Paul Wohlgenannt: Ein Förderer der Kinder

Am 24. Jänner verstarb der VS-Direktor Paul Wohlgenannt. Zeitlebens engagierte er sich für Kinder und Jugendliche – vom FC Wolfurt bis nach Albanien.
Von Kristina Becker
Wolfurt Paul stammte aus Riezlern im Kleinwalsertal. Hier wurde er am 10. Dezember 1941 geboren und besuchte die Volksschule. Wie viele Buben entdeckte er den Fußball als sein liebstes Hobby. Dabei war dies für ihn mit großen Mühen verbunden: Bis zu drei Stunden lief er zu Fuß vom Kleinwalsertal nach Fischen ins Allgäu, um dort Fußball zu spielen.

Nach der Schule besuchte Paul die Lehrerbildungsanstalt Feldkirch. In den Ferien half er weiterhin im Gasthaus seiner Eltern mit – und lernte hier auch zufällig die junge Ursula kennen, die dort Urlaub machte. Nachdem Paul 1961 seine erste Stelle als Lehrer an der Volksschule Wolfurt angetreten hatte, folgte 1962 die Hochzeit. Im Jahr darauf wurde Tochter Petra geboren, 1967 vervollständigte Claudia die Familie.

Pauls Herz gehörte neben seiner Familie zeitlebens den Kindern und jungen Menschen. Zahllose Wolfurter Kinder begleitete er in seinen 40 Jahren als Volksschullehrer und von 1987 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2000 auch als Schuldirektor der Volksschule Bütze durch ihre Schulzeit. Dabei hatte er stets ein offenes Ohr für die Anliegen der Kinder, Lehrpersonen und Eltern und trug mit seinem aufrichtigen Interesse am Wohlergehen der ihm anvertrauten Kinder, seinem Engagement und viel menschlicher Wärme zu einer positiven Atmosphäre in der Schule bei.

Auch beim FC Wolfurt lag Paul die Nachwuchsarbeit besonders am Herzen. Hunderte Kinder lernten bei ihm das Fußball-ABC, und viele seiner ehemaligen Schützlinge schwärmen bis heute von ihrem Trainer, der nie ein lautes Wort brauchte und immer an sie glaubte. Dabei war Paul im FC Wolfurt auch als Aktiver eine echte Legende: Mehr als 15 Jahre lang war er als Verteidiger und langjähriger Kapitän eine tragende Säule der Kampfmannschaft, die mit ihm 1966 Landesligameister wurde. Dabei war ihm das Wohl des Vereins dennoch stets wichtiger als der reine Erfolg. So war auch die Übernahme des Obmannpostens 1986–1990 für ihn weniger Höhepunkt seiner Vereinskarriere als vielmehr eine Pflicht, die er in Kauf nahm, um den Verein zu retten. Mit Erfolg – vier Jahre später gelang der Sieg im VFV-Cup gegen den SCR Altach.

Doch Pauls Engagement für Kinder reichte auch weit über Vorarlberg hinaus. 1995 gründete er gemeinsam mit seiner Frau Ursula die Organisation “Schüler helfen Schülern”, die sich in Mirdite, der ärmsten Region Albaniens, um benachteiligte Kinder und Jugendliche sowie deren Familien kümmert. Mit Unterstützung der Firma Omicron wurden seither Schulen und Kindergärten gebaut bzw. renoviert, Lebensmittel verteilt, Lehrer und Studenten ausgebildet und Schulsachen organisiert. 21 Transporte nach Albanien wurden in dieser Zeit realisiert. Seit 20 Jahren bietet zudem das ASTA-Jugendzentrum den ärmsten Kindern der Stadt Shkodra Unterschlupf, warme Mahlzeiten und schulische Unterstützung.
Paul, der große Förderer der Kinder, verstarb am 24. Jänner im Alter von 84 Jahren. Bis zuletzt war er mit Ursula fast täglich für ihr gemeinsames Lebensprojekt im Einsatz, das nun von ihren Enkeln weitergeführt wird.
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