“Es gab andere Projekte, die näher am Markenziel waren”

Landesrechnungshofdirektorin Brigitte Eggler-Bargehr über das kritische Ergebnis der Prüfung zur Marke Vorarlberg.
Bregenz Die Marke Vorarlberg ist nicht mehr. 18 Millionen Euro gab das Land bisher dafür aus. Mit wenig Erfolg, wie der Landesrechnungshof feststellte.
Die Marke Vorarlberg als großes Missverständnis – wie würden Sie die Marke von der Konzeption bis heute bewerten?
Brigitte Eggler-Bargehr Bei der Konzeption sehen wir ein grundsätzlich interessantes Vorgehen, auch mit einem engagierten Projektteam. Allerdings mit einem sehr breiten Konsens und wenig differenzierend. So, dass sich jeder drin wohlfühlen kann. In der Entwicklung finden wir einige Schwächen. Beispielsweise ist es über die Jahre nicht gelungen, eine Identifikation mit der Marke aufzubauen. Und die Umsetzung in dieser Breite und Vielfalt der Projekte hat dazu geführt, dass in der Frage, was man für die Vision erreicht hat, wahrscheinlich Handlungsbedarf besteht.
War die Marke Vorarlberg also ein Griff ins Klo?
Eggler-Bargehr So würde ich das nicht sagen. Ich glaube schon, dass es wichtig ist, auf ein Ziel hinzuarbeiten. Aber das Learning sollte sein, dass man dieses Ziel sehr konkret und detailliert beschreibt. Was meint man wirklich damit? Dann kann man auch in der Umsetzung konsequent vorangehen und damit auch Dinge ausschließen.
War das Land also zu wenig konkret?
Eggler-Bargehr Anfangs war man zu wenig konkret. Das Positive ist, dass man reagiert hat. Das hat allerdings dann wieder nicht funktioniert, weil das grundsätzliche Vorgehen, eine Marke über Projekte aufzubauen, auch sehr ambitioniert war. Es gab auch keine Vorbilder.
Auch der Bodenfonds wird über die Marke Vorarlberg finanziert. Was trägt er zum Markenziel “chancenreichstes Land für Kinder” bei?
Eggler-Bargehr Wie die Herleitung für dieses Projekt lautet, müssen Sie andere fragen. Letztlich glaube ich, dass man sehr vieles hineininterpretieren kann. In irgendeiner Art findet man überall Auswirkungen auf dieses Ziel. Aber die Frage ist schon, wie weit diese Herleitung sein darf.
Und wie weit ein Projekt auf die Marke einzahlt.
Eggler-Bargehr Das ist ein anderes wesentliches Thema. Nur ein Projekt hat das Logo der Marke getragen. Es gibt viele andere Projekte im Land, die näher an der Vision sind, aber nicht auf die Marke eingezahlt haben, weil niemand wusste, dass sie mit der Marke in Verbindung stehen.