Wie die Geopolitik das Exportland Vorarlberg im Mark trifft

Eine toxische Gemengelage aus geopolitischen Krisen und fehlender Impulse im eigenen Land, sorgt bei den größten Betrieben Vorarlbergs für große Besorgnis.
Feldkirch, Bregenz Es war nur eine kurze Phase des Aufatmens, als sich zu Jahresbeginn ein leichter Aufschwung als auch eine Eindämmung der Inflation abzeichneten. Allen Hoffnungen auf ein Abflauen der Krise, machten die bekannten geopolitische Ereignisse ein Ende. Dass auch die Strategien der österreichischen Bundesregierung bislang nicht gegriffen haben, machte es im ersten Quartal für die Vorarlberger Industriebetriebe nicht einfacher. Das zeigt sich in der quartalsmäßigen Umfrage der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer Vorarlberg und der Industriellenvereinigung (IV), an der sich im ersten Quartal des Jahres 30 Unternehmen mit 19.683 Beschäftigten beteiligt haben.
“Besorgniserregend”
„Die aktuellen Umfrageergebnisse zur Industriekonjunktur in Vorarlberg sind besorgniserregend”, fasst denn auch Michael Amann, Geschäftsführer der Sparte Industrie, die Ergebnisse zusammen. 28 Prozent der Industriebetriebe bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als schlecht. Nur sieben Prozent beurteilen sie als gut. Zwar ist sie aktuell für 65 Prozent durchschnittlich, verbessert sich jedoch in den nächsten sechs Monaten nicht. Eine Veränderung sei nicht in Sicht. Dramatisch sind die Einschätzungen der derzeitigen und künftigen Ertragslage. 31 Prozent der Firmen sehen eine negative Entwicklung. Für das Exportland Vorarlberg besonders einschneidend: Keines der an der Umfrage teilnehmenden Unternehmen erachtet die Auftragseingänge aus dem Ausland als gut.
Druck auf Lebensmittelbranche
Nun schwächelt auch die Lebensmittelindustrie, die bisher immer stabilisierend wirkte, massiv. 41 Prozent der Lebensmittelproduzenten beurteilen die aktuelle Geschäftslage als schlecht. „Das sind unerfreuliche Botschaften, wenn eine bislang stabile Branche derart unter Druck gerät“, sagt Amann und erklärt mit Blick auf die österreichische Wirtschaftspolitik: “Kurzfristiges wirtschafts- und energiepolitisches Denken verschärfe die Situation zusätzlich.” Die von der Bundesregierung angekündigte, leichte Senkung der Lohnnebenkosten gehe in die richtige Richtung, dürfte für eine Trendwende jedoch viel zu gering sein und komme zudem viel zu spät. “Durch die Gegenfinanzierung, unter anderem über eine höhere KÖSt, werden die Vorteile wieder zerstört”.