Jeder Schritt eine Qual

29.03.2024 • 13:07 Uhr
Jeder Schritt eine Qual
Die persönliche Krankenakte von Edith Persa enthält seitenweise Diagnosen, Angaben zu Therapien, Gutachten und andere relevante Schreiben. VN/MM

Edith Persa aus Fußach lebt seit 40 Jahre mit zertrümmertem Sprunggelenk

Fußach Immer wieder füllen sich ihre Augen mit Tränen, und immer wieder versucht Edith Persa das rechte Bein in eine Position zu bringen, die am wenigsten schmerzt. Doch das ist nahezu unmöglich. Seit einem Arbeitsunfall vor 40 Jahren, bei dem unter anderem ihr rechtes Sprunggelenk zertrümmert wurde, sind Schmerzen der alltägliche Begleiter der leidgeprüften Frau. Auf medizinischen Rat hin ließ sich die heute 57-jährige Fußacherin im Juli 2020 das Sprunggelenk versteifen. Der Eingriff erfolgte im Landeskrankenhaus Feldkirch. Doch dann entwickelte sich eine sogenannte Pseudarthrose. Das heißt, es bildete sich nicht genug neues Knochengewebe zwischen den Bruchstellen, die zur Fixierung eingebrachten Schrauben lockerten sich, und alles ging von vorne los.

Jetzt soll eine Korrektur-OP endlich das schmerzhafte Übel lösen. In Feldkirch will sich Edith Persa lieber nicht mehr behandeln lassen. Es hätte eine bessere Lösung für das Problem gegeben, habe sie von Ärzten erfahren: „Mir fehlt jetzt das Vertrauen.“ Nachdem die anderen Spitäler in Vorarlberg den Eingriff jedoch ablehnten, wandte sich die verzweifelte Frau an die Universitätsklinik Innsbruck. Dort fand sie Gehör. „Das kriegen wir hin“, wurde der Dauerschmerzpatientin versichert, die nun wieder Zutrauen fasst.

Edith Persa
Dass es sich mit einem solchen Sprunggelenk schlecht gehen lässt, ist verständlich.

Leidensgeschichte

Der OP-Termin in Tirol ist nun für Oktober angesetzt. Bis dahin muss Edith Persa noch mit den Schmerzen leben. Dennoch: „Ein Ziel vor Augen zu haben ist ein gutes Gefühl.“ Es ist eine lange Leidensgeschichte, die dann endlich zu Ende sein sollte. Zu dem folgenschweren Arbeitsunfall kam es 1984. Damals in der Lehre, war die junge Frau mit dem Abladen von Platten beschäftigt, als ein 700 Kilogramm schweres Teil auf sie stürzte. Die gröbste Verletzung betraf das rechte Sprunggelenk. Trotz entsprechender Behandlungen blieben die Schmerzen, und Edith Persa musste damit leben lernen. Sie unterzog sich verschiedenen Therapien, schmierte Salben, schluckte Schmerzmittel oder behalf sich mit Kältesprays. Es nützte wenig. „So etwas geht an die Substanz“, erzählt sie. Ihre Stimme zittert.

Edith Persa
Dieses Sprunggelenk ist für Edith Persa ein steter Quell’ von Schmerzen. PRIVAT

Die Schmerzen behinderten sie auch beruflich. Um die Familie durchzubringen, nahm die geplagte Fußacherin verschiedenste Jobs an. Neben den damals vier minderjährigen Kindern versorgte sie auch ihren schwerkranken Mann. Sie hat ihn bis zu seinem Tod gepflegt. Erst danach fügte sie sich dem Rat der Ärzte zu einer Versteifungsoperation des lädierten Sprunggelenks. Sie bekam Termine im Stadtspital Dornbirn und im Landeskrankenhaus Feldkirch. Edith Persa entschied sich für Feldkirch, weil sie dort drei Monate früher an der Reihe war. „Ich wollte so schnell wie möglich zurück in den Beruf“, begründet sie. In Dornbirn wäre das Sprunggelenk ihren Angaben zufolge mit eigenem Knochengewebe aus dem Beckenkamm versteift worden, in Feldkirch bekam Persa Schrauben eingesetzt, die sich aufgrund der Pseudarthrose aber lockerten. Als Folge wurden die Schmerzen noch schlimmer. „Jeder Schritt ist eine Qual“, beschreibt die Frau den Zustand, in dem sie momentan lebt.

APA17677468-2 – 28032014 – INNSBRUCK – …STERREICH: ZU APA 118 CI – ARCHIVBILD – Die UniversitŠtsklinik in Innsbruck aufgenommen am, 1. Februar 2014, in Innsbruck. An der Uni-Klinik ist erneut eine spektakulŠre Transplantation gelungen. Einem 55-jŠhrigen deutschen Patienten wurden in einer 15-stŸndigen Operation zwei Unterarme transplantiert. APA-FOTO: ROBERT PARIGGER
Die UniversitäŠtsklinik in Innsbruck nimmt sich jetzt der Vorarlberger Patientin an. APA

Voller Hoffnung

Die Ärzte in der Universitätsklinik für Orthopädie in Innsbruck sprachen von einem extrem komplizierten Bruch. „Durch die Schrauben ist das Sprunggelenk komplett schräg“, bekam die Patientin erklärt. „Die Ärzte haben sich sehr viel Zeit für mich genommen“, wähnt sich Edith Persa jetzt in guten Händen. Eine, vermutlich durch das Einbringen eines Schmerzkatheters für die OP in Feldkirch verursachte Nervenschädigung im Unterschenkel soll ebenfalls behoben werden. Eine Woche muss Edith Persa in der Klinik bleiben, danach sollte ein neues, vor allem schmerzfreies Leben für sie beginnen. „Bis dahin beiße ich die Zähne zusammen“, sagt sie hoffnungsfroh.

<p class="caption">In Feldkirch kümmert man sich um Schadensbegrenzung. <span class="media-container dcx_media_rtab" data-dcx_media_config="{}" data-dcx_media_type="rtab"> </span><span class="marker">VOL</span></p>
Ganz allgemein lobt Edith Persa das LKH Feldkirch. In ihrem Fall war sie mit der Behanldung dort allerdings nicht zufrieden.  VOL

Sich bei solchen Eingriffen an eine Spezialabteilung zu wenden, hält auch der Vorarlberger Patientenanwalt Alexander Wolf für grundsätzlich zielführender, denn: „Die Fuß- ebenso wie die Handchirurgie benötigen eine besondere Expertise“, erklärte er auf VN-Nachfrage.

Stichwort. Pseudarthrose

Die Pseudarthrose ist ein falsches Gelenk. Es kann sich ausbilden, wenn ein Knochenbruch nicht richtig heilt und sich der Bruchspalt nicht wieder verschließt. Vorkommen kann die Pseudarthrose sowohl nach einer konservativen Behandlung des Knochenbruchs als auch nach einem chirurgischen Eingriff. Zusätzliche Risikofaktoren, die eine Knochenheilung behindern, sind Nikotin, Alkohol, Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen, Stoffwechselstörungen.  Die Behandlung kann ein langwieriger Prozess sein. Meist kommt nur eine Operation infrage. Gute Chancen auf Heilung haben Patienten, die mit Schrauben aus menschlichen Knochen versorgt werden.