“Da fällt es schwer, umweltfreundlich zu denken” – neue VVV-Tarife lassen Wogen hochgehen

Nicht nur die Opposition reagiert auf die Recherchen der VN zu den neuen Ticketpreisen des Verkehrsverbundes. Im VOL-Forum zeigt sich ein Muster in der Kritik der Leser.
Feldkirch “Er kann mit mir von Lochau nach Feldkirch und zurück fahren, im Krankenhaus dann die Warte- und Behandlungszeiten absitzen.
Wenn diese Fahrten billiger geworden sind, lade ich ihn zum Eisessen ein”, richtet ein Leser in den VOL-Kommentaren dem zuständigen Landesrat Christof Bitschi nach der Tarifumstellung des Verkehrsverbunds Vorarlberg (VVV) aus. “Da fällt es halt schwer, umweltfreundlich zu denken. Nach Jahrzehnten Klimaschutz wächst in mir inzwischen ein gewaltiges Wurschtigkeitsgefühl …”, schreibt ein anderer Leser. Der Grundtenor in den Kommentaren ist, dass für viele Gelegenheitsfahrer der öffentliche Verkehr an Attraktivität verloren hat und das Auto im Vergleich oft gewinnt. Dies widerspricht einem erklärten Ziel des VVV: Vorarlbergerinnen und Vorarlberger für den öffentlichen Verkehr zu gewinnen.
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Nicht nur innerorts, auch entlang der Bahn spürt man die Tarifumstellung. Früher waren die Strecken Bregenz-Dornbirn oder Altach-Feldkirch eine Fahrt von drei Dominos. Dies kostete früher 7 Euro für ein Tagesticket, nun sind 9,20 Euro für das Regio-Tagesticket fällig. Ein Plus von 2,20 Euro oder 31,43 Prozent. Lochau-Feldkirch wird durch die Krankenhausreform künftig an Bedeutung gewinnen, schließlich wird die Urologie etwa in Feldkirch gebündelt. Diese Strecke waren früher acht Dominos für 16,90 Euro als Tagesticket. Nun sind es mit dem Maximo 8,88 Prozent mehr, 18,40 Euro. Wer das Rad mitnehmen will, muss dafür ein eigenes Ticket kaufen. Dieses gilt immer für 24 Stunden und stieg immerhin für die Bahn nur von 2,30 auf 2,50 Euro.
ÖBB verkaufen ein Drittel aller Einzelfahrten

Ein Grund für teurere Bahnfahrten ist, dass die Bahn allein im Bereich zwischen Bregenz und Feldkirch durch drei Regios fährt. Doch wie viele Personen betrifft dies? Laut dem VVV würden die Verkaufszahlen des vergangenen Jahres nahelegen, dass 94 Prozent aller Fahrgäste sich innerhalb der heutigen Regios bewegen würden – inklusive aller Jahreskartenbesitzer. Bei der Bahn wäre dies also zwischen Bregenz und Dornbirn, Dornbirn und Altach, Altach und Feldkirch oder Feldkirch und Bludenz.

Im Jahr 2025 wurden aber auch 36,4 Prozent der 3,35 Millionen Einzel-, Tages-, Wochen- und Monatstickets im Tarifbereich des VVV über die Automaten, Schalter und App der ÖBB verkauft. Über 97 Prozent machten dabei Einzel- und Tagestickets aus. Es liegt nahe, dass diese Fahrten mit der Bahn stattfanden. Geht man davon aus, dass diese zwischen drei und acht Dominos zurücklegten, machten diese laut VVV 37,9 Prozent aller Einzel- und Tagestickets aus – und 16,7 Prozent aller Fahrten wurden in diesem Spektrum teurer als im Vorjahr. Bei 3,265 Mill. Tickets sind dies immerhin 545.268 Einzel- oder Tagestickets im Jahr, jedes sechste Ticket. Der Verdacht liegt nahe, dass viele dieser Fahrten auf dem Gleis stattfanden.
Tarifhoheit
Aufgrund der Tarifhoheit der Verkehrsverbünde müssen sich die ÖBB der Preisgestaltung des VVV unterordnen – außer man besitzt eine ÖBB-Vorteilscard. Diese ermöglicht etwa eine Fahrt von Lochau nach Feldkirch um 4,80 Euro pro Richtung.
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Vonseiten des VVV erinnert man daran, dass das Ziel nicht ist, ein möglichst günstiges, sondern ein möglichst einfaches Tarifsystem zu schaffen. Das alte System wurde als zu kleinteilig, die Dominos als zu eng gefasst wahrgenommen. Bis Ende des Jahres werde man sich die Nutzung anschauen und dann auf ungewollte Folgen reagieren, versichert der Verbund. Dass es auch anders geht, zeigt Luxemburg: Bei gleicher Fläche von 2600 km² und 681.000 Einwohnern ist der gesamte öffentliche Verkehr seit 2020 gratis.