Landesrechnungshof nimmt Marke Vorarlberg auseinander

Politik / 24.09.2026 • 09:41 Uhr
Landesrechnungshof nimmt Marke Vorarlberg auseinander
Brigitte Eggler-Bargehr präsentierte den Prüfbericht des Landesrechnungshofs. VN/mip

Prüfer kritisieren die Marke scharf und haben eine spektakuläre Empfehlung.

Bregenz Was viel Geld kostet, aber wenig bringt, erregt in der Regel die Aufmerksamkeit des Landesrechnungshofs. Für die Marke Vorarlberg gab das Land bis 2025 rund 18 Millionen Euro aus, sieben weitere Millionen sind für heuer budgetiert. Bekanntheitsgrad: überschaubar. “Darum haben wir uns entschlossen, die Marke unter die Lupe zu nehmen”, sagt Brigitte Eggler-Bargehr, Direktorin des Landesrechnungshofs – und fasst zusammen: “Nach eingehender Prüfung empfiehlt der Landesrechnungshof eine Einstellung der Marke.” Zukünftig soll sich das Land auf jene Projekte fokussieren, die Vorarlberg zum chancenreichsten Land für Kinder machen. Das Land hat bereits vorgesorgt. Den Prüfbericht schon seit Monaten kennend, hat es die Marke schon aufgelöst.

Die Kritik hat es in sich: Die Marke sollte über konkrete Projekte sichtbar und erlebbar werden. Das Vorhaben war ambitioniert: Vorbilder gab es laut LRH keine. Schon während der Umsetzung, die 2020 begann, traten jedoch Schwierigkeiten auf. Die Projekte seien vielfach zu kleinteilig gewesen, um eine größere Wirkung zu erzielen. Auch die Einbindung der Landesverwaltung und der Beteiligungsunternehmen gelang nur eingeschränkt. So konnte die WISTO als externes Unternehmen des Landes nicht auf die Landesabteilungen einwirken. Zudem sei ihre Arbeit stark wirtschaftsorientiert gewesen und habe damit nur begrenzt zur Vision der Marke gepasst.

Auch innerhalb der Verwaltung fehlte es an Identifikation. Initiativen des Landes, etwa der Familienpass, wurden kaum in die Marke eingebunden. Für die Umsetzung der Marke fühlte sich offenbar niemand eindeutig zuständig: Während eine Stelle Projekte betreute, kümmerten sich andere um Kommunikation und Website. Eine Neuausrichtung im Jahr 2024 konnte diese Probleme laut LRH nicht lösen.

Bei seiner Prüfung stellte der Rechnungshof ein schwaches Markenbild fest. Nur zehn Prozent der Befragten konnten die Marke mit konkreten Inhalten verbinden. Auch die Website habe keine klare Botschaft und Linie vermittelt. Das ursprüngliche Ziel, über Lizenzen Einnahmen von externen Partnern zu erzielen, wurde ebenfalls verfehlt: Die Marke sei für mögliche Partner zu wenig attraktiv gewesen. Bei einer Kooperation mit einer Vorarlberger Bäckerei zahlte die WISTO stattdessen Sponsorbeiträge aus.

Der LRH kritisiert zudem, dass ein konzeptionell fundiertes Vorgehen gefehlt habe. Bereits 2022 hatte ein Bericht zu Beratungsleistungen auf wesentliche vergaberechtliche Mängel hingewiesen. Als Beispiel für die Umsetzung nennt der Rechnungshof auch den Erlebnisraum, der im Mai 2026 als Forum Vorarlberg eröffnet wurde.

Wofür das Geld ausgegeben wurde

Insgesamt kosteten Entwicklung, Aufbau und Umsetzung der Marke bis Ende 2025 genau 18,44 Millionen Euro. Rund eine Million entfiel auf die Markenentwicklung und die Vorbereitung der Umsetzung, 4,7 Millionen auf das Markenmanagement durch die WISTO. Mit 12,74 Millionen Euro floss der größte Teil in sogenannte Schlüssel- oder Chancenprojekte. Sie sollten die Markenvision konkret umsetzen. Grundlage für die Ausweitung des Projektbudgets war ein Landtagsbeschluss aus dem Jahr 2022: Demnach sollten jährlich sieben Millionen Euro aus den Heimfallsrechten der illwerke vkw in die Projekte fließen.

Landesrechnungshof nimmt Marke Vorarlberg auseinander
Quelle: Landes-Rechnungshof

Zu den Projekten der Jahre 2024 und 2025 gehörten in der Gruppe Finanzen der Bodenfonds, der über zwei Jahre drei Millionen Euro erhielt, und die Wohnbauförderung mit einer Million Euro. Das Geld war ursprünglich für ein Sonderwohnprogramm vorgesehen, das wegen zeitlicher Verzögerungen nicht umgesetzt werden konnte. Gleichzeitig wurden die Wohnbauförderungsrichtlinien familien- und kinderfreundlicher gestaltet. Wegen der höheren Nachfrage wurde das Geld dorthin umgeschichtet.

In der Land- und Forstwirtschaft entfielen 3,4 Millionen Euro auf das Projekt “Kinder essen ghörig”. Im Bereich Bildung und Kultur wurden unter anderem der Bildungszuschuss für Schülerinnen und Schüler an BAfEP-Schulen sowie die Lerncafés der Caritas gefördert. Weitere Projekte waren eine soziale Staffelung der Kleinkindbetreuung, die strukturelle Förderung des Symphonieorchesters Vorarlberg, ein erweitertes Freiwilliges Soziales Jahr in Kinderbildungs- und Betreuungseinrichtungen sowie das Stella Pre-College.

Für Projekte im Bereich Soziales und Gesundheit standen insgesamt 2,3 Millionen Euro zur Verfügung. Das größte davon war die tägliche Bewegungseinheit an Schulen mit 1,2 Millionen Euro. Dazu kamen unter anderem Schulsozialarbeit sowie die Initiativen “Chancen im Sport” und “Chancen für Mädchen”. Im Bereich Wirtschaft wurde die Konzeption einer Markenerlebniswelt gefördert.