Politik mit hoher Männerquote

Politik / 23.12.2019 • 08:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Regierung von Brigitte Bierlein besteht zu 50 Prozent aus Frauen. <span class="copyright">APA</span>
Die Regierung von Brigitte Bierlein besteht zu 50 Prozent aus Frauen. APA

Frauen sind vor allem in Gemeinden in der Unterzahl. Parität nur in der Bundesregierung.

Birgit Entner-Gerhold

Schwarzach Als Pionierin will sich Brigitte Bierlein eigentlich nicht bezeichnen. Dennoch ist sie eine. Sie hat schon häufig Männerdomänen durchbrochen, etwa als erste Präsidentin des Verfassungsgerichtshofs und zuletzt als erste Bundeskanzlerin der Republik Österreich. Auch in dieser Rolle ist ihr eine Pionierleistung gelungen. Erstmals besteht eine Bundesregierung nämlich zu jeweils 50 Prozent aus Männern und Frauen. Alle anderen politischen Ebenen sind von einer solchen Quote weit entfernt.

Wenngleich der Frauenanteil im Nationalrat und EU-Parlament gestiegen ist, bleiben die Vertreterinnen vor allem auf Gemeindeebene deutlich in der Unterzahl. In Vorarlberg haben nur neun der 96 Kommunen eine Bürgermeisterin. Unter den Vorarlberger Gemeindevertretern ist nur jede Fünfte eine Frau.

Anteil gestiegen

Dennoch: Die Zahl der Gemeindepolitikerinnen ist zumindest gestiegen, erklärt Kiki Karu, Sprecherin des Frauennetzwerks, das unter anderem Workshops für künftige Politikerinnen anbietet: „Wir versuchen Stimmung zu erzeugen. Wir brauchen Frauen in der Politik, sie sind wichtig und sollen mitreden.“

Abseits der kommunalen Ebene ist die Frauenquote deutlich besser. Im Nationalrat ist sie zum vierten Mal in Folge etwas gestiegen, wie eine Auswertung des Instituts für Parlamentarismus zeigt. 71 der 163 Mandatare beziehungsweise 38,8 Prozent sind weiblich (Anfang 2019: 37,2 Prozent). Zu den sechs Vorarlberger Nationalratsabgeordneten zählt mit Nina Tomaselli (Grüne) aktuell aber nur eine Frau. 

Im EU-Parlament ist die Zahl der weiblichen Mandatare von sieben auf neun gestiegen. Insgesamt sitzen dort 18 Vertreter aus Österreich.

Die Landtage sind im vergangenen Jahr überwiegend männlich geblieben, wobei Vorarlberg mit einer Frauenquote von 42 Prozent absoluter Spitzenreiter ist. Platz zwei teilen sich Salzburg und Oberösterreich (je 36 Prozent). Schlusslichter sind Niederösterreich (27 Prozent) und Kärnten (22 Prozent).

Landesregierung im Mittelfeld

Bei den Landesregierungen rangiert Vorarlberg mit Kärnten auf Platz fünf. Drei von sieben Regierungsmitgliedern (42,9 Prozent) sind in beiden Bundesländern weiblich. Österreichweit beträgt der Anteil durchschnittlich 40 Prozent. Parität herrscht in den Landesregierungen der Steiermark und Tirol. Schlusslicht ist Oberösterreich, wo zwei der neun Regierungsmitglieder Frauen sind. Zu den neun Landeshauptleuten zählt mit Niederösterreichs Regierungschefin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) nur eine Frau. 

Noch männlicher sind die Werte auf Gemeindeebene. Den 2096 Kommunen stehen derzeit 178 Bürgermeisterinnen vor. Das sind zwar 13 mehr als zu Jahresbeginn, aber trotzdem nur 8,5 Prozent.

Frauennetzwerk-Sprecherin Karu hofft, dass sich künftig zumindest für die Gemeindevertretungen mehr Frauen finden. Viele hätten Sorge, ein solches Engagement nicht mit Beruf und Familie vereinbaren zu können. Leider würden sich einige auch keine politische Rolle zutrauen. „Sie haben oft das Gefühl, im Vorfeld über alles Bescheid wissen zu müssen, um mitreden zu können, egal ob es um Straßenbau, Finanzen oder einen Fußballplatz geht.“ Üblicherweise reiche bei vielen Entscheidungen aber der Hausverstand. 

Konservativer Grundstock

Gemeindeverbands-Vizepräsidentin Andrea Kaufmann glaubt nicht, dass es Frauen allgemein schwerer haben, wie sie Ende Oktober im VN-Podcast erklärt. Allerdings müssten sie im Schnitt mehr Leistung bringen, um mit Männern halbwegs auf einer Stufe zu stehen. Sie selbst merke außerdem, dass es einen gewissen Grundstock an konservativen Meinungen und traditionellen Rollenbildern gebe.

Ebendiese wurden der Bürgermeisterinnen-Karriere von Carmen Willi zum Verhängnis. Wegen anonymer Anfeindungen hatte sie 2016 ihre Kandidatur in Egg aus Rücksicht auf ihre Familie zurückgezogen. Willi war in Briefen anonym dafür kritisiert worden, als Mutter von drei kleinen Kindern das Amt übernehmen zu wollen.

Für Frauen, die Interesse an politischer Beteiligung haben, steht das Frauennetzwerk Rede und Antwort. Weitere Infos: frauennetzwerk-vorarlberg.at und 05574/51122191