Ein Landesrat verlässt die politische Bühne: “Ab morgen bin ich wieder Landwirt”

Politik / 08.07.2026 • 21:45 Uhr
Ein Landesrat verlässt die politische Bühne: "Ab morgen bin ich wieder Landwirt"
Daniel Allgäuer geht am Mittwoch ein letztes Mal durch diese Tür. VN/Serra

Nach 26 Jahren kehrt Daniel Allgäuer der Politik den Rücken. Er blickt auf eine abwechslungsreiche Laufbahn zurück.

Bregenz, Feldkirch Daniel Allgäuers erster Arbeitstag als Sicherheitslandesrat am 6. November 2024 führt ihn direkt zu einer Abendveranstaltung. Davor möchte er noch etwas in seinem Büro nachfragen. Er ruft also in der Landhaus-Vermittlung an – um zu bemerken, dass ihm der Nachname seiner Büromitarbeiterin entfallen ist. Allgäuer lacht, als er die Geschichte erzählt. “Ich sagte einfach: Verbinden Sie mich bitte mit dem Büro von Katharina Wiesflecker. Das hat funktioniert.” Heute kennt ihn jeder im Landhaus. Und schon muss er seinen Schreibtisch wieder räumen. Ein Abschied mit Wehmut und Vorfreude.

Daniel Allgäuer hat keine klassische Politikerlaufbahn hinter sich. Der Landwirt ist 36 Jahre alt, als er sich den FPÖ-Landwirten anschließt. 2005, erst mit 40 Jahren, zieht er in die Feldkircher Stadtvertretung ein. Es folgt ein rasanter Aufstieg: 2009 Landtagsabgeordneter, 2015 Klubobmann. 2020 wird er um ein Haar Feldkircher Bürgermeister, 2024 der Ruf in die Landesregierung. So schnell der Aufstieg, so rasch das Ende. Allgäuers Rückenprobleme zwingen ihn, nach 26 Jahren die Politik wieder zu verlassen. “Ich habe das sehr gern gemacht”, sagt er mit einem breiten Lächeln im Gesicht. An seinem letzten Tag wirkt Allgäuer sehr gelöst.

Ein Landesrat verlässt die politische Bühne: "Ab morgen bin ich wieder Landwirt"
In seiner kurzen Amtszeit haben sich Aktenberge angehäuft, erzählt er im Gespräch mit den VN. VN/Serra

Sein größter Erfolg? “Eigenlob mag ich nicht”, antwortet er. “Der Höhepunkt war sicher der einstimmige Beschluss zur Energieautonomie plus. An dieser Stelle kann ich auch einmal an die Opposition Danke sagen.” Er habe stets versucht, auch für die Opposition offen zu sein und ihr alle Informationen zukommen zu lassen. “Vielleicht auch, weil ich selbst 15 Jahre lang in der Opposition gewesen bin. Ich kenne es, wenn man keine Informationen erhält.”

Bilder spiegeln den Charakter, sagt man. Vorarlbergs Regierungsmitglieder dürfen ihr Büro mit Leihgaben aus dem Landesarchiv schmücken. Allgäuer hat sich für ein großes Foto entschieden, das das Gipfelkreuz der Drei Schwestern von hinten zeigt. “Das Bild ist aus meiner Region. Man sieht den Gipfel, viele Alpen, die Rüttenen, die ich bewirtschafte. Und man sieht bis zum Bodensee, also eigentlich das ganze Land.” Ansonsten ist Allgäuers Büro einen Tag vor seinem Abschied bereits so gut wie leer. “Nach der Angelobung kann Markus Klien schon am Mittag den Schreibtisch beziehen.” Seinem Nachfolger möchte er keine Empfehlungen ausrichten. “Das Wort Ratschlag enthält das Wort Schlag”, betont er und legt nach: “Mich hat man gefragt, ob ich einmal in die Fußstapfen meines Vaters treten möchte. Ich antwortete immer: Nein, ich möchte ihn überholen.”

Ein Landesrat verlässt die politische Bühne: "Ab morgen bin ich wieder Landwirt"
Die Drei Schwestern mit Blick über das komplette Rheintal. VN/Serra

Ein Regierungsamt bringt Abwechslung. Vor einem Jahr ist Allgäuer auf Einladung des Energieinstituts zu einer Diskussion mit jungen Menschen eingeladen, die ein besonderes Fahrrad dabeihaben. “Sie sagten, mit diesem Fahrrad kann niemand fahren. Ich antwortete: Wer Traktor fahren kann, schafft auch das”, erinnert sich der Landesrat, grinst und fährt fort: “Nach fünf Sekunden war Schluss.”

Allgäuer02.JPG
Allgäuer versucht es auf dem Fahrrad, das sich in alle Richtungen einklappt …
Allgäuer01.JPG
… und scheitert nach fünf Sekunden.VN

Allgäuer ist ein Paradebeispiel für einen Vorarlberger Freiheitlichen. Er wählt seine Worte stets mit Bedacht, mit der Kickl’schen Rhetorik hat er nichts am Hut. Kritisieren möchte er sie dennoch nicht. “Der Bund hat uns nie reingeredet, und ich rede der Bundespartei nicht rein. In Vorarlberg mag man es, wenn gearbeitet wird. In Wien geht es auch ums Wadenbeißen.” Insgesamt kann er den allgemeinen Befund, dass der Wind gegenüber Politikern rauer geworden ist, nicht teilen. “Als ich, aus einer ÖVP-Familie stammend zu den FPÖ-Landwirten gegangen bin, wurde ich als Verräter beschimpft. Das hat sich gelegt, mittlerweile sagt niemand mehr etwas, weil ich Freiheitlicher bin.” Online sei es allerdings schlimm geworden. “Anonym lässt sich leicht schimpfen.”

Nun freut er sich auf die Zukunft. “In der Politik hat Erfolg viele Väter. Aber wenn ich mit dem Traktor rausfahre, die Saat ausbringe und später die Ernte einfahre, das bleibt alleine mir.” Allgäuer blickt auf, lächelt und sagt: “Ab morgen bin ich wieder Landwirt.”

Ein Landesrat verlässt die politische Bühne: "Ab morgen bin ich wieder Landwirt"
Ein letztes Mal aufräumen. VN/Serra
Ein Landesrat verlässt die politische Bühne: "Ab morgen bin ich wieder Landwirt"
Daniel Allgäuer bekräftigt: Das Kapitel “Politik” hat sich für ihn erledigt. VN/Serra