So trocken wie noch nie

Bodensee vor historischem Tiefststand. Grundwasser hat diesen schon vielerorts erreicht.
SCHWARZACH. „Wir brauchen dringend Regen“, sagt Lukas Höfl, Wassermeister der Gemeinde Sulz, und meint damit weder kurze Schauer noch schwere Unwetter, bei denen die Niederschläge meist oberflächlich abfließen: „Es sollte ein, am besten zwei Wochen lang anhaltend regnen, und zwar so, dass das Wasser auch versickert.“ Das wäre notwendig, damit wieder mehr zu den Quellen kommt, über die die 2700-Einwohner-Gemeinde versorgt werden. Die derzeitigen Mengen reichen hinten und vorne nicht aus.

Es ist eine Folge der größten Trockenheit, die es laut Alexander Orlik von „GeoSphere Austria“ seit Messbeginn im 19. Jahrhundert gegeben hat hierzulande: Von April bis September, dem sogenannten Sommerhalbjahr, seien um 43, seit Jänner um immerhin 38 Prozent weniger Niederschläge zusammengekommen als im langjährigen Mittel. Problematisch sei, dass es „eigentlich“ schon länger zu trocken ist. Seit Oktober 2025 nämlich, also einem Jahr. Hin und wieder habe es zwar niederschlagsreiche Phasen gegeben, alles in allem hätten sie aber nicht ausgereicht, um Defizite auszugleichen.
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Ergebnis: Der Wasserstand des Bodensees bewegt sich bei Bregenz auf ein historisches Tief zu. Sollte er im Oktober ähnlich stark zurückgehen, wie er es im September getan hat, könnte es um Allerheiligen so weit sein. Noch fehlen etwas mehr als 20 Zentimeter dazu.
Zurück geht auch das Grundwasser. Und zwar in ganz Vorarlberg: Laut der Abteilung Wasserwirtschaft ist das Niveau bei zwei Drittel der Pegel so niedrig wie noch nie um diese Jahreszeit bzw. bei einem Drittel gar so niedrig wie überhaupt noch nie: „Wenn es so weitergeht, werden noch mehr Gemeinden, die ausschließlich über Quellen mit Trinkwasser versorgt werden, Notverbünde aktivieren müssen“, erklärt der stellvertretende Leiter der Abteilung, Dieter Vondrak. Bei Notverbünden handelt es sich um Leitungen zu benachbarten Orten, über die sie dann mitversorgt werden.
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Derzeit ist das bei rund zehn Gemeinden der Fall ist. Dazu zählen etwa Egg, Eichenberg, Möggers, Ludesch, Nüziders, Übersaxen, Schwarzach und Zwischenwasser. Für Egg ist auch ein Brunnen in Schwarzenberg provisorisch in Betrieb genommen worden, der noch nicht fertiggestellt ist. Die VN berichteten.
Sulz wiederum verfügt über zwei Quellen im Frödischtal. In guten Jahren, wie dem vergangenen, kann man den Bedarf laut Lukas Höfl damit weitgehend decken oder sogar Wasser abgeben. „Heuer ist es umgekehrt: Wir haben viel zu wenig.“ Nur gut die Hälfte dessen, was notwendig wäre. Seit Mai, Juni werde die Lücke daher mit Wasser geschlossen, das zusätzlich aus Rankweil bezogen wird.

Immerhin: Für die Haushalte ändert das nichts. Wasser ist Wasser, und das bleibt ausreichend vorhanden, wie Höfl betont: „Man muss null Bedenken haben, die Versorgung ist immer aufrecht.“ Dafür gebe es Notverbünde. Sie seien zur Absicherung geschaffen worden: „Da muss sich niemand verkopfen.“
„Das ist das Gute“, bekräftig Dieter Vondrak: „Die meisten Gemeinden haben ein zweites Standbein, sind mit anderen verbunden.“ Das sei auch im Hinblick darauf wichtig, dass das Grundwasser weiter zurückgehen könnte.
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Eine Normalisierung der Verhältnisse ist laut Alexander Orlik jedenfalls nicht in Sicht: Im Winter gebe es eher nur halb so große Niederschlagsmengen wie im Sommer. Selbst wenn der kommende Winter normal ausfällt, wäre das also zu wenig: „Es fehlen Niederschlagsmengen von zwei normalen Sommermonaten. Sie müssten dazukommen.“