Kommentar: Das muss uns viel wert sein

Die Gesundheitsausgaben beliefen sich in Österreich 2025 auf über 61 Milliarden Euro. Kein Wunder also, dass diese Kosten in keiner Diskussion über die Sanierung der maroden Staatsfinanzen fehlen. Sorgen macht vor allem die Tatsache, dass die Gesundheitskosten seit Jahrzehnten deutlich stärker steigen als die Wirtschaftsleistung insgesamt. Diese stieg zwischen 2015 und 2025 nur um 44 Prozent, während sich die Gesundheitsausgaben mehr als verdoppelten (+113 Prozent). Was also tun, um die Dynamik einzubremsen? Medizinische Leistungen zu verweigern, ist politisch nicht umsetzbar und auch ethisch schwer vertretbar.
Schwierig sind Reformen auch deshalb, weil die üblichen Marktmechanismen nicht greifen. Der Patient ist zwar zahlender Teilnehmer an diesem Pseudomarkt, aber selbst nicht annähernd in der Lage, über die Sinnhaftigkeit vorgeschlagener Eingriffe zu entscheiden. Schlussendlich ist er gut beraten, seinem behandelnden Arzt zu vertrauen. Deshalb machen Ansagen, dass bei den Ärztehonoraren zu sparen sei, wenig Sinn und schaden langfristig letztlich den Patienten. Denn sie sind auf eine seriöse und weitgehend von finanziellen Aspekten unabhängige Beratung durch ihren Arzt angewiesen.
Also kann es wohl eher nur darum gehen, die finanzielle Basis des Gesundheitswesens zu stärken. Ideen dazu gibt es genügend. Die Vertreter der Wirtschaft in der Krankenkasse der Arbeitnehmer (ÖGK) wollen beispielsweise die Einführung von sozial gestaffelten Selbstbehalten bei Arztbesuchen. Angesichts chronisch überfüllter Arztpraxen und Spitalsambulanzen ein überlegenswerter Ansatz. Ebenso ist wenig verständlich, wieso in Österreich ab einem Monatseinkommen von brutto 552 Euro mit einem Krankenkassenbeitrag von in diesem Fall 42,2 Euro eine ganze Familie – unabhängig von der Anzahl der Kinder – vollumfänglich versichert ist. In dem ansonsten so hoch gelobten Nachbarland Schweiz kostet die Krankenversicherung je nach Kanton im Schnitt pro Kind rund 120 Franken monatlich.
An welchen Stellschrauben auch immer gedreht wird, die Bedeutung des Gesundheitswesens ist für die Menschen unendlich wichtig. Dass über unsere Systeme der Sozialversicherung nicht nur Gutverdiener medizinisch ordentlich versorgt werden, ist eine der Errungenschaften des europäischen Sozialmodells. Um dessen Erhalt und Stabilisierung zu kämpfen lohnt sich also. Wer bei uns nur gegen jegliche Veränderung stark auftritt, macht sich womöglich mitschuldig am schleichenden Niedergang eines sozial gerechten Systems der Gesundheitsversorgung, das unsere Vorgänger mühsam aufgebaut haben.
Rainer Keckeis ist ehemaliger AK-Direktor Vorarlberg und früherer Feldkircher VP-Stadtrat.