Alt und nutzlos?

Politik / 20.11.2022 • 22:47 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Am vergangenen Wochenende wurde Joseph Robinette Biden, zur Zeit als Präsident der Vereinigten Staaten beschäftigt, 80 Jahre alt. Deshalb an dieser Stelle „Herzlichen Glückwunsch“ von Einem, der seit der Amtszeit von Jimmy Carter berufeshalber US-Präsidenten beobachtet. Und der sich als Abstinenzler nach der Abwahl des brandgefährlich irrlichternden Biden-Vorgängers Donald Trump hemmungslos begeistert und erleichtert den Inhalt eines Whiskey-Glases mit absehbaren schrecklichen Folgen „genehmigte“. Glückwünsche damit auch von einem in den USA nicht wahlberechtigten Journalisten der für seine amerikanischen Enkelkinder eine möglichst unbeschwerte Zukunft erhofft und dem vor einem erneuten Einzug Trumps ins Weiße Haus graut: Vor einem erklärten psychopathischen Kandidaten, der nach einer denkbaren Wiederwahl 78 und nach dem Ende der Amtszeit 82 Jahre alt wäre. Und der, sein eigenes Alter „vergessend“ den ungefähr gleichaltrigen Biden als „altersmäßig grenzdebil“ und deshalb „nicht amtsfähig“ verunglimpft. Altersdiskriminierungen mit dem ausnahmslosen Testieren von fortschreitender Unfähigkeit wegen körperlichen und kognitivem Unvermögens sind in etlichen Gesellschaften ja weit verbreitet. Nicht erst beim Erreichen des „Rentenalters“, und in vergangenen Zeiten schon mal mit dem Schlachtruf „Trau Keinem über 30“ werden da „Ältere“ männlichen und weiblichen Geschlechts in die Gruppe des „alten Eisens“ ausgegrenzt. Natürlich macht es Sinn, dass extrem kurzsichtige lebensältere Neurochirurgen mit Arthritisfingern das Skalpell aus der Hand legen. Aber wie sieht es denn mit anderen Mitgliedern der Gesellschaft aus? Nutzlos weil alt? Mutter Teresa leistete Heldenarbeit bis zum letzten Atemzug mit 87. Albert Einstein rechnete und dachte mit 76 noch schneller als gefühlte 99 Prozent der Menschheit. Und Jimmy Carter, der Ex-US-Präsident, betreibt mit 98 weiterhin internationale Konflikt- und Friedensvermittlungen und zimmert in seiner Freizeit Häuser für Obdachlose zusammen.

Altersdiskriminierung und „Aussortieren“ von Politikern und besser Jung als Alt? Nordkoreas Grusel-Diktator ist 38, Joseph Stalin organisierte Massenmorde noch bis zu seinem eigenen Tod mit 75, und Adolf Hitler im Alter von 44 bis 56 Jahren. Lebensalter kann und darf nicht die allein seligmachende Messlatte für die Nützlichkeit und Akzeptanz von Politikern, Angehörige vieler anderer Berufe und generell für Menschen sein. Und dazu gehören alle Leser dieser Zeilen.

„Natürlich macht es Sinn, dass extrem kurzsichtige lebensältere Neurochirurgen mit Arthritisfingern das Skalpell aus der Hand legen.“

Peter W. Schroeder

berichtet aus Washington, redaktion@vn.at

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