„Gruseln macht keinen Spaß, sich gegruselt haben aber schon“

Menschen / 08.01.2023 • 22:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sebastian Fitzek erobert regelmäßig die Bestsellerlisten.  Marcus Höhn
Sebastian Fitzek erobert regelmäßig die Bestsellerlisten.  Marcus Höhn

Sebastian Fitzek über die Verfilmung der Thrillerreihe „Auris“.

Berlin Er ist Deutschlands erfolgreichster Thrillerautor: Sebastian Fitzek. Seine Bücher verkaufen sich millionenfach und erobern regelmäßig die Bestsellerlisten. Für seine Hörspielreihe „Auris“ hat Fitzek den phonetischen Forensiker Matthias Hegel erfunden, der aus der Stimme eines Menschen unendlich viel herauslesen kann – Fitzeks befreundeter Kollege Vincent Kliesch hat das Ganze in Romanform gegossen. RTL hat die Thrillerreihe jetzt verfilmt, „Auris“ ist beim Streamingdienst RTL+ zu sehen.

 

Herr Fitzek, Sie gelten als Experte für Spannung und Horror. Warum macht Gruseln so viel Spaß? 

Fitzek Gruseln macht keinen Spaß, sich gegruselt haben aber schon. Das ist das Achterbahnprinzip: Nach der überstandenen Fahrt auf der Achterbahn werden im Gehirn Endorphine ausgeschüttet, und dein Leben wird für einen Moment bunter, farbenfroher, intensiver. Genau das ist es aber, was wir wollen.

In „Auris“ geht es um einen Profiler, der anhand der Stimme eines Menschen ein Täterprofil erstellen kann. Was hat Sie an dieser Thematik fasziniert?

Fitzek In erster Linie, dass es so etwas überhaupt gibt (lacht). Es gibt tatsächlich Leute, die vor Gericht bestätigen können, dass der, der den Erpresseranruf gemacht hat, auch der ist, der jetzt vor Gericht sitzt. Das ist ein unglaublich faszinierendes Phänomen, und ich habe mich darüber mit Experten unterhalten, die mir erstaunliche Sachen erzählt haben.

 

Wie wichtig ist Ihnen persönlich die Stimme eines Menschen?

Fitzek Sehr wichtig, aber ich weiß auch, dass die Stimme unglaublich irreführend sein kann. Ich habe ja lange beim Radio gearbeitet und achte deshalb auf Stimmen vielleicht etwas genauer als andere Menschen. Klar ist, wenn man nur die Stimme hört, zum Beispiel bei einem Telefonat, macht man sich eine ganz bestimmte Vorstellung von seinem Gesprächspartner – die dann aber meistens so gar nichts mit ihm zu tun hat, wenn man ihm das erste Mal gegenübersteht.  

 

Wie finden Sie denn Ihre eigene Stimme?

Fitzek Ich bin sehr froh über meine Stimme, weil sie mir, glaube ich im Leben schon oft weitergeholfen hat. Sie ist relativ tief und verleiht mir dadurch eine gewisse Seriösität (lacht). Ich habe dank meiner Stimme ein Volontariat beim Radio bekommen, seit ein paar Jahren brauche ich sie zum Vorlesen auf der Bühne.

 

Für Ihre Geschichten interessieren sich vor allem Frauen, die meisten Thriller werden ja von weiblichen Lesern gekauft. Haben Sie das beim Schreiben eigentlich im Hinterkopf?

Fitzek Nein, weil ich mich weder von dieser noch von anderen Überlegungen beeinflussen lassen darf. Als ich anfing zu schreiben, wusste ich nicht, für wen ich schreibe. Ich hatte keine Ahnung von meiner Zielgruppe, wenn Sie so wollen – und ich weiß es jetzt, knapp 20 Jahre später, immer noch nicht.

 

Wie gefällt Ihnen die filmische Umsetzung von „Auris“?

Fitzek Das gefällt mir sehr gut, sowohl die Besetzung und auch alles andere.

 

Hatten Sie Einfluss auf die Dreharbeiten?

Fitzek Theoretisch ja, weil mich mit der Produzentin Regina Ziegler eine enge Freundschaft verbindet, da herrscht ein enges Vertrauensverhältnis. Aber ich weiß, dass die Filmleute einen guten Job machen, daher halte ich mich weitgehend raus. maw

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