Günter Dietrich: Auf Schienen unterwegs, Menschen immer zugewandt.

13.01.2026 • 10:43 Uhr
Nachruf Günter Dietrich
Nachruf Günter Dietrich privat

Günter Dietrich verband Menschen, durch Worte, Taten und oft wörtlich, mit dem Zug.

Von Hartmut Hofer

Rankweil Wer Günter Dietrich begegnete, erinnerte sich oft zuerst an den süßlichen Duft seiner Pfeife. Günter liebte das Gespräch und die Begegnung. Stillstehen war nie seine Sache, weder im Denken noch im Leben.
Nach einer Schlosserlehre bei der Bahn schloss er sie als Jahrgangsbester ab. Lokführer zu werden, begleitete ihn ein Leben lang und erfüllte ihn beruflich bis zur Pensionierung. Zum 70. Geburtstag steuerte er selbst eine nostalgische Lokomotive bei einer Sonderfahrt nach St. Anton am Arlberg. Mit der Transsibirischen Eisenbahn erfüllte er sich später einen weiteren Traum, von Peking über die Mongolei und Russland bis zurück nach Rankweil.

Günters Zuhause, im Führerstand.
Günters Zuhause, im Führerstand.

Geboren wurde Günter Dietrich am 15. Juli 1941 in Rankweil. Er wuchs mit seinen Eltern Marianne und Hugo sowie seinen Schwestern Ingeborg, Lotte, Herlinde und Irmgard auf. Der Zusammenhalt ist groß. Früh lernte Günter auch die Schattenseiten kennen. Der Tod seines jüngeren Bruders Arnold bei einem Unfall im Jahr 1947 prägte ihn nachhaltig.

Günter (rechts) mit seinem Vorbild Bruno Kreisky (links)
Günter (rechts) mit seinem Vorbild Bruno Kreisky (links)

Mit 19 Jahren wurde er Landesobmann der Sozialistischen Jugend, mit 30 Vorsitzender der SPÖ Rankweil. Es folgten Mandate im Vorarlberger Landtag und im Nationalrat. Besonders prägend war seine enge Verbundenheit mit Bruno Kreisky.

Seine große Liebe fand Günter 1957 in Brigitte Dettmer. 1961 heirateten sie. Gemeinsam freuten sie sich über ihre Kinder Elisabeth, Ingrid, Walter, Heidi und Herbert. Das Familienleben wurde jedoch von schweren Schicksalsschlägen erschüttert. 1977 starb sein achtjähriger Sohn Herbert bei einem Traktorunfall, später verlor Günter auch seinen Sohn Walter. Diese Verluste trafen ihn tief, nahmen ihm aber nie seine Offenheit und seinen Humor.

Günter immer auf Tour, hier in Australien
Günter immer auf Tour, hier in Australien

Ein weiterer wichtiger Teil seines Lebens war die Entwicklungshilfe. Günter reiste nach Zentralamerika, Afrika und in den Nahen Osten. Besonders Nicaragua ließ ihn nicht mehr los. Er gründete mehrere Hilfsorganisationen, darunter das Vorarlberger Nicaragua Komitee, und arbeitete mit Persönlichkeiten wie Ernesto Cardenal und Dietmar Schönherr zusammen. Helfen war für ihn keine Pflicht, sondern eine Überzeugung.

Auch gesundheitlich war Günters Lebensweg von vielen Prüfungen begleitet. Ein schwerer Rodelunfall in der Kindheit, eine Hirnblutung, Knieprothesen und zahlreiche Operationen forderten ihm Geduld und Ausdauer ab. Lange Krankenhausaufenthalte wurden Teil seines Alltags. Im September 2025 wurden schließlich Metastasen im gesamten Körper festgestellt. Am 19. Dezember durfte Günter im Hospiz am See friedlich nach Hause gehen.

Bald am Ziel auf dem Jakobsweg
Bald am Ziel auf dem Jakobsweg

Typisch für ihn war, dass er auch diesen letzten Abschnitt bewusst gestaltete. Vorausschauend und ruhig plante er bereits 2023 seine eigene Verabschiedung mit dem Verein „Abschied in Würde“, ganz in seinem Sinn.

Seine Familie, heute mit sieben Enkeln und acht Urenkeln, blieb dabei sein zentraler Anker. Günter Dietrich hat viele Spuren hinterlassen, in seiner Familie, in der Politik, im Engagement für andere und in den Geschichten, die er so gern erzählte. Er war ein Mensch, der unterwegs war und der verstand, Menschen miteinander zu verbinden.

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