Zukunft aus den Wurzeln schöpfen

Menschen / 03.05.2026 • 11:00 Uhr
Johannes Schlachter ist Landwirt mit Leib und Seele – und ein Visionär: „Unsre wilde Farm“ steht für das Leben der landwirtschaftlichen Vielfalt.
Johannes Schlachter ist Landwirt mit Leib und Seele – und ein Visionär: „Unsre wilde Farm“ steht für das Leben der landwirtschaftlichen Vielfalt.Heidrun Joachim

Landwirt Johannes Schlachter schätzt Traditionen und geht mutig neue Wege.

Lochau Was man mit Leidenschaft anpackt, wird gut. Für Johannes (Hannes) Schlachter ist Landwirt kein Job, sondern die Entscheidung für ein Leben im Einklang mit der Natur. Das wird deutlich, wenn er über Arbeit, Familie und „Unsre Wilde Farm“ spricht. Wild steht für den Mut, festgefahrene Muster aufzubrechen.

„Unsere Philosophie: Achtsam mit der Natur, gut zu den Tieren, Kreisläufe leben.“

Hannes Schlachters, „Unsre wilde Farm“

Aufgewachsen ist Hannes mit vier Geschwistern auf dem elterlichen Milchviehbetrieb. Für den Buben war früh klar, dass er in und mit der Natur arbeiten wollte. Also absolvierte er die Landwirtschaftsschule und übernahm 2013 den elterlichen Betrieb, hinterfragte zunehmend die Spezialisierung. In der Milchproduktion gilt das Prinzip: mehr. Mehr Leistung, mehr Effizienz. Hannes zweifelte an der Sinnhaftigkeit. „Irgendwann stößt dieses Denken an seine Grenzen – der Markt ist gesättigt.“ Seine Antwort führte ihn zurück zu den Wurzeln: Landwirtschaft ist mehr als ein Wettlauf um Zahlen. Ursprünglicher Sinn ist es, Menschen mit Lebensmitteln zu versorgen – ausreichend und in guter Qualität. Genau das ist die Vision des jungen Bauern. Die Familie, die für ihn stets oberste Priorität hat, bestärkte ihn darin, den Betrieb zu einer vielseitigen Landwirtschaft weiterzuentwickeln. Versucht wird, möglichst geschlossene Kreisläufe zu schaffen und konsequent mit den vorhandenen Ressourcen und natürlichen Gegebenheiten zu wirtschaften.

Hannes, seine Frau Veronika (Foto) und seine Schwester Elisa haben gemeinsam den Weg für die wilde Farm geebnet.
Hannes, seine Frau Veronika (Foto) und seine Schwester Elisa haben gemeinsam den Weg für die wilde Farm geebnet.jh

Zusammen mit seiner Schwester Elisa sowie seiner Frau Veronika begann Hannes mit dem Aufbau der gemeinsamen „Wilden Farm.“

Kein einfacher Weg, der mit vielen kleinen Schritten begann und auf dem immer wieder Herausforderungen zu bewältigen waren und sind. Inzwischen haben Hannes, Veronika und Elisa mit ihrer Familie im Rücken viel aufgebaut und können heute mit Stolz auf das Erreichte blicken. Jeder übernimmt dabei seinen Bereich: Hannes trägt die Verantwortung für den gesamten Hof, kümmert sich um Feld und Tiere. Elisa hegt und pflegt mit viel Herz einen Garten voller Gemüse und Blumen. Und Veronika hält mit Buchhaltung und Kommunikation alles zusammen.

Hannes kümmert sich um Boden und die Tiere. Und um die Menschen, die mit ihm aus dem Ursprung die Zukunft bauen.
Hannes kümmert sich um Boden und die Tiere. Und um die Menschen, die mit ihm aus dem Ursprung die Zukunft bauen.jh

Auf der Farm herrscht lebhaftes Treiben: Schweine, die das ganze Jahr draußen sind, Hennen, Pferde, Kühe, Kälber, Ziegen, Hunde, Katzen. Die Mutterkühe versorgen nicht nur den eigenen Nachwuchs mit ihrer Milch, sondern auch zugekaufte Kälber. Bewusst haben sich die Schlachters für die Haltung von Kühen gefährdeter Rassen entschieden, die sowohl Milch als auch Fleisch liefern. Prächtige Blumenbeete und über den Sommer die verschiedensten Gemüsearten zeugen von Elisas „grünen Daumen“. Über die Sommersaison bietet sie auch Abo-Gemüsekisten an.

Frisches Gemüse, Eier, Fleisch und Wurst werden im rund um die Uhr geöffneten Hoflädele offeriert. Ebenso können Fleischpakete vom Bio-Rind vorbestellt werden. Die Stammkunden-Zahl wächst stetig, auch Gastronomiebetriebe vertrauen auf die „wilden“ Produkte. „Über neue Partner freuen wir uns“, sagt Hannes.

Wer die „wilden Farmer“ besucht, spürt: Hier wird mit Herz, Verstand und Achtsamkeit gegenüber der Natur gearbeitet. Die Tage sind lang, die Arbeit ist vielfältig – doch für Hannes überwiegen die positiven Seiten. Seine Arbeit versteht er als sinnstiftend – Lebensmittel erzeugen im Einklang mit der Natur. Zudem ermöglicht ihm sein Weg, den Alltag selbst zu gestalten, auch untertags für seine kleine Tochter Ida da zu sein – fernab klassischer Arbeitsmodelle. Ein Gewinn, den auch seine Frau zu schätzen weiß. „Wir sind glücklich, diesen Weg gewählt zu haben“, sagt der 35-Jährige. „Und wir möchten diese Werte an die nächste Generation weitergeben.“ JH

Zur Person

JOHANNES SCHLACHTER

GEBOREN 9. Mai 1990

WOHNORT Lochau

FAMILIENSTAND verheiratet, eine Tochter

BERUF Landwirt

HOBBYS Beruf, Familie, Wandern

KONTAKT www.unsre-wilde-farm.at

Etwa 20 Mutterkühe sind auf der Farm zuhause. Hannes setzt auf muttergebundene Kälberaufzucht. JH
Etwa 20 Mutterkühe sind auf der Farm zuhause. Hannes setzt auf muttergebundene Kälberaufzucht. jh