Zurück ins Leben – nach dem Tod des Kindes

Alexandra und Alain Nussbaumer verloren im Jahr 2003 ihren fünfjährigen Sohn Nicolas. Er ertrank in einem privaten Pool.
Lustenau Nicolas, der Erstgeborene der Nussbaumers, war ein Draufgänger. “Er war mutig und ist auf jeden Baum geklettert”, erzählt seine Mutter Alexandra (55). Nicolas sei aber auch sehr sozial gewesen. “Wenn er aus dem Kindergarten kam, nahm er seinen Bruder Joshua aus dem Stubenwagen, legte sich mit dem Baby auf die Couch und zog es an seine Brust”, erinnert sich die vierfache Mutter lächelnd.
Nicolas wurde nur fünf Jahre alt. Er ertrank am 5. Juli 2003 in einem privaten Pool. Die Trauer überwältigte die Mutter. “Sie ist wie ein Tier, das einen plötzlich anfällt.” In der ersten Zeit war die Trauer ihr Wegbegleiter. “Ein grauer Schleier legte sich über alles, was geschah.” Nach zweieinhalb Jahren wurde der Schmerz erträglicher. “Er bestimmte jetzt nicht mehr meinen Alltag.”

Aber es gab Momente, da holte sie die Traurigkeit wieder ein. “Als ich meine Tochter in der Schule anmeldete, liefen mir Kinder entgegen, die mit Nicolas in den Kindergarten gegangen waren. Ein unsagbarer Schmerz durchzuckte mich. Es fühlte sich an, als würde mir jemand ein Schwert ins Herz stoßen.” Voller Wut wandte sich die gläubige Frau an Gott. “Du bist so gemein. Wie konntest du das zulassen?” Alexandra haderte mit Gott. “Aber dann wurden mir folgende Gedanken eingegeben: Ich will dein Herz heilen. Es liegt an dir. Willst du den heilsamen Weg gehen oder verbittert werden?” Die Antwort war für die Mutter klar. “Ich wollte den Weg der Heilung gehen. Denn noch schlimmer als der Tod eines Kindes ist es, nicht mehr ins Leben zurückzufinden.”

Trost spendeten Alexandra Bücher über Menschen, die ein ähnliches Schicksal erlitten hatten, und Besuche in der Selbsthilfegruppe für trauernde Eltern. Halt gab ihr außerdem die Freikirche, der sie angehört. Heute ist sie mit ihrem Schicksal versöhnt. “Wenn ich an Nicolas denke, tut es nur noch selten weh. Ich bin dankbar, dass ich wieder voller Lebensfreude bin und meine Familie an dem Schicksalsschlag nicht zerbrochen ist.”
Doch der Tod jagte ihr noch lange Angst ein. Denn er war für sie immer mit Schrecken verbunden. “Mein Vater ertrank im Jahr 2010 in einem See.” Und wieder war sie auf Gott wütend. Erst der Tod ihrer Mutter im Jahr 2015 zeigte ihr, dass der Tod auch sanft und versöhnlich kommen kann. “Mama hatte Krebs. Sie ist in meinem Beisein friedlich eingeschlafen.”

Die Christin ist überzeugt, dass sie ihre lieben Verstorbenen wiedersehen wird. “Die Trennung ist nicht endgültig. Denn die Ewigkeit ist unser Zuhause.”