Monika Helfer

Kommentar

Monika Helfer

Kolumne: Betrogene Ehefrauen

28.04.2026 • 12:12 Uhr

Betrogene Ehefrauen sind Frauen mit erwachsenen Kindern und einem gleichaltrigen Mann, der sich jung fühlt, zu jung für seine Frau, die er zu alt findet.

Lange Zeit waren die beiden ein Paar. Sollten sie jetzt eigene Wege gehen? Ein Vorteil, dass sie berufstätig ist. Gleich nach ihren Schwangerschaften hat sie wieder mit der Arbeit angefangen. So kann sie jetzt getrost allein bis zur Pension im Haus leben. Ihr Mann wird ihr das Haus überlassen, wird sich für sich und seine neue Frau ein neues Zuhause suchen und schaffen. Er tut nichts Böses. Er will nur noch einmal neu anfangen. Er findet, ihm ist durch seine neue Liebe ein zweites Leben geschenkt worden. Seine, die immer noch die Seine ist, wird er verwöhnen, wie er sie bisher nie verwöhnt hat, wird sie mit seinem schlechten Gewissen und der daraus entsprungenen Zuneigung überschütten.

Die Frau wird nur sagen: „Lass das! Ich glaube dir nicht. Geh einfach!“

Einfach gehen, unmöglich! Er ist als Gentlemen bekannt. Der will er bleiben. Sie soll auch an die Kinder denken.

Sie sagt: „An die Kinder?“

Er sagt: „Denkst du nicht an die Kinder?“

„Sie sollen nicht in den Sumpf hineingezogen werden“, sagt sie.

„Was denn für ein Sumpf?“, sagt der Mann.

Der Mann will von seiner Frau verlangen, dass sie ihn versteht. Er ist der in den besten Jahren. Sie soll großzügig sein. Könnte ja sein, dass er früher oder später wieder heimkehrt. So als wäre er in einem Krieg gewesen, verwundet, alt und ohne Illusionen, und eine liebe Pflege braucht, nicht von einer Fremden, sondern von der Mutter seiner Kinder.

„Du glaubst, ich würde dich noch wollen?“, sagt die Frau im Nachthemd mit den Rosenknospen.

Er will sie umarmen und tut, als weine er. Oder weint er wirklich, weil er so hin- und hergerissen ist und nicht verstanden wird?

„Du bist eiskalt“, sagt er. „Wo du doch immer so eine zarte Frau warst.“

„Ich bin aus Eis“, sagt die Frau „und ich werde nie mehr schmelzen.“

„Sag das nicht, du bist immer noch attraktiv und wirst eine neue Liebe finden.“

Sie weist ihn zur Tür und sagt, was ihre Mutter immer gesagt hat: „Da hat der Zimmermann das Loch gemacht.“

Er sagt: „Ich will dir meine Neue“ – Frau sagt er nicht – „vorstellen. Sie wird dich an dich erinnern, wie du früher warst.“

Sie sagt: „Wir werden ein erwachsenes Gespräch führen.“

Er tut, als höre er den Sarkasmus nicht, und sagt: „Alles wird gut.“

Monika Helfer ist Schriftstellerin und lebt in Hohenems.