So gelangte Obrists Powertrain aufs Abstellgleis

VN-Hintergrund: Die weltweit angesehenen Obrist-Technologiefirmen mussten Insolvenz anmelden. Was trotz hoher Innovationskraft zur Schließung von zwei Firmen führt.
Lustenau, Lindau Es sind nicht immer die besten Lösungen, die sich durchsetzen. Das kennen viele aus dem privaten Umfeld, das kommt aber auch in der Wirtschaft immer wieder vor. Nicht gelungen ist das Thomas Alva Edison, der jahrelang die Einführung von Wechselstrom blockierte. Es gelang ihm schlussendlich nicht, wie wir heute wissen. Doch es sind auch andere industriepolitische Entscheidungen, die z. B. die Etablierung des Beta-Systems von Sony verhinderten; das deutlich besser war als das VHS-System. Apple scheiterte mit dem ersten hochmobilen Computer namens “Newton” 1993, weil er einfach seiner Zeit voraus war. Auch in unserer Region wurden Dinge erfunden, die letztlich scheiterten.

Obwohl Felix Wankel den Kreiskolbenmotor entwickelte, der deutlich laufruhiger und kompakter war als der Otto-Motor, setzte er sich nicht durch. Heute wird er nur noch von Mazda als Generator (Range Extender) angeboten, der Strom für den Elektromotor erzeugt. Der Vorarlberger Erfinder und Unternehmer Frank Obrist war einer der letzten direkten Schüler und Mitarbeiter des deutschen Erfinders, dessen Forschungsunternehmen seinen Sitz in Lindau hatte.
International anerkannt
Wie verbunden seinem Mentor Wankel der Vorarlberger Erfinder ist, dokumentiert sich in einem Gebäude. Nachdem das Forschungszentrum von Wankel am Bodensee jahrelang leer stand, kaufte Obrist das Gebäude und renovierte es mit Millionenaufwand. Es wurde zu seiner Bühne, um den von ihm entwickelten “Hyper Hybrid” als Alternative zu reinen Elektromotoren zu lancieren. Der Vorarlberger Ingenieur findet international Gehör – etwa als Berater der Vereinten Nationen, auch hochrangige Vertreter der EU lobten die Entwicklung von Hyper Hybrid. Auch zahlreiche seiner Patente sind in Anwendung: Das Unternehmen selbst berichtete 2025 von 252 angemeldeten und 128 vergebenen Patenten.

Dass Obrists größtes Projekt Hyper Hybrid nicht in die Gänge gekommen ist, liegt an den Kosten und daran, dass sich die automobile und politische Welt auf die E-Mobilität geeinigt haben und Milliarden in diese Technologie investierten und weiterhin investieren. Das hat Obrist scheinbar auch selbst festgestellt, denn es wird als einer der Gründe für die Insolvenz angeführt. Allein – glauben wollte es, so ist aus dem Unternehmen zu erfahren – Frank Obrist bis zuletzt nicht. Noch in den letzten Wochen soll er versucht haben, im asiatischen Raum Partner für die Realisierung seiner Pläne zu finden, berichteten Obrist-Mitarbeitende. Doch das hat schon in den letzten Jahren nicht geklappt: Verhandlungen vornehmlich mit chinesischen Geschäftsleuten und Unternehmen scheiterten. Sie waren entweder nicht bereit, Milliarden Euro zu investieren, oder hatten gar nicht das Geld, um die Investitionen in Milliardenhöhe für die Technologie und sogar Billionen für die sogenannten Gigaplants zu tätigen.
Insolvenz mit Ansage
In der Belegschaft war es am Montagabend, als sie bei einer Betriebsversammlung über die Insolvenz informiert wurde, keine Überraschung mehr. Bereits vor Wochen kündigte ein Insider gegenüber den VN an, dass man “Ende des Monats mehr wisse”. Die Absetzbewegung von Mitarbeitenden hat schon in den vergangenen Monaten eingesetzt. Langjährige Top-Manager hatten zu dem Zeitpunkt bereits ihre Prokura zurückgelegt. Besonders schmerzlich sei für den Unternehmer der Rückzug des CTOs, also des Technologiechefs, gewesen, der inzwischen bei einem Vorarlberger Metallunternehmen angeheuert hat.
Auch ist es nicht gelungen, das Wankel-Gebäude in Lindau zu verkaufen, um notwendiges Geld für den Weiterbetrieb der Technologieschmiede zu lukrieren. Im Frühjahr berichtete Obrist, dass man die Vermarktung des Gebäudes mit dem Immobilienunternehmen Engel & Völkers beendet und nun selbst in die Hand genommen habe, berichtete zeitnah die Schwäbische Zeitung. Doch auch das gelang bisher nicht, obwohl der Preis von 16 Millionen Euro inzwischen um drei Millionen Euro gesenkt wurde. Wie die VN berichteten, werden zwei Unternehmen sofort geschlossen. Weitergeführt wird vorderhand die Obrist Engineering GmbH in Lustenau, seit 1996 die Urzelle der Obrist-Firmen.