Dürre, Futtermittel und Preise: “Dann ist der Schaden perfekt”

Die anhaltende Trockenheit setzt Vorarlbergs Bauern zu. Markus Hartmann fehlen bis zu 40 Prozent Futter, gleichzeitig steigen die Preise.
Schwarzach Ein Jahr wie ein perfekter Schaden. Für Markus Hartmann wird die Trockenheit heuer konkret: im Futtertrog und bei den Kosten. Der Landwirt aus dem Walgau bewirtschaftet 30 Hektar Grünland auf 1300 Metern und hält rund 50 Tiere, darunter 20 Milchkühe. “Beim ersten Aufwuchs war es bei uns noch normal, die Ernte konnte wie üblich eingefahren werden. Doch beim zweiten und dritten Schnitt sind die Erträge richtig weggebrochen.” Unterm Strich fehlen Hartmann bis 40 Prozent des Futters. Futterzukauf wird heuer zum Problem.
“Wenn wir sonst das Heu um 30 bis 35 Cent eingekauft haben, liegen wir bei 45 Cent. Aber man hört auch Preise von 60 bis 65 Cent.” Wenn es im Winter nicht reicht, schließt Hartmann nicht aus, von 20 auf 17 Milchkühe zu reduzieren – obwohl der Bedarf prinzipiell gegeben ist. Er liefert seine Milch an die Sennerei Schnifis. “Dort wird die Milch auch gebraucht, weil die Vermarktung gut ist und die Produkte weiter hergestellt werden sollen.”

“Extremsituation in Vorarlberg”
Hartmann führt den Familienbetrieb seit rund 20 Jahren und attestiert: “Die Herausforderungen sind im Moment schon recht hoch. Die Betriebsmittel sind nicht zuletzt beim Kraftstoff sehr hoch.” Auf der Alpe hatte er noch Glück: Die Tiere mussten nicht früher runter, weshalb kein zusätzliches Futter notwendig war. Andere Kollegen hatten weniger Glück.
Was Hartmann erlebt, ist für Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer Vorarlberg, mehr als ein Einzelfall: “Eine solche Extremsituation über Monate hinweg, die kennt Vorarlberg in dieser Dimension nicht. Seit Beginn des Jahres haben wir ständig Niederschlagsdefizite.” Besonders hart treffe es die Hanglagen und Heubetriebe. “Wenn das wenige Mähen kein Futter gibt, dann ist der Schaden perfekt. Und ungefähr so geht es den Bergbauern und Heubauern im Moment.”
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Was der Markt nicht zahlt
Bereits Anfang August zeigte sich der Druck auf die Bestände, die VN berichteten: Laut ARGE Rind wurden rund dreimal so viele Schlachtkühe wie üblich vermarktet, die Preise für Schlachtkühe lagen österreichweit bis zu 25 Prozent unter denen der Vorwochen.
Beim Futter erreichen die Preise laut Moosbrugger hingegen “extreme Preisniveaus, die es vorher in dieser Dimension eigentlich nie gegeben hat”. Kosten, auch durch die Energiekrise, und Erlöse klafften auseinander: “Das passt nicht zusammen.” Hilfen aus dem genossenschaftlichen Bereich, das Dürrepaket und Zahlungen der Hagelversicherung könnten die Schäden abfedern, aber nicht ausgleichen. “Der Landwirt hat einen massiven Schaden selbst zu tragen.” Und Moosbrugger sagt: “Das kann man nicht mit öffentlichem Geld wett machen, was der Markt nicht zahlt. Auch insbesondere in der aktuellen Budgetsituation.”
Aktuell kommt noch TBC hinzu. Für Moosbrugger ist die Tierseuche eine weitere emotionale Belastung: “Diese Unsicherheit, was in den kommenden Wochen passiert, das ist nervlich extrem belastend.”
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Besonders trocken in Vorarlberg
Und die Trockenheit ist noch nicht vorbei. Laut Wasserhaushaltsbericht des Umweltministeriums war der September um 2,1 Grad wärmer als im Mittel und brachte 29 Prozent weniger Niederschlag. Besonders trocken blieb es in Vorarlberg. Österreichweit lagen mehr als 95 Prozent der Pegelmessstellen unter dem langjährigen Monatsmittel. Knapp 90 Prozent der Grundwassermessstellen wiesen Ende September niedrige oder sehr niedrige Stände auf. Auch der Bodensee blieb betroffen: Der Wasserstand am Pegel Bregenz lag unter dem bisher niedrigsten gemessenen Wert für diesen Zeitpunkt.
Für Hartmanns Stall bedeutet das: Noch stehen 20 Kühe darin. Wie viele es durch den Winter schaffen, entscheidet sich heuer nicht zuletzt am Futter.