Julia Ortner

Kommentar

Julia Ortner

Kommentar: Der Mut der Geschwister Scholl

Politik / 24.02.2026 • 07:14 Uhr

Vergangenen Sonntag haben wir uns wieder an den Todestag von Sophie und Hans Scholl erinnert. Die Geschwister, Sophie war 21, Hans 24 Jahre alt, wurden am 22. Februar 1943 als Mitglieder der studentischen Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ vom nationalsozialistischen Volksgerichtshof in München zum Tode verurteilt und noch am selben Tag mit dem Fallbeil hingerichtet. Ein barbarischer Akt unter so unendlich vielen barbarischen Akten des NS-Staates. Und dennoch bleiben die beiden mit ihrem Mut und ihrem Widerstand gegen den Nationalsozialismus besonders in der Erinnerung all jener, die sie als Symbolfiguren für Zivilcourage sehen.

Die „Weiße Rose“ rief unter der Führung der Scholls ab dem Sommer 1942 mit Flugblatt-Aktionen zum Kampf gegen die Nationalsozialisten auf. Die Widerstandsgruppe verfasste mehrere Flugblätter, die sie per Post in ganz Deutschland verschickte und heimlich verteilte; eines davon wurde in England vervielfältigt und von der britischen Luftwaffe über ganz Deutschland abgeworfen. Nach einer Verteilaktion an der Münchner Universität wurden die jungen Leute verhaftet. Das Aufbegehren gegen die Diktatur konnte vom Regime nicht toleriert werden.

Gegen die Gleichgültigkeit

„Zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit, den Ihr um Euer Herz gelegt“, diesen schönen Satz schreiben Sophie und Hans Scholl in einem ihrer Flugblätter. Auch heute ist es wichtig, nicht abzustumpfen und genau zu beobachten, wohin sich die Welt entwickelt, wie die Mächtigen der Welt handeln. Dabei geht es nicht primär darum, auf Social-Media-Plattformen oder in der analogen Öffentlichkeit lautstark mit seiner Meinung aufzutreten. Sondern die Dinge sachlich zu analysieren und möglichst breit gefächert Verbündete zu suchen, um gemeinsam die demokratischen Werte zu bewahren, die eben nicht so selbstverständlich sind, wie manche angenommen haben.

Wenn wir heute auf die finstere Vergangenheit unseres Landes in der NS-Zeit blicken, um daraus zu lernen und besser zu verstehen, sind es die Erzählungen von Menschen wie den Geschwistern Scholl, die man nie vergessen sollte. Es gab auch andere todesmutige Menschen wie sie, neben den Opportunisten und den Unmenschen. Es gab Täter und Opfer, jene, die es sich mit dem Regime gerichtet haben, jene, die weggeschaut haben und jene, die im Kampf für die Menschlichkeit ihr Leben aufs Spiel setzen. Man kann Schlüsse aus ihren Geschichten ziehen und sich mit den grundlegenden, schwierigen Fragen konfrontieren: Was hätte ich damals getan? Hätte ich die Entschlossenheit gehabt, mich gegen das Böse aufzulehnen wie Sophie und Hans Scholl? Und was kann ich heute tun, um nicht gleichgültig zu werden?

Julia Ortner ist Journalistin mit Vorarlberger Wurzeln, lebt in Wien und ist Redaktionsleiterin von ORF.at.