Jobs für Ungelernte werden rar

Fast die Hälfte der Arbeitslosen in Vorarlberg ist niedrig qualifiziert – AMS will gegensteuern.
Bregenz Der Vorarlberger Arbeitsmarkt zeigte im vergangenen Jahr ein gemischtes Bild. Trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen blieb die Zahl der unselbstständig Beschäftigten mit 172.463 Personen nahezu unverändert, erklärt Katharina Neuhofer, stellvertretende Geschäftsführerin des AMS Vorarlberg. Positiv entwickelte sich auch die Jugendarbeitslosigkeit, die 2025 leicht zurückging.

10.910 Menschen ohne Job
Gleichzeitig verschärfte sich die Situation für Arbeitsuchende insgesamt. Die Arbeitslosenquote stieg auf 5,9 Prozent. Insgesamt waren 10.910 Personen arbeitslos vorgemerkt – ein Plus von 6,2 Prozent.

Besonders herausfordernd ist dabei die Qualifikationsstruktur: Rund 48 Prozent der arbeitslos Gemeldeten verfügen über maximal einen Pflichtschulabschluss und haben keine abgeschlossene Ausbildung.
Angespannt war die Lage am Arbeitsmarkt 2025 vor allem in Industrie und Handel. Auch ältere Arbeitslose sowie Langzeitbeschäftigungslose hatten es schwer, wieder Fuß zu fassen. Erschwert wurde die Situation zusätzlich durch den Rückgang der offenen Stellen: Deren Zahl sank um rund 20 Prozent auf 3809.
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Besserung im zweiten Halbjahr
Trotzdem blickt AMS-Landesgeschäftsführer Bernhard Bereuter vorsichtig optimistisch auf das laufende Jahr. Die Prognosen würden eine leichte Verbesserung erwarten lassen. “Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten soll um rund 500 Personen steigen. Zudem rechnen wir im zweiten Halbjahr mit einer stärkeren Personalnachfrage”, so Bereuter. Dadurch könnten sich die Beschäftigungschancen für arbeitslose Personen verbessern, auch wenn das Arbeitslosenniveau insgesamt in etwa auf dem Stand von 2025 bleiben dürfte.

Um möglichst viele Menschen wieder in Beschäftigung zu bringen, setzt das AMS heuer neben der Kernaufgabe der Vermittlung auf zwei Schwerpunkte. Einer davon ist die Höherqualifizierung. “Wir sehen, dass es deutlich weniger Jobs für Niedrigqualifizierte gibt. Bei rund 70 Prozent aller offenen Stellen wird ein Lehrabschluss oder eine höhere Ausbildung vorausgesetzt”, sagt Bereuter. Das AMS wolle daher verstärkt dabei unterstützen, formale Abschlüsse nachzuholen.
Wie stark sich Ausbildung auf das Arbeitslosigkeitsrisiko auswirkt, zeigen auch die Zahlen: Während die Arbeitslosenquote bei Personen mit maximal Pflichtschulabschluss bei rund 16 Prozent liegt, beträgt sie bei Menschen mit höherer Ausbildung lediglich drei Prozent.
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Chancen für Langzeitarbeitslose
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Integration von Langzeitbeschäftigungslosen – also Personen, die länger als ein Jahr ohne Job sind. Derzeit betrifft das rund 2000 Menschen in Vorarlberg. “Im vergangenen Jahr ist es uns gelungen, 754 Personen aus der Langzeitarbeitslosigkeit in Beschäftigung zu bringen. Das ist angesichts der wirtschaftlichen Lage eine beachtliche Zahl”, betont Bereuter. Dabei setzt das AMS unter anderem auf eine schrittweise Integration, etwa über zeitlich befristete Beschäftigungen bei sozialökonomischen Unternehmen. Zusätzlich werden Betriebe unterstützt, die ältere Arbeitslose einstellen. In diesen Fällen stellt das AMS Lohnkostenförderungen zur Verfügung.
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Dass in den heimischen Betrieben weitere größere Stellenabbaumaßnahmen geplant sind, hofft Bereuter nicht. “Ich hoffe, dass die Unternehmen die verbesserte wirtschaftliche Entwicklung spüren und sich das positiv auswirkt, sodass sie ihre Personalstände halten können.” Das AMS stehe den Betrieben dabei beratend zur Seite. “Es gibt alternative Möglichkeiten, etwa geförderte Weiterbildungen in wirtschaftlich schwierigeren Phasen.”
Ausgaben AMS Vorarlberg 2026
insgesamt 39,42 Millionen Euro
Die größten Einzelprojekte
Eingliederungsbeihilfe: 5,6 Millionen Euro
Sozialökonomische Betriebe: 5,8 Millionen Euro
AMS-Bildungsmaßnahmen: 9,2 Millionen Euro
Beihilfe zur Deckung des Lebensunterhaltes: 6,3 Millionen Euro
Förderung von Ausbildungsplätzen: 2,8 Millionen Euro