“Wettbewerbsfähigkeit muss wieder in den Mittelpunkt rücken”

Die VN fragen den Unternehmer und Sprecher der Vorarlberger Industrie, Markus Comploj: drei Antworten zur Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Vorarlberg.
Österreich wird immer teurer – verstehen Politik und Bevölkerung die Alarmzeichen? Und was sind Maßnahmen, um den Verlust weiterer Industriearbeitsplätze zu stoppen?
Die Wettbewerbsfähigkeit muss wieder in den Mittelpunkt rücken. Entscheidend sind moderate Kollektivvertragsabschlüsse. Der Ernst der Lage ist bei den Sozialpartnern und der Bevölkerung zunehmend angekommen. Gleichzeitig muss auch der öffentliche Sektor effizienter werden: Einen weiter wachsenden Verwaltungsapparat können wir uns nicht leisten. Zusätzliche Bürokratie, etwa bei der Lohntransparenz, erschwert den Unternehmen das Arbeiten – das Ziel ist richtig, der aktuelle Vorschlag jedoch unnötig kompliziert.
Welche Initiativen der Bundes- und Landesregierung helfen, die Industrie zu stärken, und sind diese wirksam?
Österreich hat ein Ausgabenproblem. Die Abgabenbelastung hemmt Investitionen und kostet Arbeitsplätze. Das Doppelbudget des Bundes setzt falsche Prioritäten, weil es zu wenig auf strukturelle Einsparungen setzt. Statt teurer und wenig wirksamer Einzelmaßnahmen – wie der Mehrwertsteuersenkung auf bestimmte Lebensmittel, finanziert durch zusätzliche Bürokratie in Form der Paketabgabe – braucht es eine konsequente Entlastung des Standorts. Positiv sind der Pakt für Forschung, Technologie und Innovation sowie Korrekturen beim in den vergangenen Jahren überbordenden Naturschutz im Siedlungsbereich. Ebenso wichtig wäre eine weitere Senkung der Lohnnebenkosten – allerdings finanziert durch Einsparungen in der Verwaltung und nicht durch zusätzliche Belastungen.
Vorarlberg zählt zu den stärksten Exportregionen Österreichs. Wie kann dieser Vorsprung gehalten werden?
Die Grundlage unseres Exporterfolgs sind Innovation und qualifizierte Fachkräfte. Deshalb investieren wir konsequent in Forschung und Entwicklung sowie in die Zusammenarbeit mit regionalen und internationalen Forschungseinrichtungen. Ebenso wichtig ist die Sicherung der Fachkräfteausbildung – insbesondere der Lehre und der HTL. Darüber hinaus braucht ein Exportland eine leistungsfähige Infrastruktur: Die rasche Umsetzung wichtiger Verkehrsprojekte wie der S 18 und des Bahntunnels im Pfänder stärken die internationale Wettbewerbsfähigkeit Vorarlbergs nachhaltig.