Sie reitet ohne Zaum – und ihre Pferde folgen trotzdem

Sabrina Feuerstein aus Lustenau weiß um die Sprache der Pferde.
Lustenau Sabrina Feuerstein (40), Pferdetrainerin aus Lustenau, strahlt pure Lebensfreude aus. Mit einem warmen Lächeln und feinen Gesten bringt sie ihr Pferd dazu, jene Bewegungen auszuführen, die sie sich zuvor vorgestellt hat. Alles jedoch ohne Druck, das Pferd macht dies aus freien Stücken. Was Beobachter auf der Weide von ihr erleben, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis jahrelanger Arbeit und einer tiefen Verbundenheit. “Die Tiere senden uns ständig Signale, man muss nur lernen, sie zu verstehen”, erklärt Feuerstein, während sie ganz ohne Zaum und Halfter, nur mit zwei Sticks, reitet. “Mein Pferd sieht mich als Teil der Herde.” Vor fünf Jahren entdeckte Sabrina einen völlig neuen Ansatz im Umgang mit den Tieren. Die Philosophie, die sie “True Connection” nennt, hat ihre Arbeit grundlegend verändert. Heute ist sie die einzige Trainerin in ganz Österreich, die nach diesem System arbeitet.

“Ich will keine Roboter mehr erschaffen”
Pferde begleiten Sabrina schon seit ihrer Kindheit. Seit 27 Jahren hält sie eigene Tiere in ihrem Stall in der Hofsteigstraße. Als erfolgreiche Spring- und Dressurreiterin sowie in der Military gewann sie zahlreiche Wettkämpfe, über keinen einzigen Sieg konnte sie sich jedoch freuen. “Das Pferd hat einfach gemacht, was ich wollte. Ob das gut für ihn ist oder nicht”, sagt sie heute. Sie will keine Roboter mehr erschaffen, wie sie betont. Mit der “Ecole de Légèreté” (EdL), einem Reitsystem, bei dem das Pferd an erster Stelle steht, auf feine Kommunikation und den Verzicht auf Zwangsmittel gesetzt wird, entdeckte sie die Freude am Reiten neu. Später lernte sie das “True Connection System” von Ingela Larsson Smith kennen – ein Wendepunkt in ihrem Leben. “Es geht nicht um Leistung, sondern um die Verbindung, das Vertrauen und die leise Kommunikation zwischen Mensch und Pferd”, betont sie, während ihr 25-jähriger Wallach Winnetou entspannt an ihrer Seite steht.

Die Welt der Pferde verstehen
In Pferdeherden gibt es verschiedene Rollen: passive Tiere, die Anweisungen befolgen, und dominante, die für Struktur sorgen. Die wichtigste Rolle übernimmt jedoch die Leitstute, die mit viel Erfahrung und klaren Signalen die Herde führt. “Die Leitstute wird nicht hinterfragt, alle folgen ihr. Dabei ist sie ruhig, klar und verlässlich”, erklärt sie. Ihre eigenen drei Pferde akzeptieren sie als Leittier, was vor allem auch persönliche Entwicklung erfordert. “Die Tiere leben im Hier und Jetzt und erwarten volle Aufmerksamkeit. Ungeduld hat da keinen Platz”, sagt sie. Die Pferde danken es ihr mit einer tiefen, erfüllenden Zuneigung.

Vertrauen als Basis
Das Wissen um die Leitstute nutzt Sabrina Feuerstein auch bei ihrer Arbeit mit Tieren, die Angst haben, ausschlagen oder sich nicht verladen lassen. Sie lernen bei ihr wieder Schritt für Schritt, Vertrauen aufzubauen. Auch in ihrem Reitunterricht arbeitet sie intensiv mit ihren Besitzerinnen und Besitzern daran, die Körpersprache und die Bedürfnisse ihrer Pferde besser zu verstehen. Ihre eigenen Pferde “Winnetou”, “Sisco” und “Orchidee” sind für sie weit mehr als Sportpartner. Sie sind Familienmitglieder und der Spiegel ihres eigenen Verhaltens. “Pferde zeigen uns ehrlich, wie wir wirklich sind”, sagt sie mit einem zufriedenen Lächeln. BVS

Zur Person
Sabrina Feuerstein
Wohnort Lustenau
Geburtstag 6. September 1985
Familie in einer Lebensgemeinschaft, eine Tochter
Hobbys Zeit mit der Familie, ihren Pferden und ihrem Hund verbringen, Stand-up-Paddeln am Alten Rhein, Fotografie

