Kommentar: Die Marke ist nicht gescheitert. Die Politik ist gescheitert.

Markt / 25.09.2026 • 11:23 Uhr
Kommentar: Die Marke ist nicht gescheitert. Die Politik ist gescheitert.

18,4 Millionen Euro ausgegeben. 64 Prozent der Vorarlberger kennen die Marke nicht. Weniger als zehn Prozent verbinden sie mit ihrem eigentlichen Ziel. Der Rechnungshof zeichnet ein ernüchterndes Bild. Die einfachste Reaktion wäre jetzt: Marke abschaffen. Genau das fordert die Opposition. Doch damit macht man es sich meines Erachtens zu einfach. Denn die ursprüngliche Idee war richtig. Vorarlberg sollte sich damit beschäftigen, wofür dieses Land in Zukunft stehen will. Wie sich das Land in Zukunft positionieren will. Worauf die Menschen, die hier leben möchten, stolz sind und wie auch in Zukunft Menschen gerne in Vorarlberg leben, arbeiten oder Vorarlberg besuchen. Nicht mit einem neuen Logo, sondern mit einer gemeinsamen Perspektive. Wirtschaft, Gesellschaft, Bildung, Gemeinden und viele andere wurden eingebunden. Am Ende stand eine starke Vision: Vorarlberg als chancenreichster Lebensraum für Kinder. Was könnte wichtiger sein?

Ein Land, das jungen Menschen Chancen gibt. Ein Wirtschafts- und Lebensraum, der Zukunft, Hoffnung und Perspektive vermittelt. Andere Regionen wie Südtirol oder Länder wie die Schweiz zeigen, wie wichtig und erfolgreich eine klare Positionierung sein kann. Gescheitert ist deshalb weniger die Idee als einmal mehr ihre mutige und konsequente Umsetzung. Zuständigkeiten wurden verschoben, politische Akteure und Organisationen wollten teilweise selber Profit daraus schlagen, andere identifizierten sich nicht damit. Vom Zukunftsbüro zur WISTO, von dort Richtung Landesverwaltung und schließlich zur “Chefsache”. Verantwortlichkeiten blieben unklar. Partikularinteressen wurden wichtiger als das gemeinsame Ziel. Dazu kamen Fehlentscheidungen, mangelnde Konsequenz und am Ende sogar ein Raum, für den offenbar zuerst geplant und erst danach nach dem Bedarf gefragt wurde. Der Rechnungshof dokumentiert dazu erhebliche organisatorische und finanzielle Mängel.

Das ist das eigentliche Problem. Wir entwickeln Strategien, beschließen Visionen und starten Prozesse. Sobald es aber um konsequente Umsetzung geht, beginnt das österreichische Lieblingsspiel: Zuständigkeiten verschieben, Verantwortung verwässern und Probleme verwalten. Eine richtige Idee, eine notwendige Positionierung und eine gute Vision wurden nicht widerlegt. Sie wurde verspielt. Und genau das ist vielleicht die bitterste Bilanz dieses Markenprozesses: Vorarlberg hat nicht 18 Millionen Euro für eine schlechte Idee verloren. Es hat eine gute Idee durch Mittelmaß, Mutlosigkeit und fehlende Verantwortung kaputtgemacht.