Charles Ritterband

Kommentar

Charles Ritterband

Tod eines Nationalhelden

Politik / 03.02.2021 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Am Dienstagnachmittag ist, hundertjährig, „Captain Tom“ gestorben, betrauert von der gesamten Nation. Er, der dem Nationalen Gesundheitsdienst NHS, als dieser von der Covid-Krise überrollt wurde, auf höchst originelle Weise Spendengelder in Millionenhöhe zufließen ließ, war nun selbst an Covid-19 erkrankt. Denn Sir Tom Moore, der Mann mit dem Rollator, von der Queen an einem strahlenden Julitag auf Windsor Castle zum Ritter geschlagen, war eine lebende Legende, ein Nationalheld, geliebt und verehrt von allen – beliebter vielleicht gar als die Queen selbst. Premierminister Boris Johnson nannte ihn „Held“ und ließ den Union Jack vor seinem Amtssitz in Downing Street auf Halbmast setzen. Denn Sir Tom verkörperte England wie kein zweiter. Skurrilität und Schrulligkeit und vor allem „Charity“, Wohltätigkeit, ist auf den britischen Inseln mehr als eine nationale Tugend, es ist geradezu eine Leidenschaft. In den Hauptstraßen der Ortschaften mögen die Geschäfte verschwinden – doch es reiht sich ein „Charity Shop“ an den anderen, für Spitäler, Tiere, Kranke, Kinder, Alte. „Charitable Trusts“ gehen zurück aufs Mittelalter, als die Reichen angehalten waren, ihr Vermögen der Kirche zu vererben. Ausgestattet mit wohltätigen Spenden entstanden zahlreiche berühmte Schulen und Universitäten.