Kathrin Stainer-Hämmerle

Kommentar

Kathrin Stainer-Hämmerle

Langer Weg zur Pionierin

Politik / 06.11.2019 • 06:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Wir schreiben das Jahr 2019. Endlich bekommt Vorarlberg einen weiblichen Landesstatthalter. Für alle Nicht-Vorarlberger heißt das übersetzt: Eine Landeshauptmann-Stellvertreterin. Also keine Landeshauptfrau, wie es derzeit Niederösterreich mit Johanna Mikl-Leitner hat oder die Steiermark mit Waltraud Klasnic bzw. Salzburg mit Gabi Burgstaller schon hatten. Sondern eine Frau in zweiter Reihe. Aber immerhin, besser als weiter rein männliche Regierungschefs und deren Vizes.

Vorarlberg bildet dennoch mit dem Burgenland das Schlusslicht. In allen anderen Bundesländern nehmen und nahmen Frauen diese Position bereits ein. Fairerweise muss ergänzt werden, dass in einigen Landesregierungen zwei dieser Positionen vorgesehen sind. Sicher ein kleiner Wettbewerbsvorteil, aber als Ausrede, dass es im Westen so lange gedauert hat mit der ersten Frau, trotzdem ungeeignet. Kronprinzessin wird Barbara Schöbi-Fink allerdings keine, ist sie doch sechs Jahre älter als Markus Wallner. Dieser war Landesstatthalter im Kabinett Sausgruber und der ehemalige Landeshauptmann wiederum bei Martin Purtscher.

„Männliche Machtzirkel sind nicht mehr sehr mächtig“ hat die Dornbirner Bürgermeisterin vor Kurzem gemeint. Tatsächlich wird die größte Stadt des Landes von weiblicher Hand regiert. Doch Andrea Kaufmann trifft bei Bürgermeistertreffen nur auf sechs Amtskolleginnen. Beim potenziellen Polit-Nachwuchs bildet Vorarlberg schon wieder das österreichweite Schlusslicht: Nur jeder fünfte Gemeinderat ist eine Frau.

Andrea Kaufmann trifft bei Bürgermeistertreffen nur auf sechs Amtskolleginnen.

Dass Vorarlberg viel offener, liberaler und toleranter ist, als es von außen den Anschein hat, wie Kaufmann weiter meinte, lässt sich zumindest mit Zahlen nicht belegen. So ist etwa der Lohnunterschied im Ländle mit über 27 Prozent am größten. Gemessen am Equal Pay Day arbeiten Frauen seit dem 23. September gratis, während Männer ihr Gehalt noch bis Ende Jahr beziehen. Auch beim Schwangerschaftsabbruch hat sich nicht viel getan. Als Recht von den Frauen in den 1970er-Jahren erkämpft, bis heute in öffentlichen Spitälern verweigert. Im ersten schwarz-grünen Regierungsprogramm fand sich kein Wort dazu und wohl auch im aktuellen nicht. Es ist also noch ein weiter Weg bis zur Gleichstellung im Ländle, doch ein wichtiger Schritt ist mit Barbara Schöbi-Fink getan. Vorarlberg hat eine Pionierin mehr.

Vorarlberg zählt in dieser Woche überhaupt zu den Gewinnern. Die Regierungsverhandlungen ziehen sich nicht so lange hin wie in Wien. Und der Kanton St. Gallen hat festgestellt, dass eine Sezession des Bundeslandes aufgrund von Verletzungen der Menschenrechte nicht gerechtfertigt wäre. Das bedeutet, es wird nicht über eine Fusion im Kantonsrat abgestimmt. St. Gallen wird übrigens von Regierungspräsidentin Heidi Hanselmann geführt. Nach erst 47 Jahren Frauenwahlrecht.