Der Volks(republik)-Wagen

Peinlich für Europa: Das erste leistbare E-Auto ohne Verzicht ist der BYD Dolphin – und kommt aus China.
Madrid VW musste den Marktstart seines ersten angeblich erschwinglichen E-Modells soeben um mindestens weitere zwei Jahre auf etwa 2028 verschieben, Ford äußert dazu nicht einmal Pläne, die Stellantis-Modelle sind teuer und hinken technisch hinterher, BMW hat die Produktion des i3 kürzlich ohne Nachfolger eingestellt, und Mercedes will A- und B-Klasse demnächst ersatzlos streichen. Während die europäischen Marken sich auf dem Weg zu einem kompakten, technisch ausgereiften und dazu leistbaren Elektroauto scheinbar hilflos verstolpern, zeigt die chinesische Marke BYD vor, wie es geht: Der Dolphin fährt mit sympathischem Look, neuester Akku-Technik sowie vielen pfiffigen Ideen vor – und wird abzüglich der derzeit geltenden Kaufprämie gerade einmal 25.980 Euro kosten.
Liebenswerte Details
In Größe und Proportionen ähnelt er dem aktuellen VW ID.3, in dem es allerdings für mindestens 10.000 Euro mehr mit eher dünner Basisausstattung zurechtzukommen heißt. Der Dolphin versprüht mit Neopren-artigen Bezügen auch drinnen den von seinem Namen vorgegebenen maritimen Spirit, dazu kommen liebenswerte Details wie die Türöffner in Flossen-Form, das geschwungene Layout des Cockpits oder die Lüfterdüsen im Turbinen-Look – und eine insgesamt tadellose, hochwertige Verarbeitung.
Ein Blickfang ist der 12,3 Zoll große zentrale Touchscreen, der sich elektrisch auf Hoch- oder Querformat drehen lässt. Samt vollständigem Infotainmentsystem inklusive Navigation gehört er bereits ab der Grundausstattung Active zum Serienumfang. Sitzkomfort und Ergonomie passen ebenfalls, Kritik rechtfertigen lediglich die Untermenüs auf dem Bildschirm – die Funktionen sind dort teilweise schwer nachvollziehbar verteilt und die einzelnen Punkte auch oft schlecht ablesbar. BYD will daran aber bis zur Markteinführung im Herbst noch arbeiten.
Wie sein erst kürzlich präsentierter größerer SUV-Bruder Atto 3 ist der Dolphin mit einer kompakt bauenden Blade-Batterie auf Lithium-Eisenphosphat-Basis bestückt und kombiniert sie serienmäßig mit einer effizienzsteigernden Wärmepumpe. Die 300 Kilo geringeres Kampfgewicht als bereits zitierter VW ID.3 setzt der China-Kompakte auch in vergleichsweise geringen Verbrauch um: 427 Kilometer Reichweite schafft die 204 PS starke Variante mit 60,4-kWh-Batterie laut WLTP, die Praxiswerte im Test lagen trotz hohem Landstraßen- und Autobahn-Anteil nur geringfügig darunter. Das um den Jahreswechsel nachrückende Basismodell mit 95 PS und 44,9-kWh-Akku wird bei rund 340 Kilometer liegen. Im Handling zeigt der Dolphin Frontantrieb-übliches sanftes Untersteuern, die Fahrwerksabstimmung ist für europäische Verhälttnisse etwas weich ausgelegt, auch die Lenkung könnte direkter übersetzt sein – letztendlich ist beides aber Geschmackssache. Die 204-PS-Version wird nur in den höheren Ausstattungen Comfort und Design angeboten, der Maximalpreis liegt bei 32.980 Euro.
Ein reifer Beitrag zum Thema leistbare E-Mobilität, der mit tadellosen Fahr- und Verbrauchswerten überrascht.


Fakten und Daten
Motor/Antrieb Synchron-E-Motor, 95 PS (70 kW), max. Drehmoment 180 Nm; 204 PS (150 kW), max. Drehmoment 310 Nm; 1-Gang-Direktübersetzung; Vorderradantrieb
Reichweite WLTP-Reichweite bei rund 340 bzw. 427 Kilometern
Preis ab 31.380 Euro