Als Vorarlberger Zivi in die heilige Stadt

Politik / 24.05.2022 • 12:00 Uhr / 1 Minuten Lesezeit
Insgesamt sind 13 Zivildiener im Hospiz in Jerusalem tätig. Hochrangiger Besuch ist keine Seltenheit. <span class="copyright">BKA</span>
Insgesamt sind 13 Zivildiener im Hospiz in Jerusalem tätig. Hochrangiger Besuch ist keine Seltenheit. BKA

Vinzenz Loss arbeitet im Hospiz. Eine Erfahrung, die er weiterempfehlen würde.

Jerusalem Vinzenz Loss hat sich für etwas Besonderes entschieden. Der 19-Jährige absolviert gerade seinen Zivildienst. Das alleine ist zwar lobenswert, aber noch nicht ganz berichtenswert. Doch Vinzenz Loss ist für seinen Zivildienst mitten in die Heilige Stadt gereist, das heißt, der Höchster ist nach Jerusalem ausgerückt. Dort lebt er für ein Jahr im österreichischen Hospiz, wo er Gäste betreut, für deren angenehmen Aufenthalt sorgt und im hauseigenen Kaffeehaus werkt. Im Rahmen eines Besuchs von Staatssekretärin Claudia Plakolm (ÖVP), die im Zuge der Regierungsumbildung auch die Zivildienst-Agenden übernehmen wird, nahm sich Loss für ein Gespräch mit den VN über seine Erfahrungen beim Auslandsdienst Zeit.

Es bleibe Zeit für das Leben abseits der Arbeit: „Israel bietet unglaublich viel", sagt Vinzenz Loss.
Es bleibe Zeit für das Leben abseits der Arbeit: „Israel bietet unglaublich viel", sagt Vinzenz Loss.

“Super Erfahrung”

Der Höchster absolvierte 2021 nach acht Jahren im Gymnasium an der Bregenzer Mehrerau die Matura, Ende August stand der Tapetenwechsel an. Sein Beruf im Hospiz, das von einer Stiftung der österreichischen katholischen Kirche betrieben wird: Er ist Rezeptionist. „Aber das Hospiz ist mehr als nur ein Hotel. Wir sind auch eine Touristenattraktion und haben verschiedene Empfänge. Es ist also viel Abwechslung mit dabei.“ Diese Empfänge – eben zum Beispiel für Spitzenpolitiker, zuletzt waren Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka und der heutige Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) zu Besuch – würden ihm auch besonders in Erinnerung bleiben: „Man bekommt viel mit und es ist wirklich erstaunlich, wie viele Österreicher tatsächlich bei uns vorbeikommen.“

Vinzenz Loss beim Besuch von Staatsekretärin Claudia Plakolm und Hospiz-Direktor Markus Bugnyar. <span class="copyright">BKA</span>
Vinzenz Loss beim Besuch von Staatsekretärin Claudia Plakolm und Hospiz-Direktor Markus Bugnyar. BKA

Immer wieder Unruhen

Aufgrund der örtlichen Lage des Hospizes mitten in der Altstadt von Jerusalem und immer drohender Spannungen spielen auch Sicherheitsthemen eine Rolle. Doch Loss beruhigt: „Natürlich ist es von außen immer wieder laut und es gibt Unruhen. Die Altstadt ist umkämpft, es kommt zu Zwischenfällen.“ Wenn man aber längere Zeit in der Stadt verbringt, würde man sich daran gewöhnen. Und zumindest im Hospiz ist es immer ruhig: „Dafür werben wir auch.“ Im Alltag seien die Vorkommnisse kein wirkliches Problem. So bleibt mehr Zeit für das Leben abseits der Arbeit: „Israel bietet unglaublich viel. Wir können immer ans Meer fahren, wir können nach Tel Aviv, wir können in die Golanhöhen.“ Nach neun Monaten sei er zwar schon gut herumgekommen, aber: „Man hat nie alles ausgesehen.“ Und was folgt für Vinzenz Loss nach dem Zivildienst? Zumindest keine Tätigkeit im Tourismus: „Ich möchte überhaupt nicht in diese Richtung gehen”, auch wenn ihm die abwechslungsreiche Arbeit selbst, speziell mit seinen zwölf Zivi-Kollegen, gefällt.

Seit neun Monaten ist Vincenz Loss nun in Jerusalem. <span class="copyright">BKA</span>
Seit neun Monaten ist Vincenz Loss nun in Jerusalem. BKA

Er will lieber Wirtschaft oder Chemie studieren – womöglich wieder im Ausland. An Vorarlberg denkt Vinzenz Loss immer wieder, auch das Hospiz ruft manchmal (zumindest fast) Erinnerungen wach: „Es stehen Käsknöpfle auf der Karte.“ Ob es sich dabei um echte Vorarlberger Käsknöpfle handelt, lässt Loss offen. Nur so viel: „Die echte Käsmischung fehlt.“