Neue VVV-Tarife: Warum viel mehr Fahrgäste draufzahlen, als behauptet wurde

VN / 18.07.2026 • 04:00 Uhr
Neue VVV-Tarife: Warum viel mehr Fahrgäste draufzahlen, als behauptet wurde
Bestimmte Preiserhöhungen im neuen Tarifsystem bleiben in der Diskussion unberücksichtigt.vmh

Der Verkehrsverbund sprach bisher davon, dass nur 15 Prozent von Preiserhöhungen betroffen seien. Eine genauere Auswertung zeichnet jedoch ein anderes Bild.

Feldkirch Die Zahlen, mit denen der Vorarlberger Verkehrsverbund (VVV) seine Argumentation für die neuen Tarife untermauerte, sind nicht ganz korrekt. Mehr Personen als angegeben sind seit der Reform Anfang Juni von Preiserhöhungen betroffen.

Preissteigerungen

Im Jahr 2025 gab es 92.172 KlimaTicket-, also Jahreskartenbesitzer. Diese sind von den neuen Tarifbestimmungen kaum betroffen. Die Gelegenheitsfahrer können nicht in Personen, sondern nur in Tickets gerechnet werden. Da Wochen- und Monatskarten im vergangenen Jahr insgesamt nur zu 2,7 Prozent verkauft wurden, sind das Hauptthema der Tarifumstellung die 3.265.075 Einzel- und Tagestickets (neue Bezeichnung: 60- und 120-Minutentickets sowie 24-Stundentickets).

Neue VVV-Tarife: Warum viel mehr Fahrgäste draufzahlen, als behauptet wurde
Am stärksten von der Tarifumstellung betroffen sind Personen, die 60- und 120-Minutentickets sowie 24-Stundentickets kaufen. VN/Steurer

Der VVV gab an, dass 85 Prozent dieser Minuten- und Stundentickets günstiger oder zum selben Preis erhältlich seien. Nach genaueren Recherchen stellte sich jedoch heraus, dass es vielmehr rund 56 Prozent sind. Damit sind etwa 44 Prozent von einer Preiserhöhung betroffen.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.

In der Berechnung des VVV wurden die rund 27 Prozent Ein-Dominotickets nicht miteinkalkuliert, die nun eine Preiserhöhung um 40 Cent bei den 60-Minutentickets und um 90 Cent bei den 24-Stundentickets haben. Hierbei wird mit mehr Leistung, also einem größeren räumlichen Gültigkeitsbereich, argumentiert. Wie viele diesen Vorteil tatsächlich brauchen können, kann nicht eruiert werden. Auch die Ein-Domino-Jahreskarte kostet nun 57 Euro mehr.

“Gewisse Strecken sind empfindlich teurer geworden”, räumt VVV-Geschäftsführer Christian Hillbrand ein. 0,9 Prozent schreibt er eine “brutale Preiserhöhung” zu. Dabei handelt es sich um Maximotickets auf ehemaligen Dreier-Dominostrecken. Personen, die etwa von Frastanz nach Rankweil fahren, bezahlen mit einem 24-Stundenticket 11,40 Euro mehr.

Neue VVV-Tarife: Warum viel mehr Fahrgäste draufzahlen, als behauptet wurde
Laut Hillbrand habe man sich bei der Grenzziehung für das neue Tarifsystem das Nutzerverhalten angeschaut und die Grenzen schlussendlich so gezogen, dass sie für die größtmögliche Masse gut liegen.VN

Christof Bitschi, Verkehrsreferent und Aufsichtsratsmitglied des VVV, verteidigte das neue Tarifsystem im Landtag vergangene Woche mit genau diesen “wenigen 0,9 Prozent”. Doch es gibt noch weitere sechs Prozent, die eine starke Preissteigerung verzeichnen. Nämlich Maximotickets, die in die ehemaligen vier bis sieben Dominodistanzen fallen und bei denen das 24-Stundenticket nun zwischen 3,50 und 9,40 Euro mehr kostet. Etwa Personen, die von Hörbranz nach Dornbirn fahren.

Neue VVV-Tarife: Warum viel mehr Fahrgäste draufzahlen, als behauptet wurde
Christof Bitschi verteidigte das neue Tarifsystem im Landtag vergangene Woche mit den 0,9 Prozent.VN

Vergünstigungen

Es gibt auch nennenswerte Vergünstigungen für ehemalige Einzelkarten mit neun oder mehr Dominos. Dafür zahlt man jetzt zwischen 2,10 und 8,50 Euro weniger. Unter 2,7 Prozent profitieren von dieser Vergünstigung.

Neue VVV-Tarife: Warum viel mehr Fahrgäste draufzahlen, als behauptet wurde
Vor allem bei längeren Strecken gibt es auch starke Vergünstigungen. VN/RAUCH

Für rund sechs Prozent der Tickets sinkt außerdem die Tageskarte maximo um 50 Cent. Am meisten wurde 2025 die Dominostufe zwei gekauft. Diese geht nun in der Lokalzone auf, wodurch der Preis für die 24-Stundenkarte um 40 Cent sinkt.

Missverständnisse

Der VVV erhält immer wieder Beschwerden über die zeitgebundenen Tickets. Manche Fahrgäste fühlen sich dadurch gestresst und fragen sich, wer innerhalb von 60 Minuten die Hinfahrt, eine Erledigung und die Rückfahrt schaffen soll. Doch die 60- und 120-Minutentickets übernehmen lediglich die Funktion der früheren richtungsgebundenen Einzeltickets und bieten nun zusätzlichen Mehrwert. Ob man diesen Mehrwert brauchen kann oder nicht, ist eine andere Frage. Aber grundsätzlich ist es ein Vorteil.

Während es vorher nur das KlimaTicket “Senior Ü65” (maximo für 314 Euro) gab, gibt es nun zusätzlich das “Senior Ü75” für 229 Euro. Auch hier gibt es einige Personen, die sich benachteiligt fühlen. Doch der Seniorentarif wurde nicht verändert, es wurde lediglich ein noch besseres Zusatzangebot geschaffen.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Sonstige angezeigt.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.