Börsentipp: Zu früh gefreut?

Experte Ralph Braun, Leiter Private Banking Volksbank Vorarlberg, über den Kampf gegen die Inflation.
Dornbirn Der Kampf gegen die Inflation schien bereits weitgehend gewonnen. Doch Totgesagte leben bekanntlich länger. Sinkende Teuerungsraten hatten die Hoffnung genährt, dass die Zeit hoher Zinsen bald vorbei sein würde. Die jüngsten Entwicklungen zeigen jedoch: Die letzte Meile zur Preisstabilität könnte schwieriger werden als gedacht.
Damit stehen die Notenbanken erneut vor einem Dilemma. Die EZB hat die Zinsen im September angehoben und zuletzt unverändert belassen. Auch jenseits des Atlantiks ist die erhoffte Entspannung ausgeblieben. Die US-Notenbank Federal Reserve beließ ihren Leitzins zuletzt bei 3,75 bis 4,00 Prozent. Zwei Mitglieder stimmten sogar für eine weitere Erhöhung.
An den Börsen bleiben diese Entwicklungen nicht ohne Folgen. Hohe Zinsen verteuern Kredite, bremsen Investitionen und belasten die Bewertungen von Aktien. Gleichzeitig gewinnen Anleihen mit attraktiven Renditen wieder an Bedeutung. Für Aktionäre könnte es daher wieder etwas ruppiger werden. Doch gerade in solchen Phasen gilt: Volatilität ist der Preis für die langfristig höheren Ertragschancen von Aktien. Wer versucht, jedem Rückschlag auszuweichen, läuft Gefahr, auch die anschließende Erholung zu verpassen. Investiert zu bleiben ist deshalb oft die bessere Strategie, als den perfekten Ein- und Ausstiegszeitpunkt zu suchen. Denn dauerhaft richtiges Market-Timing beherrschen selbst die Profis nicht.
Fazit: Der Kampf gegen die Inflation ist noch nicht gewonnen. Vielleicht haben Anleger zu früh auf dauerhaft sinkende Zinsen gesetzt. Zinsen und Inflation dürften auch 2027 zu den entscheidenden Taktgebern an den Kapitalmärkten zählen. Die unbequeme Botschaft lautet: Das Geld könnte länger teuer bleiben, als vielen lieb ist.