Tausende warten auf leistbare Wohnungen

Zu wenige leistbare Wohnungen beschäftigen erneut den Landtag. Die SPÖ sieht Aufholbedarf bei gemeinnützigem Wohnraum.
Schwarzach Wie viele gemeinnützige Wohnungen braucht das Land? Am Mittwoch wird diese Frage wieder einmal Thema im Landtag sein. Auslöser ist eine dringliche Anfrage der SPÖ an Wohnbaulandesrat Marco Tittler, in der die Opposition wissen will, ob das Land genug leistbare Wohnungen schafft – und für wen. Laut AK-Wohnumfrage müsse fast jede zweite Mieterin beziehungsweise jeder zweite Mieter mehr als 40 Prozent des Einkommens für Wohnkosten aufbringen. Vorarlberg hat jedoch einen vergleichsweise geringen Anteil an gemeinnützigen Wohnungen im Bundesländervergleich.
Ende 2025 gab es rund 22.800 gemeinnützige Miet- und noch nicht übereignete Kaufanwartschaftswohnungen in Vorarlberg, informiert Tittler in der Anfragebeantwortung. Darin leben – bei einer durchschnittlichen Haushaltsgröße von 2,19 Personen – etwa 50.000 Menschen. Das entspricht rund 12,1 Prozent der Bevölkerung. Die SPÖ kritisiert, dass das Land bisher vor allem damit werbe, dass „98 Prozent der Vorarlbergerinnen und Vorarlberger in einer Gemeinde mit gemeinnützigem Wohnbau leben“. Entscheidend sei jedoch nicht die Nähe zu solchen Wohnungen, sondern wie viele Menschen tatsächlich darin wohnen können.
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Preisdämpfende Signale
Eine aktuelle WIFO-Studie im Auftrag der Arbeiterkammer bestätigt, dass der private Mietmarkt in Vorarlberg dominiert und der vergleichsweise kleine gemeinnützige Sektor daher nur begrenzt preisdämpfend wirkt. „Damit der Wohnungsmarkt nicht zur Gänze der Logik des freien Marktes ausgeliefert ist, kann die öffentliche Hand das Angebot der Nachfrage anpassen“, argumentiert die SPÖ. Kritisiert wird vor allem, dass das frühere Ziel von 1000 gemeinnützigen Wohnungen pro Jahr seit Jahren verfehlt werde.
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Dabei hat die schwarz-grüne Vorgängerregierung im Bund mit der sogenannten Wohnbaumilliarde die Mittel für Wohnbau aufgestockt. Landesrat Tittler informierte die VN schon Anfang des Jahres, dass die Vorarlberger Landesregierung mindestens 500 neue gemeinnützige Wohnungen pro Jahr will – einerseits um den Bedarf zu decken, aber auch um das Geld aus der Wohnbaumilliarde komplett abzuholen. Für Vorarlberg sind 34 Millionen Euro reserviert.
Aktuell befinden sich 915 gemeinnützige Wohnungen im Bau. Bis 2029 sollen weitere 846 Wohnungen bezugsfertig werden. Gleichzeitig waren mit Ende 2025 6596 Haushalte bei ihren Gemeinden als wohnungssuchend registriert. Mehr als 1500 davon stammen von Menschen unter 30 Jahren, über 600 nannten „Hausstandsgründung“ als Grund für ihre Bewerbung.
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Tittler: Wohnbauförderung “treffsicher”
Der Wohnbaulandesrat betont in der Anfragebeantwortung zudem, die Wohnbauförderung sei „treffsicher“, weil gemeinnützige Wohnungen vor allem Menschen mit niedrigem Einkommen zugutekämen. Laut Landesregierung werden 60 Prozent dieser Wohnungen von Haushalten aus dem untersten Einkommensdrittel bewohnt. Zudem verweist Tittler auf die in Vorarlberg üblicherweise auf 25 Jahre befristeten Mietverträge: Dadurch würden Wohnungen regelmäßig neu vergeben und könnten gezielt an Haushalte mit dringendem Bedarf gehen. Das führe auch dazu, dass es trotz einer Bauleistung von etwa 500 neuen Wohnungen jährlich zu mehr als 1500 Wohnungsvergaben kommt.