Gegenoffensive in Cherson

Politik / 28.07.2022 • 22:40 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der ukrainische Präsident Selenskyj versprach in einer Videoansprache den Wiederaufbau. AFP/HO/UKRAINIAN PRESIDENTIAL PRESS SERVICE
Der ukrainische Präsident Selenskyj versprach in einer Videoansprache den Wiederaufbau. AFP/HO/UKRAINIAN PRESIDENTIAL PRESS SERVICE

Versuch der Rückeroberung von Teilen der Südukraine nimmt offenbar Fahrt auf.

kiew Die Ukraine macht nach eigenen Angaben und nach Einschätzung eines westlichen Geheimdienstes Fortschritte bei ihren Bemühungen um die Rückeroberung von Teilen der Südukraine. Im Gebiet Cherson sei es dem ukrainischen Militär dank vom Westen gelieferter Artilleriegeschütze gelungen, mindestens drei Brücken über den Dnipro zu beschädigen. Das erklärte das britische Verteidigungsministerium unter Berufung auf Geheimdienstinformationen. Das erschwere Moskau die Versorgung der besetzten Gebiete und mache die russische 49. Armee, die am Westufer des Dnipro stationiert sei, äußerst verwundbar.

Stadt abgeschnitten

Auch die Stadt Cherson als politisch bedeutendste Stadt in der Region unter russischer Kontrolle sei vom Rest der besetzten Gebiete nun so gut wie abgeschnitten, hieß es weiter. „Ihr Verlust würde die russischen Versuche, die Besatzung als Erfolg darzustellen, ernsthaft untergraben.“

Der ukrainische Generalstab teilte am Donnerstag in sozialen Medien mit, im Gebiet Cherson gebe es aktuell Positionskämpfe, und russische Truppen seien zu Gegenangriffen an der Grenze zum Gebiet Dnipropetrowsk übergegangen. Kiew nährt seit Wochen Hoffnungen auf eine baldige Rückeroberung von Teilen der Südukraine. Der Donnerstag war der 155. Tag seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte in einer Videoansprache mit Blick auf eine von ukrainischen Streitkräften bombardierte Brücke über den Dnipro im Gebiet Cherson, dass nach der Rückeroberung alles wieder aufgebaut werde. „Wir werden unser ganzes Land mit militärischen, diplomatischen und allen anderen zugänglichen Instrumenten befreien.“ Die Ukraine hat Selenskyj zufolge bisher die Kontrolle über rund 20 Prozent ihres Staatsgebietes verloren. Er forderte vom Westen mehr schwere Waffen. Nach Schätzungen aus den USA gehen die Opferzahlen auf russischer Seite längst in die Zehntausende. „Wir wurden darüber informiert, dass mehr als 75.000 Russen entweder getötet oder verletzt wurden, was enorm ist“, zitierte der Sender CNN Elissa Slotkin, eine demokratische Abgeordnete aus dem Repräsentantenhaus. Moskau wies die in den USA genannten Zahlen als „Fake“ zurück.

Aktuelle Angaben der offiziellen Stellen in Russland zu Totenzahlen gibt es nicht. Zuletzt wurde die Zahl von 1351 Toten genannt. Der US-Auslandsgeheimdienst CIA hatte zuletzt geschätzt, dass auf russischer Seite bereits 15.000 Menschen ums Leben gekommen seien. In der Ukraine gelten die eigenen Verluste als Staatsgeheimnis. Selenskyj zeichnete bis Mitte Juli rund 3500 tote Soldaten postum mit Orden aus. Präsidentenberater Olexij Arestowytsch bezifferte die Verluste Anfang Juni auf „bis zu 10.000“.