Flohmarkt, ein gesellschaftlicher Stellenwert

Sunny Fässler organisiert den Dornbirner Flohmarkt seit 25 Jahren.
Dornbirn Die letzten Sachen müssen noch aussortiert und aufpoliert werden. Einige haben bereits ihren Platz im Regal gefunden und warten nun darauf, von Käufern ergattert zu werden. Am Samstag ist es dann so weit, der 48. Dornbirner Flohmarkt öffnet die Türen.

Sunny Fässler (50) kümmert sich seit 25 Jahren um die Organisation der Veranstaltung. Bekannt ist er damit aber von klein auf. “Als Kind bin ich schon dabei gewesen und als junger Bub habe ich dann beim Sortieren geholfen”, erinnert sich Fässler zurück.


Dadurch, dass er aus einer Pfadfinderfamilie kommt und der große Dornbirner Flohmarkt eine Zusammenarbeit zwischen den Pfadfindern und dem LIONS Club Vorarlberg ist, war es nur eine Frage der Zeit bis er das Steuer übernimmt. “Mittlerweile sind wir eine große Flohmarktfamilie, wo von jung bis alt alle auf Augenhöhe sind.”

Seit der Gründung 1971 ist der Flohmarkt gewachsen. Heute stehen die Hallen neun bis 13 der Messehalle Dornbirn zur Verfügung. “Früher war es nicht so. Jetzt sind wir am Plafon, erweitern können wir nicht mehr, weil es die Hallensituation nicht mehr hergibt”, erläutert Fässler. “Ich glaube aber, dass unsere Spenden noch mehr Hallen füllen würden, da ist schon Luft nach oben.”


In den Jahren hat es sich zu einem gesellschaftlichen Event entwickelt. “Das, was sich verändert hat, ist vor allem, dass Secondhand und Re-use einen höheren Stellenwert bekommen haben”, erklärt er. Früher war es nicht üblich gewesen, eine gebrauchte Hose oder Möbelstück zu kaufen. Die Klientel war auch anders: “Die Käuferschicht hat sich gewandelt. Früher in den 1970ern und 1980ern waren es eher die Gastarbeiter, die eingekauft haben. In den 1990ern hat es sich dann entwickelt, dass die Schnäppchenjagd oder der Flohmarkt Besuch bekannt wurde.” Inzwischen hat es eine andere Signifikanz, dass die Ware wieder verwendet werden kann.

48. Dornbirner Flohmarkt
Der Aufbau des Flohmarkts hat schon im Dezember begonnen. Seit dem 3. Jänner hat das Team über vier Wochen hinweg Spenden gesammelt. “Wir haben heuer 5000 Fahrzeuge mit Ware ausgeladen”, sagt Fässler.

Bei der Sammelaktion haben 20 Personen in der Verkehrsführung mitgewirkt und 200 haben in den Hallen die gespendeten Sachen aussortiert, repariert und geputzt, um sie verkaufsfertig zu machen. Insgesamt waren 650 ehrenamtliche Helfer, also 1300 helfende Hände, im Einsatz. So sind 1300 Laufmeter Verkaufsstand zustande gekommen.

Mit 18 Abteilungen ist beim Dornbirner Flohmarkt für jede etwas dabei. Von Spielzeugen und Kuscheltieren bis zu Möbeln, Bildern, Ski und Haushaltswaren. “Unser innerster Antrieb ist, dass das Zeug, das eigentlich keine Verwendung mehr hat, doch noch verwendet wird.”


Die Ware, die nicht verkauft wird, wird an soziale Projekte, Caritas oder in südliche Länder gespendet. “Die Sachen werden nicht blind entsorgt”, betont der Dornbirner. Hinzu kommt, dass der Erlös an hilfebedürftige Personen in Vorarlberg über das Jahr hinweg verteilt wird.


Für Sunny Fässler ist der Dornbirner Flohmarkt das Highlight des Jahres: “Es ist die Freude, dass etwas Positives passiert und der Zusammenhalt, das mich erfüllt.” Insbesondere, weil es sich zu einem Treffpunkt für Jung und Alt entwickelt hat. “Der Austausch ist ganz wichtig, vor allem jetzt in der dunklen Jahreszeit. Es hat einen großen gesellschaftlichen Stellenwert”, sagt er.


Sunny fässler
Alter 50 Jahre
Wohnort Dornbirn
Hobbys Skifahren, Kochen, Pfadfinder
Beruf selbstständig, Textilmanufaktur