“Im Tatort ist alles erlaubt”

Menschen / 27.11.2020 • 21:56 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wachtveitl und Nemec sind als Ermittlerduo seit 1991 im Einsatz. APA
Wachtveitl und Nemec sind als Ermittlerduo seit 1991 im Einsatz. APA

Interview mit Udo Wachtveitl zum 50. Geburtstag der Krimireihe „Tatort“.

München Der „Tatort“ feiert Geburtstag: Vor 50 Jahren, am 29. November 1970, startete die Kult­reihe in der ARD. Zum Jubiläum senden ORF 2 und ARD morgen, Sonntag, und am 6. Dezember einen „Tatort“-Zweiteiler, in dem die Teams aus Dortmund und München gemeinsam einem italienischen Mafia-Clan das Handwerk legen wollen. Mit von der Partie ist Udo Wachtveitl alias Kommissar Franz Leitmayr – er und Miroslav Nemec als Kommissar Ivo Batic sind echte „Tatort“-Urgesteine.

 

Herr Wachtveitl, der Tatort wird
50 Jahre alt – was sind Ihre Geburtstagswünsche?

Wachtveitl Dass er von den Verantwortlichen weiterhin als das betrachtet wird, was er sein soll: Das Rennpferd – und nicht der Ackergaul, der jeden Quotenkarren aus dem Dreck zieht.

 

Schauen Sie regelmäßig „Tatort“?

Wachtveitl Es gibt kein festes Ritual. Manchmal bleibe ich nach der Tagesschau hängen, manchmal weiß ich aber nach zehn Minuten, wie der Hase läuft. Dann gucke ich was anderes oder gehe aus.

 

Sind Sie stolz, dass Ihr Münchner Team im Jubiläums-„Tatort“ ermitteln darf, gemeinsam mit dem Team aus Dortmund?

Wachtveitl Stolz ist vielleicht zu stark, aber ich fühle mich geachtet. Es war mal spannend, mit den Dortmundern in ihrer Stadt zu drehen.

 

Nennen Sie bitte den Kommissar aus 50 Jahren „Tatort“, der Ihnen am wichtigsten ist.

Wachtveitl Ich mochte Klaus Schwarzkopf als Kommissar Finke wahnsinnig gerne. Das war der Kommissar, der 1977 den „Tatort: Reifezeugnis“ mit Nastassja Kinski gemacht hat. Den fand ich ganz besonders toll, weil er als Kommissar persönlich war, ohne privat zu sein.

 

Wie stehen Sie zu experimentellen „Tatort“-Folgen, an denen es immer wieder Kritik gab?

Wachtveitl Der „Tatort“ darf nicht immer gleich sein, er muss auch Avantgarde zulassen. Alles ist erlaubt – solange es gut ist. Den Tatort mit Ulrich Tukur, der sich an das dramaturgische Muster von „Und täglich grüßt das Murmeltier“ angelehnt hat, fand ich stark.

 

Der „Tatort“ gilt als ein Spiegel der Zeit. Passt das Ermittlerteam mit Miroslav Nemec und Ihnen als im Dienst ergrauten Ermittlern noch in die moderne Gesellschaft?

Wachtveitl Zwei normale Männer, die keine Mätzchen machen, das ist doch schon fast wieder weit vorne. Als damals der Michael Fitz noch dabei war, waren es sogar drei Männer im etwa gleichen Alter, alle heterosexuell und ohne psychische Macken – das würde sich heute keiner mehr trauen. Manchmal überholt die Klassik die Avantgarde.

 

Das Münchner Team ist seit 1991 im Dienst. Wann ist Schluss?

Wachtveitl Wenn wir im Rollator den Verbrechern nachfahren müssen. Oder wenn das Verbrechen endgültig besiegt ist. Spaß beiseite: Irgendwann wird es natürlich läppisch, und die Zeit, wo das unrealistisch wird, ist heute näher als vor zehn Jahren. ski

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