanzdefizit der USA, dessen wahre Ursache ja das hohe Budgetdefizit ist, zu reduzieren, dann zulasten des Konsums und Wohlstands seiner Einwohner. Sicherlich wird es auch Gewinner geben, der Durchschnitt der Einwohner der USA wird es aber nicht sein. Und die USA verlieren dabei enorme „sanfte“ Macht zugunsten von „Druck“, der viel Gegendruck erzeugen wird.

Stefan Bruckbauer,
Chefvolkswirt der Bank Austria Unicredit, Economics & Market Analyses