“Ich fühle mich in meinem Körper wie in einem Gefängnis”

Claudia Engelbrecht leidet am chronischen Fatigue-Syndrom. Deswegen kann sie ihren Beruf als Palliativkrankenschwester nicht mehr ausüben.
Lochau Claudia Engelbrecht (57) war eine sportliche Frau. “Ich ging oft wandern und machte auch gerne Radtouren. Auch auf Klettersteigen war ich unterwegs.” Der Sport war ihr ein schöner Ausgleich zum Beruf. “Durch ihn schöpfte ich Kraft für meine Arbeit.” Die gebürtige Deutsche arbeitete als Palliativkrankenschwester im Hospiz in Wangen. Der Beruf war ihre Berufung. “Da konnte ich meinen Glauben leben und sichtbar machen.”
Als die Coronapandemie ausbrach, ließ sich Claudia gegen das Virus impfen. “Ich hatte vor den Patienten Angst und wollte mich schützen. Der Kontakt zu Sterbenden ist eng.” Nach der vierten Coronaimpfung wurde sie krank. “Es ging schleichend bergab mit mir. Angefangen hat es mit einer diffusen Müdigkeit. Ich wurde immer schlapper. Dann kamen wandernde Gliederschmerzen hinzu. Es gab an meinem Körper keine Stelle, die nicht wehtat und vor Schmerz brannte.”

Ihr Hausarzt meinte, dass sie an einem Burn-out oder an Wechseljahresbeschwerden litt. Doch das war für sie nicht nachvollziehbar. “Mir ging es immer schlechter. Niemand half mir. Ich war gezwungen, mir selbst Hilfe zu suchen.” Durch Recherche kam sie an die Uniklinik Ulm. “Die haben eine Fatigue-Ambulanz eingerichtet.” Dort erhielt sie endlich die richtige Diagnose: chronisches Fatigue-Syndrom. “Jetzt wusste ich endlich, woran ich litt. Das war für mich eine Erleichterung.” Die Ärzte an der Uniklinik Ulm führten ihre Erkrankung, die sich durch chronische Gliederschmerzen und chronische Erschöpfung ausdrückt, auf einen Impfschaden zurück. “Ich habe zu sehr vertraut und gedacht, dass die Impfung sicher ist. Leider kann ich es nicht mehr rückgängig machen”, bedauert die 57-Jährige.
Claudias Zustand verschlechterte sich immer mehr. Im Herbst 2023 musste sie in den Krankenstand gehen. “Das tat mir sehr leid. Denn ich liebe meinen Beruf.” Nach einem Jahr Krankenstand kehrte sie an ihren Arbeitsplatz zurück. “Ich war glücklich, wieder in meinem geliebten Hospiz zu sein.” Doch die Arbeit strengte sie an. “Es war eine Quälerei. Ich merkte, dass mir die Kraft fehlte.”

Seit Februar 2026 ist die Wahllochauerin wieder arbeitsunfähig. Die Krankheit schränkt ihren Alltag ein. “Ich kann nicht einmal mehr mit meinem Hund Gassi gehen oder die 250 Meter zum See zu Fuß gehen. Ich fühle eine bleierne Schwäche und habe das Gefühl, gleich umzukippen. Manchmal ist für mich sogar das Atmen Schwerarbeit.” Claudia ist nicht mehr die Claudia, die sie einmal war. “Ich fühle mich in meinem Körper wie in einem Gefängnis. Meine Seele würde alles wieder gerne tun, aber mein Körper ist das Hindernis.” Ihr Glaube trägt sie durch diese schwere Zeit. “Ich fühle mich von Jesus begleitet, er gibt mir Kraft und Mut und Ausdauer.”