Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Wünschen darf man sich alles

Politik / 20.12.2013 • 21:56 Uhr

Gelten Wünsche nur, wenn sie erfüllbar sind? Dann wandelte ja jedes Kinderherz auf Abwegen, das sich nächtens in die Rolle des pfiffigen Peter Pan hineinträumt und als Anführer der „Verlorenen Jungs“ im Nimmerland die grellsten Abenteuer meistert. Nein, wünschen darf man sich alles. Auch als Erwachsener. So unrealistisch können unsere Träume gar nicht sein. Dass das kommende Jahr zum Beispiel nicht vom Stillstand regiert wird, das wär so ein Wunsch. Jetzt stehen natürlich Landtagswahlen an. Da werden Amtsinhaber vorsichtig. Aber eine gelähmte Verwaltung in einer beinahe einjährigen Schockstarre – das können wir uns in Wahrheit nicht leisten.

Auch auf Bundesebene nicht. Die jüngsten Wahlen lösen beileibe keine Lustgefühle aus. Vielmehr den Wunsch, dass das Wahlvolk endlich damit aufhört, Menschen als Vertreter zu wählen, deren bescheidener Unterhaltungswert allein nicht ausreicht, um die Plenarsäle der Republik sinnvoll zu beleben. Und die neue Regierung? Die kann, wenn man der veröffentlichten Meinung Glauben schenkt, gleich wieder einpacken. „Schonfristen“ gibt es nicht, tönt es von allen Seiten. Der Dialog ist tot. Es lebe der Monolog, den der gewiefte Taktiker dem Gegenüber um die Ohren haut, tunlichst ohne die Antwort abzuwarten.

Mut würden wir uns deshalb wünschen, für die Politiker, die jetzt (schon wieder) um jede Stimme kämpfen. Mut auch für das Wahlvolk, mitzuregieren. Nicht zu lamentieren. Die affektive Erregung ist ja schon alltäglicher Bestandteil dieser österreichischen Republik geworden. Fast möchte man von einer affektiven Störung schreiben, einem psychisch verankerten Wechselbad von Depression und Aktionismus. Das ist nicht Politik, das verwechselt nur eigene Befindlichkeiten mit Allgemeinwohl.

Die ursprünglich angedachte gemeinsame Herrschaft aller – sprich Demokratie – hat heute einer quasi natürlichen Feindschaft zwischen „denen da unten“ und „denen da oben“ Platz gemacht. Frankreich am Vorabend der Revolution lässt grüßen. Dabei gibt es nichts Großartigeres, als gemeinsam ein Land zu gestalten. Das kann Menschen Flügel verleihen. Wie Peter Pan. Unrealistisch, total daneben? Mag schon sein. Aber wünschen darf man sich alles.

thomas.matt@vorarlbergernachrichten, 05572/501-724