Börsentipp: Nicht jede Diversifikation schützt

Karl-Heinz Strube (Hypo) über das klassische 60/40-Portfolio, das nicht mehr automatisch krisenfest ist.
Bregenz Jahrelang galt Diversifikation als nahezu gelöstes Problem: Aktien dienten der Rendite, Anleihen dem Schutz. Doch diese Formel ist brüchiger geworden. In den großen Stressphasen seit 2020 sind Aktien und Anleihen immer wieder gleichzeitig gefallen. Das klassische 60/40-Portfolio ist dadurch nicht wertlos geworden, aber es ist längst nicht mehr automatisch krisenfest.
Genau deshalb stellt sich eine wichtigere Frage: Was ist heute überhaupt noch Diversifikation? Viele Investor:innen haben darauf mit mehr alternativen Investments reagiert, die von Gold und Silber bis zu Private Credit, Private Equity und Infrastruktur oder Kryptowährungen reichen. Doch nicht alles davon erfüllt dieselbe Funktion. Edelmetalle sind liquide und können in Phasen politischer und monetärer Unsicherheit als Absicherung dienen. Anlagen wie Private Equity wirken auf dem Papier oft stabiler. Aber Stabilität ist nicht dasselbe wie Krisenschutz. Wenn Bewertungen nur selten angepasst werden oder Rücknahmen begrenzt sind, entsteht leicht der Eindruck von Ruhe, obwohl in Wahrheit nur Illiquidität wirkt.
Die überzeugendere Antwort liegt daher im aktiven, globalen Multi-Asset-Management. Entscheidend ist nicht eine starre Mischung, sondern die flexible Steuerung von Liquidität, Anleihen, Aktien und alternativen Investments. Dafür sind nicht nur klare Prozesse, sondern auch Erfahrung und fundierte Portfoliomanagementkenntnisse notwendig. Wer Liquidität als strategische Reserve versteht, Anleiherisiken aktiv steuert, Aktienquoten diszipliniert anpasst und alternative Anlagen gezielt als Ergänzung statt als Renditeversprechen einsetzt, erhöht die Chance auf robustere Portfolios. Nicht jeder Baustein muss jederzeit performen, aber jeder sollte im Gesamtportfolio eine klare Aufgabe erfüllen.
Die eigentliche Lehre für Anleger:innen im Jahr 2026 lautet deshalb: Nicht breitere Diversifikation ist die Lösung, sondern bessere Diversifikation. Wer sich an Musterportfolios oder starren prozentualen Allokationsempfehlungen vermeintlicher “Fachleute” orientiert, verkennt die Realität wechselnder Marktregime. Entscheidend ist vielmehr, wie flexibel ein Portfolio oder dessen Manager:in auf Veränderungen reagieren kann und ob die einzelnen Bausteine im Krisenfall tatsächlich Schutz bieten.