Schauspieler Felicity Jones und Armie Hammer im „VN“-Interview

Menschen / 22.03.2019 • 10:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Felicity Jones verkörpert im Film „Die Berufung – Ihr Kampf für Gerechtigkeit“ Ruth Bader, Filmpartner Armie Hammer ihren Ehemann Martin. AP

Die Schauspieler über die Dreharbeiten zum Film „Die Berufung – Ihr Kampf für Gerechtigkeit“.

London „Die Berufung – Ihr Kampf für Gerechtigkeit“ erzählt die Geschichte der Ruth Bader Ginsburg, der heute einzigen Frau am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten, dem sie, mit bald 86, noch immer angehört. Bereits in jungen Jahren feierte sie vor Gericht ihren ersten Triumph. In einem Steuerfall erreichte sie ein Urteil, das ein Jahrhundert der Geschlechterdiskriminierung hinwegfegte. Im Film wird sie von der Britin Felicity Jones verkörpert, Ruths Ehemann Martin spielt Armie Hammer.

Das legendäre Urteil für Gleichberechtigung der Geschlechter erreichte Ruth Bader Ginsburg kurioserweise mit einem Gerichtsverfahren, in dem sie für einen Mann kämpfte.

Jones Durch ihren Mann, der Steueranwalt war, wurde sie eines Tages auf den Fall Charles Moritz aufmerksam. Obwohl er seine schwer kranke Mutter pflegte, wurde ihm kein Steuernachlass gewährt – aufgrund seines Geschlechts. Dieser Nachlass stand zu jener Zeit nur Frauen zu. Für Ruth ein absurder Präzedenzfall, den sie mit scharfem Verstand und eisernem Willen durchzog – und gewann.

Wie war Ihnen, als man Ihnen Ihre Rollen anbot?

Jones Zuvor hatte ich nur wenig über sie gewusst. Einmal hatte mich meine Mutter auf eine Radiosendung über Ruth aufmerksam gemacht. Ein Jahr später kam das Drehbuch. Von da an begann ich, alles über sie zu lesen, was ich in die Hände bekommen konnte. Natürlich empfang ich das Angebot für diese Rolle als ungemein schmeichelhaft.
Hammer Als ich das Drehbuch las, dachte ich: No way! Dieser Marty, sagte ich mir, ist ein so guter Mensch, dass es nicht wahr sein kann. Recherchen ergaben, dass er aber noch viel besser war. Ohne Marty hätte es keine Ruth gegeben. Erst nach dieser Erkenntnis hatte ich den Mut, zuzusagen.

Man muss bedenken, zu welcher Zeit sich Ruth Bader Ginsburg damals durchsetzte.

Jones Sie hatte anfangs unendliche Schwierigkeiten zu überwinden. Denn damals, in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, durften Frauen weder Polizistinnen werden noch in Princeton studieren. Als Anwältin bekam sie anfangs keine Stelle.

Was war, glauben Sie, die starke Antriebsfeder dieser Frau?

JONES Vielleicht die zwei Ratschläge der Mutter, sie sie Ruth auf den Lebensweg mitgegeben hatte. „Sei eine Lady!“ und „Sei unabhängig!“ Forderungen, die sich damals gegenseitig ausschlossen. Doch Ruth hat sie und hat sich durchgesetzt!

Gar nicht so einfach, eine noch lebende Person zu spielen. Oder?

JONES Ohne Ruths Hilfe wäre das nie möglich gewesen. Gott sei Dank durften wir sie in ihren Büros und zu Hause besuchen und mit ihr reden. Sie wurde unsere engste Mitarbeiterin, hat sich um jedes Detail gekümmert. Vielleicht hatte auch Armie einen starken Anteil daran, dass wir ihr so sympathisch waren.

Inwiefern?

JONES Na, mir ist gleich aufgefallen, wie sie ihn angeschaut hat. Er scheint sie ungemein stark an ihren Mann Marty erinnert zu haben.
HAMMER Mir sind diese fast zärtlichen Blicke auch aufgefallen. Das zwischen ihr und Marty, fühlte ich, muss eine sehr tiefe Liebe gewesen sein. Am Ende schenkte sie mir sogar eine Kopie von Martys Kochbuch, in dem sich auch sein Lieblingsrezept befand: Eberrippchen.
JONES Und als wir in Montreal drehten, hat Armie einige Leute aus dem Team in sein gemietetes Haus eingeladen und einige von diesen Rezepten gekocht. Prima!

Wie sehen Sie die Persönlichkeit der Ruth Bader Ginsburg rückblickend?

JONES Ich habe 2016 ja in „Rogue One: A Star Wars Story“ als Rebellin Jyn Erso mitgewirkt. Und ich dachte mir oft, dass Ruth mit ihrem starken Charakter eine gute Star-Wars-Figur gewesen wäre, eine Anführerin. Sie ist ein echter Jedi-Ritter! Schade, dass es heutzutage in der Politik so wenige Menschen mit ihren Führungsqualitäten gibt!

Hat die Mitwirkung in diesem Film bei Ihnen persönlich etwas bewirkt?

JONES Ich denke, ich bin dadurch ein anderer, besserer Mensch geworden.
HAMMER Ich auch. Aber bei meiner Frau hat mir der Film allem Anschein nach geschadet. Denn obwohl ich, wie Marty, zu Hause putze, koche und ein guter Vater bin, nimmt sie mich jetzt, wenn eine Kleinigkeit schief geht, immer auf den Arm und sagt: „Na, Marty hätte das gewiss besser gemacht . . . Ludwig Heinrich