Kinderbetreuung als Wirtschaftsmotor?

Ein Ausbau hätte mehrere Vorteile, zeigt eine Studie von Eco Austria. Neos-Chefin Claudia Gamon fordert Tempo.
Schwarzach In einigen Gemeinden klappt es gut, in anderen weniger. Einen Überblick über die Öffnungszeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen gibt es nicht. Nur so viel: In manchen Gemeinden ist nach Mittag Schluss. Andere wiederum halten die Kleinkindbetreuung bis in den frühen Abend offen. Die Neos plädieren für einen weiteren Ausbau. Dieser würde sich dreifach rechnen, betont Parteiobfrau Claudia Gamon. Dies untermauert sie mit einer Studie, welche die Neos beim Wirtschaftsforschungsinstitut Eco Austria in Auftrag gegeben haben.
Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink (ÖVP) kontert. Viele Kinder würden eine ganztägige Betreuung besuchen, aber nicht das volle Angebot nutzen. “Das liegt nicht an den Öffnungszeiten, sondern am Bedarf der Eltern.” Vorarlberg stehe unterm Strich gut da. Wie in den vergangenen Jahren werde das Angebot stets erweitert.
Unterm Strich weist das Land in der Altersgruppe der Null- bis Zweijährigen eine hohe Betreuungsquote auf. Mit 36,3 Prozent ist es die dritthöchste in ganz Österreich. „Die Frage ist aber nicht allein, ob Kinder eine Einrichtung besuchen, sondern in welchem zeitlichen Umfange diese Einrichtungen zur Verfügung stehen“, sagt die Vorarlberger Neos-Chefin Claudia Gamon. Daher beauftragte ihre Partei eine Studie. Das Wirtschaftsforschungsinstitut Eco Austria sollte einen etwaigen Ausbau der Kinderbetreuung in Vorarlberg in Hinblick auf Kosten und Nutzen untersuchen und gleichzeitig die Auswirkungen auf die regionale Wirtschaftsleistung berücksichtigen. Das Fazit: Jeder investierte Euro komme in Form von Wertschöpfung mehrfach zurück. Gleichzeitig würden Familien unterstützt, so Gamon.

Eco Austria arbeitete mit mehreren Szenarien:
Szenario 1: Die Kinderbetreuungsquote wird erhöht. Steigt sie bei den Unter-Drei-Jährigen von 36,3 auf 38 Prozent, kostet das 2,1 Millionen Euro. 141 Kinder würden zusätzlich betreut. Der Staat würde 1,4 Millionen Euro mehr Steuern einnehmen und 0,5 Millionen Euro weniger Sozialausgaben bezahlen. Mehr Eltern können mehr arbeiten, was den Konsum und damit das Bruttoregionalprodukt um 10,1 Millionen Euro steigern würde.
Würde die Betreuungsquote sogar auf knapp 47 Prozent erhöht, wäre dies mit 18,8 Millionen Euro zwar teurer. Allerdings hätten zusätzlich 1283 Kinder Platz. Und die Investition rechnet sich laut Studie. Die Steuereinnahmen stiegen in Folge um 13,5 Millionen Euro, die Sozialausgaben würden um fünf Millionen Euro sinken. Das Bruttoregionalprodukt wäre um 33,3 Millionen Euro höher.
Szenario 2: Das bestehende Angebot bleibt, aber die Öffnungszeiten steigen um durchschnittlich eine Stunde. Das kostet laut Eco Austria rund 7,4 Millionen Euro, generiert aber zusätzliche Steuereinnahmen von 9,7 Millionen Euro. Das Bruttoregionalprodukt würde um 26 Millionen Euro wachsen.
Dass die zusätzlichen Steuereinnahmen Richtung Bund fließen und nur in Form des Finanzausgleichs zu einem kleinen Teil zurück ins Land kommen, sei dazu noch erwähnt.
Zukunftsfonds als Chance
Apropos Finanzausgleich: Über den neu geschaffenen Zukunftsfonds wären die Mehrausgaben gedeckt. „Der auf die Elementarpädagogik in Vorarlberg entfallende Anteil am Zukunftsfonds beträgt 22,3 Millionen Euro“, heißt es in der Studie.
In Szenario 3 kombiniert die Studie die ersten beiden Szenarien von mehr Plätzen und ausgeweiteten Öffnungszeiten. Auch hier wären die Mehrkosten über den Zukunftsfonds fast oder gänzlich gedeckt.
Szenario 4 sieht eine Betreuungsquote von 38 Prozent und durchschnittliche Erweiterung der Öffnungszeiten von drei Stunden vor. Dafür bräuchte es zusätzlich 23,6 Millionen Euro.
„Für uns Neos zeigen die Ergebnisse dieser Studie ganz klar: Es gibt genügend Optionen, wie wir den Weg zu einer besseren Kinderbetreuung gehen können, ohne sich in Mehrkosten stürzen zu müssen“, hält Claudia Gamon fest. Natürlich verursache der laufende Betrieb auch Kosten. „Ein Ausbau führt aber auch mehr Menschen in Beschäftigung und hat einen volkswirtschaftlichen Nutzen für das Land.“

Nicht ganztags in Ganztageseinrichtung
Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink wartet ebenso mit Zahlen auf. 80 Prozent der Unter-Dreijährigen Kinder werden derzeit in einer Einrichtung betreut, die ganztägig offen sei. Von den 5823 Kindern, die diese Einrichtung besuchen, sind 1045, also 17,9 Prozent, auch tatsächlich ganztägig anwesend. Im Kindergarten sind die Quoten ähnlich. “Die Gemeinden und privaten Träger schaffen gemeinsam mit dem Land Vorarlberg das Angebot. Schlussendlich entscheiden aber die Eltern.” Die Zahl der Kinder in ganztägiger Betreuung sage wenig über die Zahl der Plätze aus. Diese wären vorhanden, so die zuständige Landesstatthalterin. “Die Gemeinden bauen immer weiter aus und wir fördern das auch großzügig.” Mit dem Schuljahr 2025/26 trete zudem der Versorgungsauftrag für die Zweijährigen in Kraft. Das heißt, ein Angebot von mindestens fünf Stunden ist Pflicht, wenn der Bedarf besteht. “Das ist das, was sich der Gemeindeverband maximal vorstellen konnte.” Generell habe der Versorgungsauftrag, der bereits in anderen Altersgruppen greift, für einen richtigen Schub gesorgt. Dieser wirke weiter.
Personalfrage
Claudia Gamon sieht auch beim Personalstand der Elementarpädagoginnen Nachholbedarf, ist Gamon überzeugt: “Wir bilden in dem Beruf viele aus, die danach umsteigen.” Die Neos-Politikerin fordert ein Monitoring, mit dem evaluiert wird, wohin die ausgebildeten Pädagoginnen wechseln und wie man sie überzeugen kann, doch in ihrem Beruf zu bleiben. Überlegungen wären folgende: Das Gehalt an jenes der Lehrer anknüpfen und die Arbeitsbedingungen verbessern. Dies reiche von der Infrastruktur bis hin zum Einsatz von Assistenzkräften. “Elementarpädagoginnen müssen sich wirklich darauf konzentrieren, was sie gelernt haben.”