Kommentar: Outsourcing
So nennt man das doch heute, wenn man externe Spezialisten die Arbeit umhängt, die man selber nicht machen will. Das Geschäftsmodell ist vielfältig nutzbar. Manchmal geht es auch nur darum, die Drecksarbeit anderen zu überlassen.
Doch das kann teuer werden, oder menschenverachtend, oder beides. In der EU hat sich Österreich begeistert einer «Gruppe der Umsetzer» angeschlossen, Länder deren Regierung gerade unter dem Druck rechtsradikaler Parteien stehen, und demonstrieren wollen, «Herr im eigenen Haus» zu sein, wie Innenminister Karner es gerade formuliert hat. Derzeit befinden sich 843 rechtskräftig abgelehnte Asylwerber in Österreich, und insgesamt ca. 5200 Asylwerber in der Grundversorgung. Eine Staatskrise? Letztes Jahr sind 9000 abgelehnte Asylwerber freiwillig in ihr Heimatland zurückgekehrt. Der größte Teil der abgeschobenen Asylwerber wiederum kam aus Osteuropa. Soweit einmal die nackten Zahlen.
Aber Innenminister Karner hat dennoch große Pläne, sich an Abschiebelagern außerhalb Europas zu beteiligen. Besonders weit scheint man mit Uganda zu sein. Eine für Korruption und Folter, Polizeigewalt und Homosexuellenverfolgung bekannte Diktatur, in der aber auch schon zwei Millionen Flüchtlinge dahinvegetieren. Also so ziemlich genau das, was man als Abschreckungswaffe im Auge hat. Großbritannien hat dieses zynische Spiel schon hinter sich. Die letzte konservative Regierung in London hatte sich ausgerechnet Ruanda, also den Ort des größten Völkermords seit dem Holocaust, als Schauplatz für dieses Szenario ausgesucht. Am Ende hat diese negative Utopie 800.000.000 Euro (in Worten 800 Millionen Euro) gekostet. Die Italiener hingegen leisten sich Abschiebelager in Albanien für 114.000 Euro – pro Tag. Einhaltung menschenrechtlicher Mindeststandards? Fehlanzeige.
Mit dem österreichischen Ugandaexperiment will man nun die FPÖ in Schach halten. Man kann sich denken, wie das ausgeht. Während Karner meint, man könne die 250 Millionen, die man gerade aufgrund gesunkener Asylzahlen sparen würde, doch auf diese Weise verbrennen, statt den Haushalt zu entlasten, lästert die FPÖ schon, dass sie das billiger machen wird.
Outsourcing? Was ein ugandischer Diktator kann, können wir doch selber. So grauslich sein, dass Österreich wieder ein Auswanderungsland wird.
Hanno Loewy ist Autor und Literaturwissenschaftler.
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